Bo(o)tschaften eines Vagabunden

Mit Pauken und Trompeten die Himmelsleiter hinauf. So stellte sich Horst Geldmacher den Weg ins Paradies vor.
Mit Pauken und Trompeten die Himmelsleiter hinauf. So stellte sich Horst Geldmacher den Weg ins Paradies vor.
Foto: WR Theo Schmettkamp
Gründonnerstag vor 20 Jahren ist das Multitalent Horst Geldmacher gestorben. Dem Grafiker, Maler, Bildhauer, Literaten und Musikanten wird Ausstellung im Düsseldorfer Uhrenturm gewidmet.

Emmerich/Düsseldorf.. Am Gründonnerstag vor 20 Jahren, es war der 16. April 1992, ist Horst Geldmacher in Emmerich gestorben. Der gebürtige Bochumer wurde knapp 63 Jahre alt und fand seine letzte Ruhe in Hattingen. Das Hermann-Harry-Schmitz-Institut im Uhrenturm, Düsseldorfs kleinstem Museum, widmet dem Grafiker, Maler, Bildhauer, Literaten und Musikanten eine zwar kleine, aber sehenswerte Ausstellung.

Die Freundschaft zu Günter Grass

Die „Bo(o)tschaften“ laden jeden Montag von 18 bis 20 Uhr, wenn aller anderen Düsseldorfer Museen längst geschlossen haben, zu einem Besuch an die Grafenberger Allee 300 ein. Weil die Ausstellung so erfolgreich ist, wurde sie zweimal verlängert, zuletzt bis zum 30. April. Gut möglich, dass einige weitere Wochen drangehängt werden: „Wir möchten gern noch den 5000. Besucher begrüßen“, so Klaus Lehmann.

Friedrich Huppertz hat aus seinem reichen Fundus die Arbeiten von Horst Geldmacher für diese kleine Retrospektive zur Verfügung gestellt. Auch das Rheinmuseum in Emmerich – dessen Museumsleiter kannte Horst Geldmacher gut – war mit Rat und Tat behilflich.

Als das Multitalent die letzten 20 Jahre am Alten Markt in Emmerich lebte, schaute der fantasiebegabte Vagabund vom Balkon aus gerne auf den Rhein hinab, verfolgte fasziniert das umtriebige Leben auf und am Fluss und hielt seine Eindrücke auf unnachahmliche Art und Weises fest.

Horst Geldmacher hat zum Ende der 40er-Jahre mit Günter Grass in der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Sie haben vorübergehend in einer Bude gewohnt und mit ihrer Jazz-Combo in Altstadtkneipen Musik gemacht. Geldmacher war das „Flötchen“.

In seiner berühmt gewordenen „Blechtrommel“ und in „Beim Häuten der Zwiebel“ hat Grass seinem Freund aus fernen Tagen ein literarisches Denkmal gesetzt. Günter Grass beehrte die Geldmacher-Schau im Uhrenturm mit einem Grußwort: „Ich kann mir gut vorstellen, dass vieles in dieser Ausstellung mir schon früher begegnet ist. Allen Gästen wünsche ich, dass Ihnen die Begegnung mit Horst Geldmacher, der viel zu früh gestorben ist, Gelegenheit gibt, sich in die 50er-Jahre zurück zu versetzen, eine Zeit, in der noch fast alles möglich schien.“

Seinen eigenen Nachruf verfasste Horst Geldmacher bereits 1983: „Gelitten und gestritten. Gezeichnet und gemalet. Auch in Linol geschnitten. So gut wie nie bezahlet. Mit Wein und Schnaps und Bieren. Für Leber und auch Nieren.“

 
 

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