Bluttat in Emmerich - Verdächtiger will Stimmen gehört haben

Auf der Pressekonferenz am Donnerstag: Hans-Ulrich Reining, Dienststellenleiter Emmerich, Oberstaatsanwalt Johannes Hoppmann und der Leiter der Mordkommission Krefeld, Gerd Hoppmann.
Auf der Pressekonferenz am Donnerstag: Hans-Ulrich Reining, Dienststellenleiter Emmerich, Oberstaatsanwalt Johannes Hoppmann und der Leiter der Mordkommission Krefeld, Gerd Hoppmann.
Foto: WAZ FotoPool
Die Polizei hat den Mann, der eine 26-Jährige getötet und ihre Mutter schwerst verletzt haben soll, festgenommen. Der 32 Jahre alte Nachbar hat die Tat bei der Polizei bereits gestanden. Er sagte in seiner Vernehmung, dass er Stimmen gehört habe, die im befohlen hätten, die beiden Frauen zu töten.

Emmerich.. Der mutmaßliche Täter ist gefasst und hat seine Taten gestanden. Ein Nachbar (32) hat am Mittwoch die 26-jährige Frau zu Tode gestochen und deren 45-jährige Mutter schwer verletzt. Immerhin: Sie scheint zu überleben. Wie die Polizei am Donnerstagnachmittag in einer Pressekonferenz berichtete, gab es auch noch ein drittes Opfer.

Nach den Attacken an der Nierenberger Straße, brach der sechsfache Familienvater am Mühlenweg in die Wohnung eines 23-jährigen ehemaligen Arbeitskollegen ein. Diesen überfiel er schlafend im Bett, schlug mit einem Bierkrug auf den Hinterkopf, schlug ihm Zähne aus, brach ihm im Kampf zwei Finger. „Das Opfer hat sich gewehrt, bis der Täter flüchtete“, berichtete Gerd Hoppmann, Leiter der Mordkommission Krefeld.

Psychiatrisches Gutachten muss Schuldfähigkeit untersuchen

Für all diese Taten gibt es scheinbar kein wirkliches Motiv. „Stimmen“, schildert Gerd Hoppmann, „hätten ihm befohlen, die Frau zu töten.“ Die Nachbarsfamilien an der Nierenberger Straße hatten keinen Streit, wie andere Nachbarn bestätigten. „Man hat sich gegenseitig mit Kinderkleidung ausgeholfen“, so Hoppmann. Vielleicht habe es mal Ärger gegeben, weil die eine Partei zu laut war und Kinder aufweckte.

Aber ein eindeutiges Motiv sei nicht zu erkennen. Auch mit dem ehemaligen Arbeitskollegen verstand sich der 32-Jährige bisher gut. Oberstaatsanwalt Johannes Hoppmann berichtete, es werde ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden müssen, ob der Täter schuldfähig ist, und ob eine Einzelunterbringung angeordnet werden muss: „Die Einlassung des Tatverdächtigen muss verifiziert werden.“

Die Aussagen des Tatverdächtigen passen zu den Ermittlungen. Entsprechend ist folgender Tathergang wahrscheinlich: Gegen 6.30 Uhr wollte der 32-Jährige, der mit seiner Familie in der zweiten Etage wohnt, die Wohnung verlassen. Seine Ehefrau hielt ihn wohl davon ab. Deshalb kletterte er den Balkon hinunter auf den Balkon der Opfer eine Etage da drunter.

Dort trat er die Scheibe ein und griff sich im Wohnzimmer eine Wodkaflasche. Im Flur traf er auf die 45-jährige Mutter der Toten, die er mit der Flasche niederschlug. „Dann ging er in die Küche und holte sich dort ein langes Messer aus einem Messerblock“, erklärte Hoppmann. Damit ging er ins Schlafzimmer und attackierte die 26-Jährige vor den Augen der ein- und vierjährigen Söhne: „Zehn Messerstiche in Gesicht, Hals und Oberkörper. Das Opfer ist schlussendlich verblutet“, sagte der Leiter der Mordkommission.

Verdächtiger lieferte sich Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

Die 45-Jährige hatte sich inzwischen ins Treppenhaus geschleppt. Dort suchte der Täter die Frau auf und stach mehrfach auf sie ein. Unter anderem erlitt sie einen Durchstich am Hals. „Sie ist heute aus dem Koma erwacht. Wir hoffen, sie bald befragen zu können“, sagte Hoppmann am Donnerstag. Das Messer blieb in der Wohnung. Danach kam es zu dem Überfall auf den ehemaligen Arbeitskollegen.

Die folgende Fahndung ist reif für jeden Krimi: Kurz nach den Taten hatten ein Hüthumer Bauer und dessen Sohn, den blutverschmierten, verstörten Mann gesehen. Der Gesuchte entkam in ein unwegsames Wald- und Feldgebiet zwischen Elten und Hüthum. „Wir hatten das Gelände umstellt“, sagte Hans-Ulrich Reining, Leiter der Emmericher Wache. Eine Hundertschaft durchsuchte das Gebiet. Bundespolizei und Wasserschutzpolizei halfen mit. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera war im Einsatz. Ohne Erfolg.

Gegen 19.20 Uhr wurde der Täter an der angrenzenden B 8 gesichtet. Er flüchtete in ein Waldstück südlich der B8. Er wurde erneut umzingelt. Jetzt begann das Katz- und Mausspiel, das die ganze Nacht andauern sollte. Immer wieder stießen Polizisten in das dunkle, 400 mal 400 Meter große Areal, hielten den Fahndungsdruck aufrecht.

32-Jähriger ließ sich am Morgen widerstandslos festnehmen

Am Donnerstagmorgen, 8.20 Uhr, wurde eine verdächtige Person am Campingplatz gesehen. Die Polizei war sofort da, der völlig durchgefrorene 32-Jährige „ließ sich widerstandslos festnehmen“, schilderte Reining. Die Fahndung sei durchaus auch eine Belastung für die Hüthumer Bevölkerung gewesen, aber man habe mit jedem Bürger (!) gesprochen.

Die Ehefrau des mutmaßlichen Täters gab an, dass ihr Mann zuletzt psychisch nicht gut drauf gewesen sei. Die Frau dachte aber darüber nach, Kontakt zu suchen.

Zunächst hatte die Polizei den Ehemann der 26-jährigen Aussiedlerin ins Visier gefasst. „Relativ schnell war klar, dass er raus fiel. Er war vor 6 Uhr auf der Arbeit, weit weg von Emmerich, angekommen“, so Ermittlungsleiter Hoppmann. Die Polizei schickte Kräfte zur Arbeitsstelle. Der Ehemann sollte nicht vorgewarnt werden, allerdings muss er irgendwie von der Situation erfahren haben, denn zeitgleich fuhr er nach Emmerich los. Deshalb kam es zu der unschönen Situation, dass der Ehemann vor der Wohnung am Flatterband vom Tod seiner Frau erfuhr.

Die Staatsanwaltschaft Kleve hat Haftbefehl wegen Totschlags und versuchten Totschlags erlassen.

 
 

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