Bahn stellt Lärmschutz bei Betuwe-Route zurück

Foto: Kurt Michelis WAZ / FotoPool
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Emmerich/Rees. Ein internes Papier aus dem NRW-Verkehrsministerium zur Betuwe-Route sorgt für Kopfschütteln. Norbert Gies, Sprecher der Betuwe-BI: Niederländer machen Druck. Der Reeser Bürgermeister sieht Raum für Spekulationen.

Das interne Papier aus dem NRW-Verkehrsministerium zur Betuwe-Route hat am unteren Niederrhein für Kopfschütteln und Fragezeichen gesorgt.

Nach diesem Aktenvermerk wird in der Liste des Netzbeirates der DB AG für die Strecke Emmerich-Oberhausen bis 2020 „kein nennenswerter Ausbau“ erwartet. Das lasse befürchten, so die vage Formulierung, dass die Bahn das dritte Gleis (und damit auch den Lärmschutz) zugunsten der Blockverdichtung, also der Verkürzung der Signalabstände und damit dichtere Zugfolgen, „zumindest zurückstellt“.

Das aber, so Norbert Gies, Sprecher der Betuwe-Bürgerinitiative, stünde im krassen Widerspruch zu dem, was Bahn-Chef Dr. Rüdiger Grube bei der Einweihung des Info-Zentrums im Emmericher Bahnhof am 1. April erklärt hatte und was vom Bahn-Gipfel tags zuvor in Düsseldorf zu hören war. „Diese persönliche Einschätzung widerspricht allen Zusagen, die gemacht wurden.“ Und stimme auch nicht mit dem überein, „was wir von niederländischer Seite hören“, so Gies weiter: „Die niederländische Seite drückt und drückt.“

Grube hatte aus feierlichem Anlass erklärt: „Mit dem dreigleisigen Ausbau schaffen wir auf einem wichtigen Abschnitt der zentralen Güterverkehrsachse Rotterdam-Genua nun die Voraussetzung für mehr Qualität und Kapazität auf der Schiene. Gleichzeitig verbessern wir mit dem Bau von neuen Schallschutzwänden in vielen Streckenabschnitten die Lärmsituation für die Anwohner.“ Soweit der Bahn-Boss.

Datum für den Baubeginn war für Ende 2012 veranschlagt

Als Datum für den Baubeginn des 3. Gleises wurde klipp und klar Ende 2012 genannt. So steht’s auch schwarz auf weiß in einer Hochglanzbroschüre der DB. Norbert Gies geht davon aus, dass frühestens zwischen 2015 und 2020 der Ausbau komplett realisiert ist, aber auch er weiß natürlich: „Es geht nur ums Geld.“ Ihm falle jetzt immer häufiger der Satz des Ministerialrates Christoph Staufenbiel ein: „Die Finanzierung ist gesichert, aber es ist kein Geld da.“

Christoph Gerwers, der Reeser Bürgermeister, hat das Datum 2012 allein wegen der drei Jahre dauernden, aufwändigen Planverfahren schon immer für recht optimistisch gehalten. Er ist interessiert daran, dass es nach den Herbstferien zur Offenlage des Planfeststellungsverfahrens Haldern 3.1 kommt, dann die Bürger informiert werden könnten und die Stadt Rees nach der Diskussion in den politischen Gremien eine qualifizierte Stellungnahme dazu abgeben könne. Sein Eindruck ist, dass die Stellungnahme aus dem Landesverkehrsministerium durchaus Raum für Spekulationen lässt. Wenn das 3. Gleis tatsächlich erst 2020 käme, dann fände er das „schlimm“. Er habe ein Interesse, dass das dritte Gleis eher kommt als die Blockverdichtung, weil es nur mit dem 3. Gleis Lärmschutz gebe.

Für Irritationen hatte erst im August eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes gesorgt, wonach der geplante Streckenausbau Emmerich-Oberhausen zu teuer sei und deshalb besser gleich Alternativen geprüft werden sollten, z.B. über Elten-Kleve, was im Linksrheinischen auf wenig Sympathien gestoßen war.

 
 

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