Bahn ist zu Kompromissen bereit

Maria Raudszus
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Beim Thema Sicherheit will die Deutsche Bahn mit den Feuerwehren im Gespräch bleiben. Glaswände sind kein Tabu

Emmerich/Rees. „Wir sind zu Kompromissen bereit!“ Diese Aussage machte gestern Stefan Ventzke, Leiter der DB ProjektBau, in Hinblick auf die Zufahrten für Rettungswagen zu der Güterferntrasse Betuwe. Derzeit hat die Bahn AG alle 1000 Meter eine Zufahrt anvisiert, die örtlichen Sicherheitsleute halten solche alle 200 Meter für geboten. Gestern stellte die DB Netze den Ausbau der Strecke von der Grenze NL bis Oberhausen noch mal im Detail mit allen Zahlen, Daten und Fakten vor.

Anzahl der Rettungstüren

Ventzke wies darauf hin, dass der Sicherheitsfrage seitens des Gesetzgebers mit einem Abstand von 1000 Metern grundsätzlich Genüge getan sei. Er wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass 1000 Meter Abstand im schlechtesten Fall eine Entfernung von nur 500 Metern zum möglichen Unglücksort bedeuteten. „Und wir werden in dicht besiedelten Gebieten mit uns reden lassen und einen geringeren Abstand herstellen“, versprach er. Das heißt vor allem: mehr Rettungstüren in die Lärmschutzwände einzubauen. Probleme hinsichtlich des Löschwassers könne man auch dadurch lösen, dass Schläuche durch die Schutzwände verlegt würden.

Thema Lärmschutzwände: 74 Kilometer sind davon auf der gesamten Ausbaustrecke derzeit geplant. „Tendenz steigend“ versprach Ventzke. Dies hänge vom Ergebnis der laufenden Planfeststellung ab. Wo die (74 km) Lärmschutzwände aber errichtet werden müssen, schreibt die „Richtlinie zur Berechnung von Schallimmissionen von Schienenwegen Schall 03“ vor. Einfluss darauf haben verschiedene Faktoren, beispielsweise die Anzahl der Züge, ihre Geschwindigkeit, die Fahrzeugart, deren Bremsen, das Gleisbett. Laut dieser Berechnung sind in Haldern z.B. 985 Wohneinheiten von Lärm bedroht und gelten als Schutzfälle. „Zu 100 Prozent könnten all diese Schutzfälle gelöst werden mit einer 14 Meter hohen Lärmschutzwand“, so Ventzke. Theoretisch. Praktisch ist das aber keine Lösung. Statt dessen wird es in Haldern – wie berichtet – eine vier Meter hohe Wand geben. Damit sind 85 Prozent der Schutzfälle abgedeckt. „Den Rest von 15 Prozent decken wir mit passiven Schutzmaßnahmen ab“, so Stefan Ventzke. Das heißt: Mehrfachverglasungen, Dämmungen etc.

Dass es auch transparente Lärmschutzwände geben wird, schloss der Leiter der DB ProjektBau nicht aus. „Wir gehen damit aber nicht schon in das Verfahren“, erklärte er. Grund: hochabsorbierende Transparentwände gibt es nicht. Noch nicht. „Wenn sie aber gewünscht werden und von den Anwohnern ein Mehr an Lärm akzeptiert wird, geht auch das.“ Eines sei auf jeden Fall klar. Auch wenn künftig mehr Züge über die Strecke rollen, wird es für die Anwohner ruhiger. „Einige wenige Ausnahmen wird es geben“, schränkte Ventzke ein.

Und das ändert sich nach derzeitigem Stand der Planung: 72,6 km zweigleisige Strecke wird zu 3 km viergleisige Strecke (Empel und Mehrhoog) und 70 km dreigleisiger Ausbau, davon 47 km Neubau und 23 km Streckenumbau; heute keine, künftig 74 km Schallschutzwände; von den 14 Bahnhöfen und Haltepunkten werden elf umgebaut; alle 47 Brücken werden neu gebaut oder umgebaut; 55 Bahnübergänge werden beseitigt und 38 Brückenbauwerke errichtet.

Mit allen zwölf Planfeststellungsabschnitten will man jetzt sukzessive in das Planfeststellungsverfahren und dann in die Offenlage gehen. Derzeit ist man in Haldern am weitesten. Dort ist die Offenlage gerade zu Ende gegangen. Die Einspruchsfrist endet hier am 23. Februar. Die nächsten Offenlagen werden für Millingen oder Voerde erwartet.

Baurecht im günstigsten Fall im kommenden Jahr

Die größten Dissensen hinsichtlich der Ersatzbauwerke gibt es noch in Emmerich-Eltern, in Millingen-Empel und Hamminkeln-Mehrhoog.

„Wenn die Kommunen hier aber gute nachvollziehbare Argumente für ihre Vorstellungen bringen, wird noch mal umgeplant“, machte Ventzke Hoffnungen. Das Problem ist – wie bekannt – der Kostenanteil der klammen Kommunen, der nur dann zu 100 Prozent seitens des Landes übernommen wird, wenn bei den Plänen ein Konsens zwischen DB und Stadt erzielt wird.

Mit Baurecht, so schätzte gestern die DB Netze, könne frühestens im kommenden Jahr gerechnet werden. Aber auch nur dann, wenn keiner Klage einreicht...