Andrea Bendfeld leitet Hospiz für Rees und Haldern

Elisabeth Hanf
Andrea Bendfeld hat die hauptamtliche Leitung der Hospiz-Gruppe Haldern und Rees übernommen.
Andrea Bendfeld hat die hauptamtliche Leitung der Hospiz-Gruppe Haldern und Rees übernommen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Krankenschwester koordiniert die Arbeit des Dienstes von Haldern und Rees.Etwa 30 Ehrenamtliche betreuen Schwerstkranke und Sterbende.

Millingen.  Wer Schwerstkranke oder Sterbende betreut, hat neben der psychischen Belastung oft einen langen beschwerlichen Weg hinter sich – mit Behördengängen, Kranken- und Pflegekassen-Kontakten, zahlreichen Anträgen und Formalitäten. Dazu muss eine Betreuung organisiert und finanziert werden. Doch plötzlich steht eine Hilfe im Raum, die kommt, weil man sie angerufen hat. Formlos. Da hat jemand Zeit zum Hinhören, zum Gespräch, zum Erinnern, zum gemeinsamen Nachdenken und, falls gewünscht, zum Beten: Es sind die ehrenamtlichen Damen und Herren der Hospizgruppe Haldern und Rees. Andrea Bendfeld hat vor einiger Zeit hauptamtlich den ambulanten paritätischen Hospizdienst Haldern und Rees übernommen.

Die 45-jährige Krankenschwester arbeitet mit halber Stelle auf der herzchirurgischen Intensivstation des Herzzentrums in Essen. Seit 2000 wohnt Andrea Bendfeld, die aus Sachsen-Anhalt stammt, in Millingen. „Während meiner Arbeit im Krankenhaus habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Angehörige mit der Verabschiedung nicht zurechtkamen. Mir fiel es schwer, damit fertig zu werden, dass Angehörige, die man zum Sterbenden rief, gar nicht kamen.“ Sie entschloss sich, einen Kurs bei Eva Chiwaeze in Wesel zu belegen, die Gründerin der Hospizgruppe.

Seitdem ließ Andrea Bendfeld die Arbeit nicht mehr los. Sie hat diverse Weiterbildungen besucht und gelernt, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und zu akzeptieren, dass Menschen Gründe haben, warum sie nicht zu Sterbenden kommen. „Man darf das nicht werten“, weiß sie jetzt. Als sie gefragt wurde, ob sie die Leitung der Hospiz-Gruppen in Rees und Haldern übernehmen will, fragte sie ihren Arbeitgeber. „Er willigte ein, denn auch die Klinik profitiert von meiner Weiterbildung, der Palliativ Care-Ausbildung.“

Die Gruppen in Rees und Haldern waren für sich allein personell zu schwach besetzt. Da bot sich die Zusammenlegung an. In Rees hatten Leni Bungert vor 20 Jahren die Hospizgruppe gegründet, 1996 Therese Storm in Haldern.

Auch ehrenamtlich unterwegs

Jetzt ist die Stabsstelle hauptamtlich besetzt. „Es sollte jemand mit medizinischer Ausbildung sein, denn die Stelle wird durch die Krankenkassen refinanziert. Alle anderen Kosten müssen aus Spendengeldern getragen werden“, erklärt Bendfeld. „Wir sind dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen und Mitglied von Omega.Die Spendengelder werden über die Zentralrendantur verwaltet.“

Zusätzlich zum administrativen 15-Wochenstunden-Job ist Andrea Bendfeld selbst auch ehrenamtlich unterwegs im Hospizdienst, sie ist eine von zirka 30 Männern und Frauen im Team. Die Teilnehmer werden intensiv begleitet, es gibt gemeinsame Treffen – auf Wunsch wird Supervision angeboten.

Meist wird der Hospizdienst für die häusliche Betreuung gefordert. „Wir versuchen auf die Bedürfnisse des kranken Menschen einzugehen und achten seine Freiheit und Würde. Aber wir begleiten auch die nahestehenden Angehörigen, wenn gewünscht.“ Natürlich unterliegen auch die Ehrenamtlichen der Schweigepflicht. „Wir sind der Überzeugung, dass ein Sterbender außer Medizin auch menschlicher Fürsorge und Zuneigung bedarf. Seine Persönlichkeit und Einzigartigkeit sollen auch in seinem Sterben gewahrt bleiben. Bis zum letzten Augenblick seines Lebens“, lautet der Anspruch der Hospizler.

Etwa 15 bis 20 Personen im Jahr werden begleitet. Manche täglich, manche einmal in der Woche, zum Beispiel damit die Betreuungsperson etwas erledigen kann. Oder es werden Nachtdienste übernommen. „Nur eine Begleitung über Jahre können wir nicht leisten.“
Oft ist es die eigene Erfahrung, die jemand mit der Hospizarbeit gemacht hat, die ihn dazu bewegt, sich selbst einzubringen. Es gibt aber auch Menschen, die eine neue Aufgabe für sich suchen.

Das Bereitschaftstelefon des Hospizdienstes ist erreichbar unter 0151/01471640.

Inzwischen gibt es auch eine Festnetznummer von Andrea Bendfeld 02851/ 3575845. Sie kann auch per Mail kontaktiert werden unter Andrea.Bendfeld@live.de.