Als Isselburger Westfalen wurden

Klaus Dieter Spaan weiß noch, wie chaotisch es bei der kommunalen Neugliederung zuging.
Klaus Dieter Spaan weiß noch, wie chaotisch es bei der kommunalen Neugliederung zuging.
Foto: WAZ FotoPool
Am 1. Januar 1975 wurden die Ortsteile Anholt, Herzebocholt, Werth, Heelden und Vehlingen der Stadt Isselburg zugeordnet. Es war eine Zeit mit Chaospotenzial

Isselburg..  Aus Vier mach’ Eins! So lautete ein nicht ganz so einfach zu lösender Arbeitsauftrag am 1. Januar 1975. Die kommunale Neugliederung griff damals tief in die gewachsenen Bindungen der Städte und Gemeinden ein. Da machte auch Isselburg keine Ausnahme. Denn vor nunmehr 40 Jahren wurde aus den Isselburgern Westfalen.

Aus dem ehemals zum Landesteil Nordrhein (Kreis Rees) gehörigen Gemeinden Heelden und Vehlingen, einem Teilgebiet der Gemeinde Wertherbruch und der Stadt Isselburg sowie den westfälischen Städten Anholt und Werth und der westfälischen Gemeinde Herzebocholt wurde das neue, westfälische und dem neu gegründeten Kreis Borken zugehörige Isselburg.

Mit dem Neujahr 1975 begann eine neue Zeitrechnung. Oder, wie Klaus Dieter Spaan, langjähriger Bauamtschef in Isselburg unmissverständlich sagt: „Das Chaos.“ Oder, wie es sein Kollege vom Amt Millingen und späterer Kämmerer Isselburgs, Heinz Stevens, umschreibt: „Es herrschte ein großes Tohuwabohu.“

Die Kommunale Neuordnung stellte praktisch von der einen auf die andere Nacht alles auf den Kopf. „Es war zu der Zeit eine Mammutaufgabe, aus insgesamt vier verschiedene Verwaltungen mit ganz unterschiedlichen Strukturen eine einzige zu bilden“, erinnert sich Spaan. Der wechselte damals vom Rathaus Anholt ins Rathaus nach Isselburg. Sein späterer Kollege Heinz Stevens kam vom Amt Millingen. 18 Mitarbeiter waren mit dabei. „Frühzeitig hatte man uns informiert und die Wahl gelassen, ob wir nun nach Isselburg oder Rees wechseln möchten“, so Stevens. Er entschied sich für Isselburg.

Verschiedene Akten-Systeme

Einfach war die Zusammenlegung nicht. Jede der vier Verwaltungen – also Anholt, Werth/Liedern, Millingen und Isselburg – hatte ein anderes System, die Akten zu verwalten. „Doch das Spannende war letztlich, mit neuen Kollegen etwas Neues aufzubauen.“ Es sei eine Pionierzeit gewesen, voller Herausforderungen, wie Stevens im Nachhinein betont.

So lief am ersten Arbeitstag für die neue Stadt Isselburg zunächst nicht viel. „Wir sind erst einmal zu den Ämtern gefahren und haben die Akten geholt“, so Spaan. Unzählige lagerten davon etwa im Ratssaal des Rathauses in Anholt. „Aus dem Amt in Millingen haben wir auch Schreibtische an die Minervastraße gebracht.“ Denn dort gab es erst einmal zu wenige Arbeitsplätze für die neuen Mitarbeiter. Doch: „Die Büros und der Arbeitsalltag waren schnell neu organisiert.“

Bis die Neugliederung in den Köpfen der Mitarbeiter angekommen war, „das dauerte schon länger“, hebt Spaan hervor. Viele hätten verständlicherweise ihren alten Verwaltungen nachgetrauert. Doch letztlich habe alles gut geklappt. „Gott sei Dank.“

Doch das hing damals auch von den handelnden Personen ab. So etwa habe auch der damalige Verwaltungschef, Stadtdirektor Josef Hagemann, zum Gelingen der Neuordnung beitragen. Auch Johann Volmering als erster gewählter Bürgermeister nach der Neugliederung habe immer ein offenes Ohr gehabt. Und nicht zuletzt habe auch die Politik ihr Möglichstes gemacht, um die Stadt Isselburg nach der Neugliederung nach vorn zu bringen.

Am 1. Januar 1975 wurde nicht nur die neu geordnete Isselstadt aus der Taufe gehoben. Auch der Kreis Borken wurde gegründet und feiert daher am 1. Januar ebenfalls seinen 40. Geburtstag. Der neue Kreis Borken wurde damals aus den Kreisen Ahaus und Borken sowie der kreisfreien Stadt Bocholt gegründet.

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