Als Günter Wallraff einen Emmericher vorführte

Günter Wallraff. Foto: Björn Josten
Günter Wallraff. Foto: Björn Josten
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Oberhausen/Emmerich.. Vor 25 Jahren deckte Günter Wallraff mit seinem Buch „Ganz unten“ illegale Leiharbeiter-Praktiken bei dem Emmericher Unternehmer Hans Vogel auf, der Chef der Industriemontagen KG in Oberhausen.

Genau 25 Jahre ist es her, dass der Autor Günter Wallraff mit seinem Buch „Ganz unten“ für Furore sorgte. Einem Emmericher wurde das Buch zum Verhängnis: Hans Vogel. Wallraff deckte damals illegale Leiharbeiter-Praktiken bei dem Kaufmann auf, der im Oktober 2009 im Alter von 64 Jahren verstarb.

Vogel hätte fast vor
Gericht gewonnen

Der Enthüllungsjournalist deckte damals erbärmliche Lebensbedingungen und Arbeitsverhältnisse der Türken in der Bundesrepublik Deutschland auf. Als Türke „Ali“ verkleidet mit einer Perücke, schwarzem Schnurrbart und dunklen Kontaktlinsen heuerte Wallraff unter anderem im Unternehmen Vogels – der Industriemontagen KG – an.

Die Firma war als Subunternehmer für die Industriereinigung Remmert GmbH tätig. Vogel versorgte den Unternehmer Alfred Remmert mit über 60 Leiharbeitern, die zu Dumping-Preisen (8,50 Mark die Stunde) arbeiteten. Mindestens neun Arbeiter hatten keine Arbeitserlaubnis. Als die Anschuldigungen aufkamen, bestritt Vogel sie und tat sie als „hanebüchen“ ab.

Da Wallraff in „Ganz unten“ in manchen Fällen Ross und Reiter beim Namen nannte, zogen ihn einige „Geschädigte“ vors Gericht. Gefährlich wurde ihm dabei nur einer. Eben jener Hans Vogel, dessen Unternehmen in Oberhausen angesiedelt war. Im Buch wird er als „Herr Adler“ bezeichnet. Allerdings bezog sich Vogels Klage auf einen Film, der parallel zum Buch entstanden ist. Mit den heimlich produzierten Tonband- und Filmaufnahmen hätten die Produzenten die „Vertraulichkeit des Wortes“ verletzt.

In erster Instanz wurde Wallraff sogar zu einer Strafe von 75 000 Euro verurteilt. Vor der Berufungsverhandlung zog Vogel seinen Strafantrag zurück. Der Spiegel berichtete 1987 über die möglichen Umstände, die zu Vogels Rückzug führten: Auch der Emmericher wollte ein Buch über Leiharbeitergeschäfte schreiben. Der Göttinger Steidl-Verlag, der auch „Ganz unten“ publizierte, bot an, das Werk zu veröffentlichen. Es soll sogar einen unterzeichneten Vorvertrag gegeben haben. Zur Publizierung des Buches ist es jedoch nie gekommen.

Aber zu einer Verurteilung vor Gericht: 15 Monate auf Bewährung musste der einstige Sozialdemokrat und Republikaner Vogel wegen Verstoßes gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verbüßen. Der Emmericher sorgte auch weiter für Schlagzeilen. 1997 wurde er wegen Handels mit Chemikalien zur Drogenherstellung zu 42 Monaten Haft verurteilt.

„Ganz unten“ wurde bekanntlich ein Welterfolg. Es erreichte eine Auflage von 2,75 Millionen Stück – übersetzt in 30 Sprachen.

 
 

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