Als Elten wieder deutsch wurde

Norbert Kohnen
Die „Butternacht“ mobilisierte auch Heerscharen von Journalisten.
Die „Butternacht“ mobilisierte auch Heerscharen von Journalisten.
Foto: NRZ
Johanna Putman ist eine waschechte Eltenerin. Ihr Geburtstag fällt auf ein historisches Datum: In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1963 wurde das Dorf wieder deutsch

Elten.  Johanna Putman feiert heute Geburtstag. 86 Jahre alt wird sie. „Ich bin acht Mal in meinem Leben umgezogen, aber immer in Elten geblieben“, erzählt die waschechte Eltenerin. Ihren Lebensabend verbringt sie bei Tochter und Schwiegersohn im Neubaugebiet de Dweel. Auch ihren heutigen Ehrentag, einem ganz besonderen Datum: Denn vor 50 Jahren, in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1963, wurde Elten nach 14 Jahren aus der niederländischen Auftragsverwaltung entlassen und wieder deutsch. Die Rückgabe ging als „Butternacht“ in die Annalen ein.

Nacht des legalen Schmuggels

Schon Tage vorher war praktisch jeder Zentimeter im Grenzdorf mit Butter, Käse und Kaffee vollgestopft. Gehortete Ware, die in Holland billiger war. Mit Verschiebung der Schlagbäume Punkt 0 Uhr geriet die Fracht automatisch und zollfrei in die Bundesrepublik. In dieser Nacht verdienten sich findige Geschäftsleute eine goldene Nase. Die Rede ist von 50 bis 60 Millionen Gulden. Die Nacht des ganz legalen Schmuggels hinterließ Spuren. Auch Straßenschäden durch 150 Lkw, wofür das Land NRW eine Entschädigung zahlte.

Am Geburtstag von Johanna Putman heute vor 50 Jahren kamen die „Plätzköpp“ (Plätzchen) und Rodonkuchen auf den gedeckten Tisch an der Schmidtstraße, und garantiert genehmigte sich die Runde einen Eiercognac, den „zwarte kip“. Doch von dem Massenspektakel in der Nacht, als 2000 Menschen den deutschen Polizisten beim Einzug zujubelten und „So ein Tag“ schmetterten, bekam Johanna Putman nicht viel mit. Eine Eltenerin, die sich nicht unter die Menge mischte? Ja, auch das gab es! „Ich habe nur an der Tür geguckt, da stand alles voll.“ Rausgewagt hat sie sich nicht: „Dafür war ich viel zu bang.“

An die Holland-Zeit hat sich Johanna Putman nur positive Erinnerungen bewahrt: „Es ist uns gut gegangen. Das war nicht schlecht für Elten.“ Die Niederländer investierten tüchtig in ihre neueste Attraktion. Davon angezogen wurden holländische Kaufleute, die Geschäfte eröffneten. Auch der Tourismus boomte. Fast schien es so, als hätte jeder Niederländer das Gelübde abgelegt, mindestens einmal im Leben den Eltenberg zu erklimmen oder den Aussichtsturm. Für die Eltener ging die Rechnung voll auf. „Hier war billig leben, und in Emmerich verdienten die Leute gutes Geld“, so Johanna Putman. Da kann man verstehen, dass viele Eltener lieber Untertanen Ihrer Majestät geblieben wären. Elten verfiel in einen Dornröschschlaf, die versprochene Spielbank eröffnete nie. Und durch den Bau der Autobahn Wesel-Grenze wurde Elten sprichwörtlich links liegen gelassen; heute wird die A 3 gewiss positiver beurteilt ...

Johanna Putman hat sich ein gutes Stück Holland bewahrt. Ihren Pass. „Ich war 54 Jahre mit einem Niederländer verheiratet. Bei der Heirat bin ich Niederländerin geworden.“ Sie blieb es. Gerne. Ihren Pass muss die „Papier-Holländerin“ alle fünf Jahre verlängern lassen. Das geht jetzt auch in Holland. In ‘s-Heerenberg.