Aleviten zählen nicht zu Moslems

Am Samstag den 20.10.2012: Tag der offenen Tür des alevitischen Kulturzentrums, mit eienm Vortrag von Yilmaz Kahraman in Emmerich Dederichstraße. Foto:Roy Glisson/WAZ FotoPool
Am Samstag den 20.10.2012: Tag der offenen Tür des alevitischen Kulturzentrums, mit eienm Vortrag von Yilmaz Kahraman in Emmerich Dederichstraße. Foto:Roy Glisson/WAZ FotoPool
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Tag der offenen Tür im Alevitischen Zentrum. Interessantes zu Glaube und Tradition

Emmerich.. „Nur wenn man seine Mitmenschen und dessen Kultur versteht und anerkennt, ist Integration möglich“, eröffnete Yilmaz Kahraman, Islamwissenschaftler und Projektkoordi¬nator der Alevitischen Gemeinde Deutschland, den Gesprächskreis im Alevitischen Kulturzentrum Emmerich an der Dederichstraße. Fragen wie „Was sind die Aleviten?“ und „Wo kommen sie her?“ standen im Fokus und wurden von Kahraman, mit Euphorie beantwortet.

Unterdrückt in der Türkei

Dabei ging es um Allgemeines wie die Gründung der ersten alevitischen Gemeinde in Deutschland 1988. Weniger bekannt ist, dass die Aleviten eine unterdrückte Minderheit in der Türkei sind, aber in Deutschland mit zu einer der größten Religionsgemeinschaften zählen. Da die Aleviten ihren Glauben in Deutschland frei ausleben können, möchten sie noch mehr Teil der Gesellschaft werden und in Deutschland nicht mehr als Gäste angesehen werden. Da die Aleviten in beiden Ländern um den Erhalt ihrer Identität kämpfen, ist das Cem-Ritual für viele das Bindeglied, durch das die Gemeinde zusammengehalten wird.

„Die Aleviten leben den Islam nicht nach dogmatischen Gesichtspunkten aus. Sie haben nichts mit Moscheen zu tun und die Frauen tragen auch keine Kopftücher“, erzählte der Kölner Islamwissenschaftler.

Da die alevitischen Gläubigen, die zwar auch den Koran lesen, aber Vorschriften wie die Pflichtgebete oder das Ramadan-Fasten ablehnen, findet das Emmericher Cem-Ritual nicht in einer Moschee statt. Sondern in einem Cemevi (Versammlungshaus), in dem Männer und Frauen gleichberechtigt am Gemeindeleben teilnehmen. Männer und Frauen kommen während des Cem-Rituals zusammen, um zu beten, Gedichte zu rezitieren oder den rituellen Tanz (Semah) aufzuführen.

Das Cem-Haus in Emmerich bietet allerdings nicht nur alevitische Gottesdienste, sondern auch Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche an. „Wir sind stolz auf unser großes Bildungsangebot, das durch Deutsch-, Gitarren-, Folklore-, Gesundheits- und Gymnastikkurse ein großes Facettenreichtum aufweist“, ist Mehmet Suna, Vorsitzender der alevitischen Gemeinde Emmerich, der Meinung. Jugend-, Kinder- und Frauenarbeit haben im alevitischen Kulturzentrum Emmerich große Priorität. Da das Kulinarische bei den Aleviten nie zu kurz kommt, freuten sich die Besucher über typische Spezialitäten.

 
 

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