101 Pappeln stehen zum Fällen an

101 Pappeln am Holländerdeich zwischen Rees und Emmerich sollen gefällt werden. l
101 Pappeln am Holländerdeich zwischen Rees und Emmerich sollen gefällt werden. l
Foto: WAZ FotoPool
Allee am Holländerdeich steht vor dem Aus, um Lebensraum für Watvögel wie Kiebitz und Co. zu schaffen.

Emmerich/Rees..  Das Projekt ist schon in die Jahre gekommen, nun soll es endlich Wirklichkeit werden: 101 Hybridpappeln entlang des Holländerdeichs will das Naturschutzzentrum (NZ) des Kreises Kleve fällen lassen, vermutlich noch im Laufe des Winters. Einen konkreten Termin gibt es aber nicht. „Wir warten noch auf die entsprechenden Genehmigungen“, erklärt Martin Brühne, Diplom-Biologe beim NZ. Zudem ist man noch auf der Suche nach Ausgleichsflächen, also Arealen, auf denen Ersatzbäume gepflanzt werden können.

Eine aus Sicht des Naturschutzes attraktive Fläche glaubte man bereits in Grietherort gefunden zu haben. Dort sollte der vorhandene Auwald ergänzt werden. „Daraus wird aber nichts“, bedauert Brühne. Das Wasser- und Schifffahrtsamt als Eigentümer der Fläche hat seine Zustimmung verweigert mit der Begründung, dass dieses Gebiet im Falle von Hochwasser die Funktion eines Retentionsraums, also Rückstaubecken, übernehmen müsse.

Warum nun sollen diese Bäume, die beidseitig entlang des Radwegs stehen, fallen? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Erstens: Rechts und links des Radweges liegen wertvolle feuchte Flächen, auf denen sich Wiesenwatvögel, die bekanntermaßen in ihrem Bestand bedroht sind, wohl fühlen. Noch wohler würden sie sich fühlen, wären dort nicht die hohen, inzwischen 50 bis 60 Jahre, alten Pappeln. „Die Vögel meiden solche hohen Strukturen“, erklärt Brühne. Sie bevorzugen offene Flächen, um ihre natürlichen Feinde frühzeitig erkennen zu können.

Hinzu kommt: Die Hetter ist das einzige Gebiet in Nordrhein-Westfalen, in dem mit Uferschnepfe, Bekassine, Großem Brachvogel, Rotschenkel und Kiebitz noch alle fünf der gefährdeten Feuchtwiesen-Watvogelarten brüten. „Und hier kommt der landesweit größte Bestand der Uferschnepfe vor“, weist Brühne auf die Bedeutung des Gebietes hin. Ein Umsiedeln der Vögel kommt nicht in Betracht. „Die übrigen Flächen sind einfach nicht mehr feucht genug“, erklärt Brühne. Denn Uferschnepfe & Co. stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Die Altvögel benötigen feuchte Böden zum Stochern nach Würmern. Die Jungvögel ernähren sich von Insekten, die sie auf den blütenreichen Wiesen und Weiden finden. Was aber auch bedeutet: Von den Schutzmaßnahmen für die Uferschnepfe profitieren auch viele andere Tier- und Pflanzenarten.

Warum die Bäume zweitens fallen sollen: Die am Holländerdeich wurzelnden Hybrid-Pappeln sind hier nicht heimisch. Nicht bodenständige Gehölze, so fordert es schon der Biotopmanagement-Plan, den der Nabu-Naturschutzbund im Jahre 1996 aufgestellt hat, sollen entfernt werden – mit dem Ziel, das Gebiet Hetter/Millinger Bruch „aus naturschutzfachlicher Sicht“ aufzuwerten. „Natürlich ist es schade, wenn Bäume gefällt werden“, bedauert auch Martin Brühne, zumal diese Pappeln schon zwei Generationen von Niederrheinern begleitet hätten.

Der Grund und Boden, auf dem die Pappeln stehen, befindet sich in kommunalem Besitz. An einer Seite ist die Stadt Emmerich Eignerin, an der anderen die Stadt Rees. Künftig sollen hier Hecken aus Hundsrose, Weißdorn und Schlehe blühen. Diese sollen aber nicht durchgängig, sondern nur abschnittsweise gepflanzt werden, um kein geschlossenes Grün zu bilden. „Damit die Radfahrer, die durch die Hetter fahren, einen freien Blick in die Landschaft genießen können“, sagt Brühne. Übrigens: Die Radler sollen in Verbindung mit der Hecke aus der Perspektive der Vögel nicht als Einzelwesen erkannt werden. Mit einem Vorteil für die Radler: Sie sollen mit Umsetzung der Maßnahme rund ums Jahr freie Fahrt über die Hetterbrücke haben.

 

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