Zwischen Kunst und Kuttern

Foto: WAZ FotoPool

„Kannst du das machen, dass sich die Bänder so kräuseln?“, fragt die Schneefee Yvi Bazant eine kleine Absolventin ihrer Weihnachtsglocken-Bastelstunde. Die nickt und kriegt eine Schere. Bazant sitzt mit schimmerndem Gewand, Lockenperücke und Sternenkrone an Deck des Frachtschiffs „Hermann“ im Binnenschifffahrtsmuseum und ist von Glockenbastlern umringt. „Komm, gib mal Ghettofaust“, sagt sie zu einer Kleinen. Und weil die Reporterin darüber staunt, wird sie mal eben von der Fee zum Feger und droht: „Das schreiben sie aber jetzt nicht, sonst hexe ich ihnen Glatteis auf den Heimweg.“

An den Heimweg denkt hier sowieso keiner, die Eltern der Glockenbastler schlendern bei weihnachtlicher Akkordeon-Musik rund um die Becken des ehemaligen Schwimmbades und schauen sich an, was die Künstler von „Hafenkult“ an Kunst und Design aufgeboten haben. „In diesem Haus gehen Dinge vor“, steht auf einem Bild. Das kann man wohl sagen, schöne vorweihnachtliche Dinge.

Die Armbänder einer Schmuck-Kollektion werden geschickt in den Seifenschalen der alten Duschräume präsentiert. Elke Frieding veredelt Notizbücher und Kalender, indem sie sie in Grubentuch einbindet. Den gewürfelten Stoff dafür beschafft sie sich im Bochholter Industriemuseum, das den alten Webstuhl wieder an die Arbeit gekriegt hat. „Wir sind froh, dass wir dieses Museum so unkompliziert „bespielen“ dürfen“, sagt sie.

Jeder Aussteller hat in einer Nische seine eigene Anbindung an das Museum gefunden. Bei Frieding hängen ihre, mit antiken Häkel-Deckchen verzierten Röcke, neben dem historischen Ölzeug der Binnenschiffer im Schrank. Upcycling sagt man heute statt „aus Alt mach Neu“. Oliver Hilterhaus macht demnach „downcycling“. Er altert kunstvoll Modellautos und lässt winzige Radrennfahrer auf einer Zollstockserpentine zu Tal rasen. Besucher probieren Schals und Mützen, halten Grußkarten ins Licht und kommen mit den Künstlern ins Gespräch.

 
 

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