Zwischen Dialyse und Klangraum

Annette Kalscheur
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg. Das Katholische Krankenhaus in Hochfeld hat sich auf Urologie, Nierenheilkunde und Psychiatrie spezialisiert.

In Sichtweite des Rheins liegt das Marienhospital in Hochfeld, ein eher kleines Haus aus dem Verband des Katholischen Klinikums Duisburg, dafür aber mit exklusiven Abteilungen. Etwa der einzigen Klinik für Urologie in Duisburg, die unter Chefarzt Prof. Dr. Dr. Detlef Rohde 2300 Patienten jährlich stationär und gar 5000 ambulant behandelt.

Als einzige operative Abteilung am Standort in Hochfeld ist sie eine kleine autarke Einheit mit eigener Anästhesie, eigener Intensivabteilung. „Wir sind kompakt aufgebaut, wie eine große Familie“, erklärt Rohde die seltene Konstellation. Der Mediziner schaffte es im letzten Jahr mit seiner Expertise auf die Focus-Ärzteliste unter die Top 100, Spezialität: Blasenkrebs und Nierentumore.

Atmosphäre ist wichtig

Sein Reich besteht aus unterschiedlichen Untersuchungsräumen, die sehr funktionell, sehr rein, sehr weiß sind. Hygienisch sei das, erklärt der Professor, und da die meisten Untersuchungen unter Kurz-Betäubung vorgenommen würden, bleibe die Raum-Komposition ohnehin Nebensache. Auf den Fluren herrscht indes ein dekoratives Miteinander großformatiger Fotos, deren konträre Motive Industriekultur und Natur zum Betrachten einladen. Stolz ist Rohde, einen Mäzen aufgetan zu haben, der die Klinik mit neuen Bildern gestalten will. Atmosphäre ist wichtig, weil die Materie schambesetzt ist, Patienten oft sehr beklommen sind. Noch vor dem chirurgischen Besteck sind das direkte Gespräche, der Augenkontakt seine wichtigsten Heilmittel.

Dann aber kommen die Hightech-Geräte: Hochauflösende Röntgengeräte oder der Nierensteinzertrümmerer, der martialischer klingt als er aussieht, nämlich wie ein weißes bettgroßes Kunststoff-C, nur mit einer Art Blasebalg versehen, der am Körper andockt. Bei Männern wie Frauen, das Verhältnis sei 50/50, räumt Rohde mit dem Vorurteil auf, ein Männerarzt zu sein.

"Emotionales Bodybuilding"

Ein völlig anderes Ambiente empfängt die Patienten auf der bonbonbunten Psychiatrischen Station. Hier hängen Lichterketten auf dem Flur, im Gruppenraum warten ein Klavier und eine Dart-Scheibe. Als „emotionales Bodybuilding“ bezeichnet Krankenschwester Gundi Rausch das Angebot. In der Ressourcengruppe etwa werde Positives hervorgeholt, damit nicht immer das Negative alles überlagert. Da das erklärte Ziel ist, die seelisch Erkrankten für ein Leben daheim zu stabilisieren, wird Milieutherapie angewandt - es soll auch im Krankenhaus alles ein bisschen wie Zuhause sein, kein Hotel mit Vollpension. Also wird das Frühstück selbst gemacht und auch die Spülmaschine eigenhändig befüllt, erklärt Rausch. In den Zimmern hängen Stimmungsbarometer - von 1 für „sehr schlecht“ bis 10 für „gut“. Das „sehr gut“ fehlt, und ist wohl für manchen auch unerreichbar. Ein Charlie-Brown-Comic-Strip, der in der Kunsttherapie entstand, benennt die Ziellinie: „Zu verstehen, wie man tickt und damit umgehen zu können, ist wahrer Luxus.“Spezial

Dazu wird die therapeutische Bandbreite komplett ausgelotet - ob mit Steeldrums im Musikraum oder beim Töpfern in der Kreativwerkstatt. Hier ist eine kleine Meerjungfrau auf der Fensterbank gestrandet, an der Wäscheleine hängen Bilder - von kindlich naiv bis abstrakt, Insel, Weltall, bunt, blass. Ergotherapeutin Britta Hübner weiß, wie schwierig es ist, beim Kreativ sein so unmittelbar mit eigenen Defiziten konfrontiert zu werden, „aber das Ergebnis ist nicht das Wichtige“, sagt sie. Der Tag solle eine Struktur bekommen.

12.000 Dialysen jährlich

Einzigartig ist in Duisburg auch die Klinik für Nierenheilkunde unter Chefarzt Prof. Dr. Eckhard Schulze-Lohoff, 2200 Patienten behandelt er pro Jahr. Hinzu kommen 12.000 Dialysen, sie finden in einem tanzsaalgroßen Raum statt, der mit gläsernen Wänden in 28 Plätze unterteilt ist - wie in amerikanischen Krankenhausserien. Die Dialysegeräte brummen, die Fernseher laufen, viele Patienten schlafen. Bis zu sechs Stunden dauert eine Blutwäsche, auf einem Monitor können sie der Zeit beim Zerrinnen zuschauen.

Oder schlemmen: „Während der Dialyse dürfen sie sich richtig satt essen und mehr trinken als sonst“, sagt Schulze-Lohoff, was vor allem manch ärmere Patienten in allem Leid als Bonus betrachten.

Ein gläserner Verbindungsgang im 70er Jahre-Stil mit braun-ockerfarbenem Farbgemenge führt trockenen Fußes über das Gelände des Marienhospitals. Nur zur Cafeteria muss man ein Stück an der üppig wachsenden Naturwiese entlang. Modern gestaltet ist die Cafeteria mit großer Sonnenterrasse, Rosinenschnecken liegen in der Vitrine, die Kaffeemaschine duftet. Ein schönes Ambiente für ein kleines Päuschen.