Zu Besuch in Gerhard Mercators Geburtsstadt Rupelmonde

Gerhard Mercator, der als Kartograf in Duisburg Weltruhm erlangte, wurde am 5. März 1512 in Rupelmonde geboren. Das Foto zeigt die Mercatorstatue vor der katholischen Kirche am Marktplatz des belgischen Örtchens. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Gerhard Mercator, der als Kartograf in Duisburg Weltruhm erlangte, wurde am 5. März 1512 in Rupelmonde geboren. Das Foto zeigt die Mercatorstatue vor der katholischen Kirche am Marktplatz des belgischen Örtchens. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Im Fischerdorf Rupelmonde werden sich am 4. März seine königliche Hoheit Prinz Filip von Belgien nebst Prinzessin Mathilde einfinden, um ein Standbild zu enthüllen, das den jungen Gerhard Mercator zeigt. Der Kartograf wurde hier als Gerardus de Kramer geboren. Ein Stadtrundgang.

Rupelmonde/Duisburg. Es schmeckt süßlich, ist trüb wie ein Hefeweizen und hat satte 7,6 Prozent, wie es sich für ein belgisches Bier gehört. Dieses wird zum 500. Geburtstag von Gerhard Mercator in grauen Tonkrügen abgefüllt. Kaufen kann man „Gerard-de-Kremer-Bier“ allerdings nur in Rupelmonde und Umgebung, jenem kleinen, belgischen Fischerdorf an der Schelde, in dem der berühmte Kartograph als Gerardus de Kramer seinen ersten Schrei tat.

Das Geburtshaus ist heute nur noch am Schild zu erkennen; damals Hotel des Onkels, ist es heute nach vielen Umbauten ein normales Wohngebäude. Immerhin: Es riecht alt und muffig, und es liegt an der Straße, die zum Mercatorplein führt, von wo aus die Gerard-de-Cremer-Straat abgeht.

Hier werden sich am 4. März seine königliche Hoheit Prinz Filip von Belgien nebst Prinzessin Mathilde einfinden, um ein neues Standbild zu enthüllen. Bislang ziert Rupelmondes Marktplatz eine Statue des reifen Wissenschaftlers mit dem markanten langen Bart, der entspannt in die Welt blickt, einen Globus zu seinen Füßen. Das ist aber der Mercator der Duisburger Zeit. In einem Wettbewerb wurde ein Kindergesicht gesucht, nach dessen Vorbild die neue Statue geschaffen wird und Rupelmonde künftig vis à vis zum alten den jungen, den eigenen Mercator zurückbringt.

„Kruibeke – waar lieve Mensen wonen“

Damit die Geschichte in diesem Speckgürtel von Antwerpen lebendig bleibt, sind aber vor allem die älteren Semester engagiert. Frans Vandermeiren etwa, der sich für Gäste gern in edle, historische Gewänder wirft und mit seinem grauen Bart durchaus als Mercator durchgeht. Die zwei trennen nur 420 Jahre.

Ein Anhänger Mercators ist auch der Bürgermeister. Antoine Denert ist ein wahrer Rauschebart, der sich mit zig Wiederwahlen seit 28 Jahren an der Spitze seiner Gemeinde hält. Für die 16.000 Einwohner von Kruibeke mit der Teilgemeinde Rupelmonde ist er jederzeit zu sprechen, statt des Büros nutzt er die Cafeteria des Rathauses als Besprechungszimmer. „Ich nenne mich lieber Bürgervater“ sagt er und unterschreibt zwischendurch Briefe, die ihm die Sekretäre herbeitragen. Kaffee gibt es hier für jeden gratis, dafür spart die Gemeinde sich das Drucken von Broschüren. Klare Prioritäten. „Kruibeke – waar lieve Mensen wonen“.

Denert weiß, dass Mercator touristisch betrachtet die wichtigste Attraktion seiner Heimat ist. Geschätzte 50 000 Touristen kommen jährlich und lassen hoffentlich auch ein bisschen Geld da. Finanzielle Nöte hat nicht nur Duisburg. Deshalb hätten die Belgier mehr Kooperation zum Jubeljahr toll gefunden, etwa bei der umfangreichen Buchproduktion zu Ehren Mercators, die sie dann alleine stemmten. Aus ihrer Sicht fehlte es an einem rheinischen Ansprechpartner, und damit meint der Bürgervater nicht die Marketing-Agentur.

Wegen des Verdachts der Ketzerei neun Monate festgehalten

Im Moment liegt Rupelmonde touristisch noch im Winterschlaf. Und hat Krokusvakantie. Um das Museum „De Graventoren“ zu besichtigen, braucht es jemanden mit Schlüsselgewalt: Julien Lyssens ist ebenfalls ein engagierter Rentner. Der ehemalige Reisejournalist fragte Menschen in aller Welt nach Mercator. „Seine Karten fand ich in den exotischsten Schulbüchern“, erzählt er stolz. Braunstichige Karten, Globen, Porträts finden sich auch im Museum.

Die Ausstellung pendelt zwischen ziemlich schlichten Informationstafeln und ziemlich detailreichen Inszenierungen aus mannshohen Figuren, die Mercator in seinem Arbeitszimmer zeigen, im Gespräch mit Sohn und Enkel oder auch in einer Zelle. Mercator wurde hier neun Monate festgehalten wegen des Verdachts der Ketzerei.

„Glaub an dich selbst, das ist die Botschaft“

Im Keller des Turmes sind einige Zellen, die man durch einen niedrigen, zugigen Gang besichtigen kann. Kommt man gebeugten Hauptes aus der Dunkelheit wieder ins Freie, wirkt der Turm fast märchenhaft schön, efeuumrankt, fehlt nur noch der Rapunzelzopf. Die Schießscharten und Öffnungen, aus denen heißer Teer auf Angreifer geschüttet wurde, mahnen jedoch an eine andere Zeit.

Oben auf dem Turmdach, der einen weiten Blick über Rupelmonde und die Schelde eröffnet, fordert ein Brief des Bürgermeisters auf: Atme hier die Freiheit. Antoine Denert betrachtet Mercator als Vorbild für die Jugend: „Er war Schuhmacher-Sohn, er war Migrant, aber er hat immer gut zugehört und er hat was geschaffen“, sagt der Bürgervater: „Glaub an dich selbst, das ist die Botschaft.“