Zoo widerspricht Delfinschützern – keine neuen Tümmler in Duisburg

Neun Große Tümmler leben im Delfinarium des Zoos. Von den neun Tümmlern sind sieben in Duisburg geboren. Der Zoo bestreitet, was das WDSF behauptet: dass zurzeit zwölf Delfine im Delfinarium schwimmen. Der Tierpark investiert 350.000 Euro in ein neues Schiebedach für das Delfinarium, das WDSF kritisiert, die Tiere würden nicht vor Lärm geschützt.
Neun Große Tümmler leben im Delfinarium des Zoos. Von den neun Tümmlern sind sieben in Duisburg geboren. Der Zoo bestreitet, was das WDSF behauptet: dass zurzeit zwölf Delfine im Delfinarium schwimmen. Der Tierpark investiert 350.000 Euro in ein neues Schiebedach für das Delfinarium, das WDSF kritisiert, die Tiere würden nicht vor Lärm geschützt.
Foto: NRZ
Der wissenschaftliche Leiter des Duisburger Zoos hat dementiert, was das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) unter Berufung auf Mitarbeiter des Tierparks verbreitete: dass sich am Kaiserberg drei weitere Tümmler tummeln. Der Zoo investiert indes 350.000 Euro in ein Schiebedach für das Delfinarium.

Duisburg.. Die Fronten zwischen dem Zoo Duisburg und dem Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) sind seit Jahren verhärtet wie Beton. Der streitbare WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller kämpft für die Schließung aller deutschen Delfinarien und lässt keine Gelegenheit aus, auch die Delfinhaltung am Kaiserberg anzuprangern. Seit 2009 kämpft der Steuerberater aus Hagen dafür, Einblick in alle Unterlagen zu bekommen, die Auskunft zur Pflege und medizinischen Versorgung der Duisburger Delfine geben. Ein Richter am Verwaltungsgericht stellte im Juli 2012 fest, dass die Zoo Duisburg AG nach dem Umweltinformationsgesetzt zur Auskunft verpflichtet ist. In einer Pressemitteilung erhob Ortmüller nun neue Vorwürfe: Im Delfinarium schwämmen drei neue Tümmler, weshalb die anderen neun im – nun viel zu kleinen – Becken der Haupthalle schwimmen müssten, obwohl dort Baulärm den Tieren zusetze.

Das Dementi aus dem Tierpark fällt allerdings eindeutig auf: „Es sind keine neuen Delfine da“, sagt der wissenschaftliche Leiter des Zoos, Dr. Jochen Reiter. Nach wie vor halte der Zoo neun große Tümmler. (Mitte 2010 wurden dort erstmals in der Geschichte der deutschen Delfinhaltung binnen drei Wochen drei Jungtiere in einem Delfinarium geboren.) Orthmüller hatte sich auf die „Aussage einer Zoo-Mitarbeiterin gegenüber einer anderen Zoo-Mitarbeiterin berufen“. Diese „Zeugin“ habe die drei neuen Tiere in den hinteren Becken gesehen. Sie seien im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach Duisburg gebracht worden. Reiter: „Alles Quatsch.“

Zoo: Delfine keinem Lärm ausgesetzt

Der nächste Vorwurf: Das WDSF protestierte beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) auch gegen den „starken Baulärm im Duisburger Delfinarium“. Eine zweite Zeugin, so Orthmüller, sei am 13. November im Delfinarium gewesen. In der Halle hätten die Bauarbeiter einen „Höllenlärm“ gemacht, während unter ihnen alle Delfine geschwommen sein sollen: „Die Tiere müssen aber nach der Säugetierrichtlinie vor dem Lärm nach geschützt werden“, zumal sie besonders empfindlich seien. „Das Hörvermögen von Delfinen liegt auf teilweise anderen Frequenzbereichen als das Hörvermögen anderer terrestrischer Säugetiere.“

Auch darauf hat Dr. Jochen Reiter eine Antwort: Es werde nur selten geschweißt oder gebohrt, von „Höllenlärm“ könne nicht die Rede sein. Obendrein schütze eine riesige Plane unterm Hallendach die Tiere vor Lärm- und Geruchsbelästigungen und davor, „dass zum Beispiel Schrauben ins Becken fallen“. Obendrein seien die Delfine eh die meiste Zeit unter Wasser. Was Orthmüller bestreitet: „In Delfinarien halten sie ihre Köpfe immer aus dem Wasser, wenn Menschen ans Becken kommen, weil sie auf Futter hoffen.“

Zoo muss Protokolle zeigen – Ortmüller wartet und droht mit Klage

Wie dem auch sei. Fakt ist: Langfristig werden die Delfine von den Arbeiten profitieren. Das Delfinarium investiert 350.000 Euro in ein etwa 200 Quadratmeter großes Schiebedach. Seit etwa sechs Wochen läuft der Umbau, noch dieses Jahr soll das neue Dach fertig sein, das auch Orthmüller immer gefordert hatte. Schon während einer Dachöffnung für Bauarbeiten 2006 sei die Anlage wochenlang ein „Open-Air-Delfinarium“ gewesen, erklärt Reiter: „Es hat den Tieren damals sehr gut getan, dass da Wind und Regentropfen und Sonnenlicht durchkamen.“ So sollen die Delfine auch künftig frische Luft schnappen.

Die nächste Attacke bereitet Jürgen Orthmüller übrigens bereits vor: Damit der Zoo ihm die medizinischen Protokolle aushändigt, habe er die erste Anfrage nach dem Treffen vor dem Verwaltungsgericht bereits für den Zoo präzisiert. Zwei Monate habe die Zoo AG für die Reaktion Zeit. „Aber der Zoo spielt auf Zeit“, glaubt Orthmüller. „Wenn ich kommende Woche keine Unterlagen bekomme, werde ich die Klagen gegen den Zoo formulieren müssen.“

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