Ziegen sind natürliche "Rasenmäher" an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg

Foto: WAZ-Fotopool
In den letzten Jahren ist der Uferbereich des Wedauer Sees zunehmend zugewachsen. Der Lebensraum für die bedrohte Flora und Fauna schrumpfte immer mehr. Nun sollen 13 Ziegen neuen Platz auf 2,2 Hektar am Ufer des Heubachsees „freifuttern“. Unterstützung sollen sie bald durch Schafe erhalten.

Duisburg. Gierig knabbert die Thüringer Waldziege an der zierlichen Hainbuche. Im Nu hat sie das kleine Gestrüpp niedergerissen und verschlungen. „So ist es richtig“, ermutigt Förster Axel Freude das Tier, das gestern mitsamt seinen zwölf Artgenossen im Naturschutzgebiet am Haubachsee in Wedau ausgesetzt wurde. Dort soll den Ziegen gelingen, was Säger und Schneider nicht geschafft haben: Die totale Verbuschung der Uferzone soll vermieden werden, um seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten dort zu erhalten.

Gestern morgen bezogen die 13 Ziegen ihr neues Zuhause mit Seeblick. 2,2 Hektar direkt am Ufer des Haubachsees haben die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) und das Amt für Grün für die Vierbeiner eingezäunt. Dort sollen sie nun einen Spezialauftrag erfüllen. Dieser lautet: So viel Gras und Gestrüpp wie möglich zu „verputzen“. In Kürze werden den Afrikanischen Zwergziegen und den Thüringer Waldziegen zu diesem Zweck noch sieben Schafe beiseite gestellt.

Flora und Fauna hat es schwer

Die dynamische Vegetationsentwicklung an dieser Stelle hat die tierische Hilfe nötig gemacht. „Als wir 2003 angefangen haben, die Entwicklung in und am See zu beobachten, war das Ufer noch eine lichte, sonnenbeschienene Zone“, erinnert sich Diplom-Biologe Martin Schlüpmann von der BSWR. In der Folge hat sich der anliegende Wald immer mehr in Richtung Wasser ausgebreitet, bis schließlich das gesamte Ufer zugewachsen war. Der Lebensraum der Zauneidechse oder der Blindschleiche ist dadurch drastisch geschrumpft. Auch die Flora, wie der Sumpf-Bärlapp oder die Besenheide, hatten es schwer.

„Dabei waren wir überrascht, was für eine Artenvielfalt hier vorzufinden war“, sagt Volker Heimann, stellvertretender Leiter des Amtes für Umwelt und Grün. Diese Vielfalt soll ihren dringend benötigten Lebensraum zurückbekommen. Der Einsatz der Ziegen und Schafe ist zunächst einmal ein Experiment.

Personelle Mittel begrenzt

„Es ist schon dauerhaft angelegt. Wir wissen aber noch nicht, welches Gebiet der Hunger der Ziegen abdeckt“, erklärt Heimann. In den letzten Jahren hat die BSWR mit Motorsägen und Freischneidern versucht, der starken Verbuschung Herr zu werden. „Doch unsere personellen Mittel waren zu begrenzt“, berichtet Schlüpmann.

Philipp Geuting vom BSWR wird sich in Zukunft um die Ziegen kümmern, die aus dem Wildgehege Witthausbusch in Mülheim nach Duisburg gezogen sind. „Für die Ziegen ist hier nichts Gefährliches oder Giftiges. Die fressen alles. Nur ins Wasser werden sie nicht gehen“, erläutert er. Geuting wird von Josef Mört unterstützt. Der Anwohner hat sich bereit erklärt, ehrenamtlich zu helfen.

„Ich bin der Ziegenpeter. Ich werde jeden Morgen und Abend nach den Ziegen schauen. Ich finde es gut, dass man etwas gegen den Urwald unternimmt. Ich habe beobachtet, wie alles immer mehr zugewuchert ist“, erzählt Josef Mört.

 
 

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