Zeit für die "Traumzeit" in Duisburg

Die Mike Stern Band in der Kraftzentrale. (Foto: Tanja Pickartz/ WAZ FotoPool)
Die Mike Stern Band in der Kraftzentrale. (Foto: Tanja Pickartz/ WAZ FotoPool)
Foto: WAZ FotoPool
Freitag startete im Duisburger Landschaftspark das „Traumzeit“-Festival, und es begann tatsächlich verträumt. Doch die für ihre inhaltlichen Gegensätze bekannte Veranstaltung hielt bis spät in die Nacht Abwechslungen bereit.

Duisburg.. Freitag startete im Duisburger Landschaftspark das „Traumzeit“-Festival, und es begann tatsächlich verträumt. Doch die für ihre inhaltlichen Gegensätze bekannte Veranstaltung hielt bis spät in die Nacht Abwechslungen bereit und ließ die Besucher immer wieder Neues entdecken.

Der israelische Pianist Yaron Herman eröffnete die 14. Auflage der „Traumzeit“ mit einer zeitweise sehr experimentellen Spielweise, öffnete den Jazz durch schillernde Passagen und wiederkehrende Themen allerdings auch einem breiten Publikum. „And now for something completely different“, zitierte er in einer Zwischenmoderation die legendäre Komiker-Gruppe Monty Python – und daran hielt er sich, als er in seinen Stücken immer wieder Haken schlug.

Ebenso abwechslungsreich wie explosiv gestaltete der Gitarrist Mike Stern seinen Auftritt in der Kraftzentrale. Besonders das Zwiegespräch zwischen ihm und Geiger Didier Lockwood war imponierend. Das im Jazz-Rock sonst seltene Instrument war ein wichtiger Beitrag zum Gelingen des Konzerts. Stern, Lockwood und die virtuose Band waren die ersten Musiker, die das neue Bühnenkonzept ausprobierten: eine ebenerdige Auftrittsfläche, um die von vier Seiten Tribünen gebaut wurden. Das Experiment des künstlerischen Leiters Tim Isfort gelang, denn nicht nur die Optik überzeugte, sondern auch der hervorragende Klang in der riesigen Halle.

Eingängig wie Kinderlieder

Mehrere Nummern kleiner waren die Konzerte von Nils Koppruch und Daniel Kahn & The Painted Bird, doch nicht weniger charmant. Im Foyer der Pumpenhalle wagte Koppruch einen Ausflug in die Welt von Americana und reduziertem Country, und er gehört zu den wenigen Künstlern in Deutschland, die daran nicht scheitern. Seine Songs sind so schön und eingängig wie Kinderlieder – aber auch so traurig wie die Gewissheit, dass die Kindheit längst vorbei ist. Auch Daniel Kahn kennt sich mit trauriger Musik aus, die allerdings von einem Moment auf den anderen in Ausgelassenheit aufgehen kann; seine Interpretation von Klezmer machte auch vor Punk, Brecht-Gedichten und der Internationalen nicht Halt.

Noch fremder für mitteleuropäische Ohren wirkte zunächst der Auftritt des Hsaing Waing Ensembles Hein Tint. Die Musiker aus Myanmar spielten ihre Instrumente hinter einer vergoldeten Trennwand: den diatonischen Trommelkreis, den chromatischen Gongkreis, die burmesische Oboe – klingt seltsam, klang schön. Wer sich auf die Musik einließ, konnte sich auch hier bald in den ungewohnten Kompositionen zurechtfinden.

Je später der Abend, desto lauter waren die Akteure. Um 22 Uhr waberten die auf Effekten und Elektronik basierenden Songs der kanadischen Band Caribou durch die Kraftzentrale. Indie-Pop bekam dabei ungewöhnlich wenig Platz eingeräumt, die Musiker um Dan Snaith waren an diesem Abend eher dem Techno zugeneigt. Als die Gäste vor dem letzten Stück aufgefordert wurden, neben die Musiker zu treten und zwischen den Instrumenten und Lautsprechern zu tanzen, wünschte sich so mancher Techniker die klassische Bühnensituation zurück.

Exzellenter Klang

Eine hervorragende Arbeit lieferten die Mischer beim Auftritt von Mogwai in der Gießhalle ab. Der exzellente Klang bei sehr hoher Lautstärke machte das Konzert zu einem Spektakel. Die schottische Postrock-Band bot zunächst die für das Genre üblichen Gitarrenwände auf, spielte aber auch hymnische Stücke, die nicht weit von Stadionrock entfernt waren.

Den ersten Tag beschloss Ólafur Arnalds, der um Mitternacht sein Piano in der neuen Wohnzimmer-Atmosphäre der Kraftzentrale erklingen ließ. Neben einem Streichquartett, das sein elegisches Spiel unterstrich, ließ er sich von Friðfinnur Sigurðsson begleiten. Der machte es sich auf einem Sessel bequem und breitete seine Technik auf einem Nierentisch aus. In diesem Jahr klingt das Festival im Landschaftspark nicht nur traumhaft, es liefert auch unvergessliche Bilder.

Am Samstag spielen in Duisburg: DeVotchKa, Myanmar Hmu Gitameit, Mahall/Gramss/Ditzner, Amiina, Bernhoft, Bauchklang, Bohren & der Club of Gore, Anne Paceo Triphase, The Weakerthans, Branford Marsalis & Joey Calderazzo Duo, Kreidler, Que sera sera, ZU, Trio aXolot

 
 

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