Zeche Friedrich Thyssen sorgte lange für Wohlstand

1976 wurde der Förderturm Schacht 2/5 eingerissen, der zur Zeche Friedrich Thyssen Duisburg Hamborn gehörte.
1976 wurde der Förderturm Schacht 2/5 eingerissen, der zur Zeche Friedrich Thyssen Duisburg Hamborn gehörte.
Foto: WAZ
Nur noch das Fördergerüst von Schacht 6 erinnert an Bergbauzeiten in Duisburg-Hamborn. Zeitweilig war Friedrich Thyssen größte Zeche im Ruhrgebiet .

Duisburg. „Bauart Promnitz 3“ – der Fachmann sieht’s vielleicht auf den ersten Blick, alle anderen müssen’s glauben: Das Fördergerüst der Zeche Friedrich Thyssen, Schacht 6, in Hamborn ist durch seine Konstruktion etwas Besonderes – und es ist unübersehbares und einziges Zeugnis eines Bergwerkes, das ganz wesentlich war für die Duisburger Industriegeschichte.

Errichtet wurde es im Jahr 1907 über dem von 1903 bis 1908 abgeteuften Schacht 6. „Es erinnert an ein Jahrhundert Bergbaugeschichte in einem Ort, in dem 1876 erstmals Kohle gefördert wurde und der 1976 mit der Schließung der Zeche Friedrich Thyssen 2/ 5 sein letztes Bergwerk verlor“, heißt es in den Erläuterungen zur Route der Industriekultur, deren Bestandteil die Stahlkonstruktion natürlich ist. Und: Es ist das erste Fördergerüst, das im Rheinland unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Nicht verhindern konnten die Denkmalschützer den Abriss der Fördermaschinenhalle (1977) mit ihren beiden elektrischen Fördermaschinen, die mit 1470 beziehungsweise 1860 PS Kohlenloren in Förderkörben mit vier Etagen aus der Tiefe hievten.

Und Schacht 6 war nicht der einzige. Denn die Zeche Friedrich Thyssen gehörte in die selbe Liga wie Rheinpreußen oder Zollverein, war von 1902 bis 1918 gar die größte im Revier.

Gewerkschaft Deutscher Kaiser

Die Zeche Friedrich Thyssen, benannt nach dem Vater des Industriepioniers August Thyssen, ging hervor aus der Gewerkschaft Deutscher Kaiser. Unter diesem Namen hatte August Thyssen mit Bergbau und Stahlerzeugung Hamborn innerhalb weniger Jahrzehnte vom Dorf zum boomenden Industriestandort werden lassen, entsprechend dynamisches Bevölkerungswachstum inklusive.

Während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre wurde die Förderung auf den Schacht 2/ 5 konzentriert, Schacht 6 diente seither der Seilfahrt der Bergleute und der Frischluftversorgung des ausgedehnten Grubengebäudes unter Hamborn.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es der Thyssen-Zeche nicht mehr, an die frühere Bedeutung anzuknüpfen. 1976 war Schicht am Schacht.

Während man das Fördergerüst Friedrich Thyssen 2/ 5 damals abgerissen hat, blieb das Schachtgerüst Friedrich Thyssen 6 stehen – als Zeugnis einer Zeit, die Hamborn und Duisburg groß gemacht hat. Und in besten Zeiten auch durchaus wohlhabend.

 
 

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