X-Factor-Sieger David Pfeffer verweigert sich den Klischees der Casting-Show

David Pfeffer, der Duisburger Sänger und Polizist, ist Sieger der Casting-Show X-Factor bei Vox. Pfeffer bekam bei der abschließenden Telefonabstimmung über 60Prozent der Stimmen. Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool
David Pfeffer, der Duisburger Sänger und Polizist, ist Sieger der Casting-Show X-Factor bei Vox. Pfeffer bekam bei der abschließenden Telefonabstimmung über 60Prozent der Stimmen. Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool
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Die Casting-Show X-Factor 2011 hat ihren Sieger: David Pfeffer aus Duisburg setzte sich im Finale bei Vox durch. Der Balladenmann punktete mit Stimme statt Klischees - und hängte so Mitbewerber Nica & Joe und Raffaela Wais ab.

Duisburg. Wie die meisten Casting-Shows hat auch X-Factor das immer gleiche Problem: Junge, unverbrauchte Menschen kommen zum Casting, werden unter Tausenden entdeckt, von einer Jury herausgefischt und entwickeln sich im Laufe der Show extrem schnell weiter. Die Kandidaten zeigen Talent, ziehen zusammen, freunden sich an oder beginnen einander zu hassen.

Dabei wollen Millionen Menschen zusehen. Sie wollen mitentscheiden, wer der nächste große Star wird. Das Problem: Zum Starruhm kommt es nicht. Die Gesichter aus den Fernsehshows werden nicht berühmt, schon gar nicht langfristig.

Das Finale von X-Factor lieferte vor allem Eines: Kaufargumente

Ändern soll das nun David Pfeffer, 29, emotionaler Balladensänger und Polizist aus Duisburg. In extrem kurzer Zeit hat er seine erste Single produziert, „I’m here“, ab Freitag im Handel, wie die Vox-Liveshow nach dem Sieg dezent ein paar Dutzend Mal erwähnte. Doch obwohl der Sieg des Duisburger Frauenschwarms erwartbar war – niemand sonst hatte derart treue und leidenschaftliche Fans – hat Pfeffer zumindest ein paar Klischees ausgelassen, die bei Castingsternchen sonst zu schnellem Ruhm und noch schnellerer Abnutzung führen.

Das X-Factor-Finale dagegen setzte auf Altbewährtes; Lob für die tollen Kandidaten, die tolle Show, die Stargäste und die wunderschönen Weihnachtslieder. Die Jury aus Sarah Connor, Till Brönner und dem Rapper Das Bo äußerte nichts als Begeisterung. Passend zur Geschenkezeit lieferte das Finale vor allem Eines: Kaufargumente.

Duett von Raffaela Wais sorgte für Kritik – wenn auch nicht in der Vox-Liveshow

Kaufen sollten wir nach drei Stunden X-Factor-Schauen folgendes: die neuen Singles der Finalisten David Pfeffer, Raffaela Wais und Nica & Joe, die Weihnachtssingle von Michael Bublé, die aktuellen CDs von Kelly Rowland und Mel C (Spice Girls) und den neuen Alfa Romeo Giulietta.

Alle Kandidaten traten im Laufe der Live-Show mit ihrem eigenen Song – dem für das Weihnachtsgeschäft – und einem Star auf. Besonders das Duett von Raffaela und Kelly Rowland sorgte im Online-Dienst Twitter für Aufregung: Fast alle User waren der Meinung, dass die Kandidatin stimmlich nicht mithalten konnte. Auch die Einsätze der Sängerinnen waren verrutscht, manchmal setzte keiner ein, mal beide. Die Jury fand es dagegen „sehr, sehr gut“.

Nica und Joe backen bei X-Factor Weihnachts-Plätzchen für den guten Zweck

Gutes tun wollten auch Nica und Joe. Um „den Kopf frei zu bekommen“, wie es auf der Vox-Homepage heißt, besuchten sie das Ronald-McDonald-Haus in Köln, um mit den Geschwistern und Eltern schwer kranker Kinder Plätzchen zu backen. Mentorin Sarah Connor, die auch Schirmherrin der Stiftung ist, war erneut begeistert.

Viele Versprecher und Verwirrungen

Wann immer eines der Jurymitglieder, die Kandidaten, Schropp oder Co-Moderatorin Janin Reinhardt sich versprachen oder einfach Schwachsinn erzählten, rechtfertigte das „die Aufregung“, die bei einem Ereignis dieser Größenordnung natürlich nur allzu verständlich sei.

Mehrere Oscar-Reden („ich möchte allen danken“, „ohne euch wäre ich nie so weit gekommen“ „ich habe so viel über mich gelernt“) später ging X-Factor 2011 zu Ende. David Pfeffer gewinnt, Raffaela Wais wird Zweite, Nica und Joe Dritte.

David Pfeffer verhielt sich bis zum Schluss erstaunlich normal

Der Auftritt von US-Sängerin Kelly Rowlands, die sich im knappen goldenen Kleid zum unübertroffen eindeutigen Text („Down for whatever“) mit vier halbnackten, maskierten Tänzern auf der Bühne produzierte, könnte die Show überdauern – gleiches gilt auch für Pfeffer, der sich jedoch bis zum Ende der Sendung erstaunlich normal verhielt.

Seine Familie, seine Liebe zur Musik, die Polizei, die Freunde aus Duisburg. All das war zum Schluss in allen seinen Facetten erzählt, doch David Pfeffer weigerte sich offensichtlich, Ex-Freundinnen oder Kindheitstrauma vor die Kamera zu bringen. Er sei auch weiterhin Polizist, ließ Pfeffer durch seine Schwester mitteilen – er selbst hatte sich da bereits vor Constanze Rick, Moderatorin des Magazins „Prominent“, in Sicherheit gebracht.

„Das Exklusiv-Interview mit dem Gewinner“ was im Laufe der Sendung mit viel Tamtam angekündigt wurde, brach Pfeffer nach ein paar Sätzen ab und ließ Rick mit dem Mikrofon alleine. Der Gewinner zog es vor, seine Freunde zu umarmen.

 
 

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