Worauf man achten sollte

Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg. Katholische Kirchen sind traditionell offene Häuser. Auch Nicht-Christen sind hier willkommen - solange man sich an Spielregeln hält. Der Gast kann zum Gottesdienst eine Kirche besuchen und in den Bänken Platz nehmen. Den Altarraum darf man nicht betreten, betont Stadtdechant Bernhard Lücking. Einige Katholiken machen beim Reingehen eine Kniebeuge und bekreuzigen sich mit einer Hand, die mit Weihwasser aus dem Becken im Eingangsbereich benetzt ist. Das Becken sei jedenfalls nicht dazu gedacht, Zigaretten auszudrücken.

Lücking empfiehlt, ein Gebetbuch aus dem Eingangsbereich mit in die Bank zu nehmen. Auf Anzeigetafeln werden die Lied-Nummern angezeigt, die Texte könne man mitlesen oder auch mitsingen.

Die kleine Bank zu Füßen des Sitzenden wird üblicherweise zum Knien benutzt, „ich stell meine Füße aber auch drauf, wenn meine Schuhe nicht zu dreckig sind“, gesteht der Pfarrer. Da das Knien eine Glaubensaussage ist, kann ein Gast in dieser Zeit sitzen bleiben oder sich hinstellen. Das gilt auch, wenn die Gläubigen zur Heiligen Kommunion nach vorne gehen.

Das Handy sollte ausgeschaltet sein

Die Bekleidung sollte dem Ort angemessen sein. Kopfbedeckungen sind Männern nicht erlaubt, auch in kalter Winternacht sei eine Wollmütze nicht angebracht. Außerdem: „Keine Shorts, nichts Schulterfreies“, sagt Lücking. So streng wie in Italien etwa, wo nicht korrekt gekleidete Besucher sogar hinausgeworfen werden, sei es in Deutschland allerdings nicht.

Weitere Regeln: Handy aus, Zigarette aus, Essen und Trinken sind ebenfalls nicht erlaubt. Fotos und Videos sind nur außerhalb von Gottesdiensten bei Besichtigungen gestattet - oder wenn es wie bei Hochzeiten vorher vereinbart wurde. Jeder sei eingeladen, sich an der Kollekte zu beteiligen. Wird kein anderer Zweck angekündigt, ist sie für die Pfarrgemeinde bestimmt.

Bei Kindern ist die Katholische Kirche tolerant. „Jesus sagt, lasst die Kinder zu mir kommen. Sie dürfen in der Kirche auch rumlaufen.“ Und wenn ein Lutscher dabei hilft, dass die Kleinen weniger Krach machen, sei auch das erlaubt. „Ich schicke kein Kind raus“, betont Lücking. Auch wenn es manchen anderen Kirchenbesucher vielleicht stört. In der Osternacht, also von Samstag auf Sonntag, ziehen alle Messebesucher mit brennenden Kerzen in die Kirche ein. In der Josefkirche wird zudem eine Erwachsenentaufe stattfinden.

Rolf Schotsch zu den Regeln in der evangelischen Kirche 

In der evangelischen Kirche gibt es keine geregelte Kleider- und Verhaltensordnung. Eine angemessene Kleidung wird während des Besuches in den Gotteshäusern jedoch erwartet. „Einen Bikini sollte man nicht unbedingt in der Kirche anziehen“, rät Rolf Schotsch, der Pressereferent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, „aber solche Regeln, die knielange Röcke und lange Hosen vorschreiben, gibt es bei uns nicht.“

Das Absetzen von Kappen und Hüten gehöre für ihn ebenso zum guten Benehmen wie das Verdecken von Oberkörpern und Füßen. „Nackte Füße sind in evangelischen Kirchen taktlos“, findet Schotsch. Auch das Verhalten sei einigen Grunderwartungen unterworfen. Das Telefonieren, Essen und Trinken sei beispielsweise nicht angebracht und auch das Fotografieren solle man während des Gottesdienstes unterlassen.

Tiere dürfen ebenfalls nicht mit in die Kirche gebracht werden, außer zu dem speziellen Tiergottesdienst, der einmal im Jahr in der Gemeinde Neumühl stattfindet. „Bei den Orthodoxen in Rumänien habe ich es schon mal erlebt, dass Männer während des Gottesdienstes rausgegangen sind, um eine zu Rauchen. Aber der dauert da ja auch fünf Stunden“, sagt der Pressereferent. In den evangelischen Gotteshäusern hierzulande würde dies als unhöflich betrachtet. Am Schluss jedes Gottesdienstes bitten die Gemeinden ihre Besucher um eine Kollekte.

Hüseyin Cetin zu den Regeln der Merkez-Moschee-Gemeinde 

In einer Moschee gilt eine spezielle Kleiderordnung. So müssen beispielsweise zum Beten die Schuhe ausgezogen werden. „Man braucht einen sauberen Ort für das Gebet, sonst wirkt es nicht“, erklärt Hüseyin Cetin von der Merkez-Moschee-Gemeinde in Marxloh. Die Strümpfe sollten die Betenden jedoch anbehalten, empfiehlt er. Bei Frauen sei ein weit ausgeschnittenes Dekolleté nicht angebracht. Außerdem sollten sie knöchellange Kleidung tragen.

Den Männern sei zum Beten eine Körperbedeckung vom Bauchnabel bis zum Knie empfohlen. „Aber es gibt einen Vers im Koran, der besagt, dass es keinen Zwang in der Religion gibt“, so Cetin. Daher stünde es den Besuchern und Betenden frei, die Empfehlungen zu befolgen. Einige muslimische Frauen kämen beispielsweise auch ohne Kopftuch zum Gebet. „Wir sind da offen. Die Mehrheit trägt jedoch beim Betreten der Moschee ein Kopftuch“, fügt er hinzu.

Auch bei den öffentlichen Führungen durch die Moschee steht es den Besuchern frei, was sie tragen wollen. Eine deutsche Frau habe bei solch einer Besichtigung mal ein Kopftuch getragen. „Im Bezug auf Respekt und gegenseitige Achtung finde ich das gut“, meint das Gemeindemitglied. Als oberste Verhaltensregel gelte es, die Ruhe der Betenden nicht zu stören. „Jeder sollte sich so benehmen, wie man es eben tut, wenn man einen sakralen Ort besucht.“

Michael Rubinstein zu Regeln beim Synagogen-Besuch 

Mit dem Polizeiauto vor der Tür sieht die Jüdische Synagoge nicht wie ein offenes Gotteshaus aus. „Das sind wir theoretisch aber“, betont Geschäftsführer Michael Rubinstein. Auch wenn es wegen der Sicherheitsmaßnahmen Sinn macht, sich zuvor anzumelden. Zudem hat die Gemeinde dann besser im Blick, dass das Verhältnis zwischen Betenden und Gästen nicht schief wird. „Wir sind ja kein Museum“, betont Rubinstein.

Gäste müssen sich an ein paar Regeln halten: So sitzen Männer in der Synagoge unten, Frauen im Obergeschoss. Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen - egal ob Kappe oder Mütze, es liegen auch Leih-Kippas aus, sagt Rubinstein. Jüdische Frauen bedecken ihr Haar, wenn sie verheiratet sind, der Regel folgen aber nicht alle Gläubigen, also dürfen auch weibliche Gäste bloßen Hauptes in die Synagoge. Grundsätzlich sollten alle angemessen bekleidet sein, nicht zu knapp, nicht schulterfrei, nicht hauteng. Fotos und Videos sind nicht gestattet, das Handy muss ausgeschaltet sein. Wer filmen will, möge sich einer touristischen Führung anschließen, empfiehlt Rubinstein.

Der Schabat-Gottesdienst am Freitagabend sei für Nicht-Juden besonders interessant, weil viel gesungen werde, die Stimmung eine besondere sei. Im Anschluss werden Wein und Schabat-Brot gesegnet und die Gemeinde nebst Gästen zum gemeinsamen Essen eingeladen. Der Gottesdienst am Samstag Morgen indes dauert drei Stunden, wird auf Hebräisch gehalten, „das ist schon ordentlich lang, auch wenn es sicher ein Erlebnis ist, mal einer Lesung aus der Thora zuzuhören“, warnt Rubinstein.

Dieses Jahr fallen Karfreitag und das jüdische Pessach-Fest, mit dem der Auszug aus Ägypten gefeiert wird, auf den gleichen Tag. Ab dann essen Gläubige eine Woche lang ungesäuertes Brot, keinen Reis, keine Hülsenfrüchte und halten sich an viele weitere Regeln. An alle 613 Ge- und Verbote halten sich allerdings nur die wenigsten der 2700 Gemeindemitglieder. Für Rubinstein selbst ist allein wegen seines Berufs das Judentum „ein starker Teil meiner Identität“, gar so streng definiere er seinen Glauben jedoch nicht. Als traditioneller Mensch esse er zwar eine Woche kein Brot, aber koschere Schokolade sei schon erlaubt.

Die Gemeinde hat vor Pessach viel zu tun, selbst die Küche wird heiß gestrahlt, damit sie koscher ist. Zum Seder-Essen, dem Pessach-Mahl, werden sonst viele christliche Gäste erwartet. Die Termin-Kollision mit dem Karfreitag erlaubte das dieses Jahr allerdings nicht.

 
 

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