Wolfgang Treppers leise Spenden

Foto: WAZ FotoPool

Geschrei auf den Gängen, die Betreuerinnen in Aufregung – aber dafür sorgen nicht die kleinen Besucher des Kindergartens an der Nikolaistraße. Ein ausgewachsener Unruhestifter ist zu Gast: Wolfgang Trepper. Der Kabarettist sammelt seit sechs Jahren Geld für den Förderverein der Einrichtung. Inzwischen sind dabei 20 000 Euro zusammengekommen.

Als gebürtiger Rheinhauser, der in Ruhrort gelebt hat, bevor er schließlich nach Hamburg gezogen ist, kam Trepper über einen kleinen Umweg mit dem Kindergarten in Kontakt. „Ich wollte 2007 eine Hüsch-Lesung machen und habe einen Auftrittsort gesucht.“ In der nahe gelegenen Gnadenkirche fand er ihn. „Es war eine unglaubliche Atmosphäre, sehr skurril.“ Mit „Dinner for DU“ kam der Kabarettist bald wieder, und allmählich lernte er die Gemeinde kennen. „Kindern zu helfen ist ja immer gut“, sagt er in seiner schnodderigen Art, also begann er damit.

So steigt Trepper nach seinen Auftritten von der Bühne und postiert sich mit seiner beinahe zum Markenzeichen gewordenen roten Handtasche an der Tür. „Ich sage den Veranstaltern immer, dass ich einen Stehtisch brauche und eine Flasche Bier, denn darauf möchte ich nicht erst eine halbe Stunde warten.“ So ausgestattet plaudert er mit den Besuchern und sammelt nebenbei Geld für den Förderverein. „Damit schlage ich also zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich kann mit den Menschen reden, und es kommt noch Kohle rein.“ Zuvor erklärt er auf der Bühne, für wen er sammelt, und wünscht sich, dass die Besucher „leise spenden“. „Es soll rascheln, nicht klimpern.“

Seit sechs Jahren ist Trepper auch hauptberuflich Kabarettist. „Am 15. Juni 2007 habe ich meinen Schreibtisch bei Radio Duisburg abgeschlossen“, sagt Trepper. Vier Jahre lang brachte er bis dahin Radio und Bühne unter einen Hut. Doch der Erfolg machte eine Entscheidung nötig.

Längst hat sich der 52-Jährige einen Namen in der Branche gemacht, tritt regelmäßig im Hamburger Schmidt-Theater auf der Bühne, tourt durch Deutschland und ist im Fernsehen zu sehen. Mit der Figur des tumben Hausmeisters Kaleschke hat er seine Karriere begonnen, und ein bisschen von der cholerischen Art des Ruhrpottlers stecke noch immer in ihm. Doch die lauten, krawalligen Nummern sind nicht seine liebsten, ruhige Texte und politische Inhalte präsentiert er seinem Publikum lieber. „Das ist im Fernsehen nicht immer leicht, aber zuletzt durfte ich zum Beispiel im NDR einen politischen Text darüber machen, warum der liebe Gott aus der Kirche austritt – nämlich weil Kardinal Meisner ein Arschloch ist.“ Offensichtlich, Krawall ist nicht Treppers Stil.

 
 

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