Wo man singt, da lass dich nieder

Duisburg singt beim Day of Song am Samstag auf dem König-Heinrich-Platz, drigiert von Kai Magnus Sting.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Duisburg singt beim Day of Song am Samstag auf dem König-Heinrich-Platz, drigiert von Kai Magnus Sting.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg..  Singen verbindet – das Motto des „Day of Song“ übertrug sich am Wochenende vom Papier auf die Wirklichkeit. Ganz Duisburg summte und sang, jauchzte und jubelte, ob des herrlichen Klangs der eigenen Stimme. Denn Singen kann jeder, Singen kostet nichts, drum singe, wem Gesang gegeben!

Als das Läuten der Glocken um 12.10 Uhr ertönt, geht ein Raunen durch die Menge auf dem König-Heinrich-Platz, dann wird es ganz still. Nun folgt der Moment, auf den Tausende warten. Das Steigerlied erklingt, verschmolzen zu einer einzigen Stimme huldigt die Masse ihrem Ruhrgebiet: „Glück auf! Der Steiger kommt!“

Im 53 Städten im gesamten Ruhrgebiet geschieht zu dieser Zeit das selbe, erklingen die Melodien des „Day of Song“. Singen verbindet – nicht nur Menschen, sondern eine ganze Region. „Es ist fantastisch, wie diese Aktion den Metropolencharakter unseres Ruhrgebiets hervorhebt“, schwärmt Ute Schramke von Duisburg Marketing, die Dutzende von Chören, Schulen und Vereinen im Gesangsfieber zusammengebracht und koordiniert hat. „Und es läuft genauso, wie ich es mir gewünscht habe.“

Bei der zweiten Auflage des Gesangstages nach dem Kulturhauptstadtjahr 2010 stehen die Kinder im Mittelpunkt. Monatelang erfüllten ihre Stimmen die Räume von Kindergärten, Tagesstätten und Schulen, alles für diesen Tag. Sie machen den Auftakt, singen mit ehrfürchtigen Gesichtsausdrücken ihre Lieder. Gregor Finke, Chorleiter der Philharmoniker, begleitet sie. „Die Arbeit mit den Kindern war für mich persönlich das Schönste an diesem Projekt“, sagt Ute Schramke. „Sich mit anderen Einrichtungen zu treffen und auszutauschen. Es waren oft lustige und schräge Momente, und es war toll zu sehen, wie viel Spaß die Kinder hatten.“

Mit großen Augen schaut Kevin Schilling über den Platz. Der 12-Jährige steht mehr auf Rock und Hip-Hop, sagt er, aber er ist mitgekommen, um seinem Bruder Jannek zuzuhören, der in dem Chor der Kinder mitsingt. „Zu Hause haben wir zusammen die Lieder geübt“, berichten die Brüder. Beide spielen Instrumente, Kevin Gitarre, Jannek Schlagzeug – das musikalische Duo ist hellauf begeistert vom Flair des Gesangstages.

Auf der Treppe vor dem City-Palais, wo die Duisburger Gesangselite um Anja Lerch und Jupp Götz ihre Stellung bezogen haben, steht Kulturdezernent Karl Janssen mit einem Textheft und singt aus voller Kehle. „Das macht fröhlich und setzt ungeahnte Kräfte frei“, erläutert Janssen, der nun ernsthaft überlege, einem Chor beizutreten. „Vielleicht sollten wir im Rathaus auch viel mehr singen, zum Beispiel vor den Ausschüssen.“

Auch Moderator Kai Magnus Sting hat seine Stimme geölt, dirigiert in Sting’scher Manier den Chor der Bürger. Die wollen gar nicht mehr aufhören, sind gefangen in der Vielstimmigkeit, ziehen im Kanon die Volksweise „Hejo, spann den Wagen an“ mehr und mehr in die Länge. „Dieses Lied hatte ich schon so lange nicht mehr gehört“, erzählt Elke Snidowski gerührt. „Es ist so wundervoll.“

Der größte Chor der Stadt ist seit Stunden aufgelöst, da erfüllen noch Töne die Luft in der Innenstadt. Für sich oder in der Gruppe wird gesummt, der „Day of Song“ hat vor allem eines hinterlassen: Ohrwürmer.

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