Wo Duisburgs Obdachlose Schutz vor Kälte finden

Thomas Richter
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Duisburg. Es ist bitterkalt in diesen Dezember-Tagen. Die Temperaturen fallen vor allem in den Abend- und Nachtstunden weit unter den Gefrierpunkt. Für jene Menschen, die ihr Leben auf der Straße verbringen, ist dies die gefährlichste Zeit des Jahres.

Doch Duisburg kümmert sich vorbildlich um seine Obdachlosen. „Ich arbeite seit 24 Jahren in diesem Bereich und hier seitdem noch kein einziger Mensch erfroren“, sagt Roland Meier. Und der Leiter des Fachbereichs Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie hofft, dass diese für eine Großstadt beeindruckende Bilanz auch nach dem Winter 2010/11 noch Bestand hat.

Wohnungslosigkeit vermeiden

„Unser Grundansatz lautet: Wir versuchen, Wohnungslosigkeit zu vermeid en.“ Die Frau, die das sagt, heißt Andrea Bestgen-Schneebeck. Sie ist Abteilungsleiterin im städtischen Amt für Soziales und Wohnen. Und sie gehört mit ihren Amtskollegen zu jenem Netzwerk, das sich in Duisburg um die Betreuung der Obdachlosen kümmert. Bevor einer Familie oder einer Einzelperson der Rauswurf droht, wird seitens der Stadt zunächst geprüft, ob es nicht Lösungen gibt, die Wohnung doch noch zu halten. Etwa durch Mietschuldenübernahme. Wird dabei kein Kompromiss gefunden, warten stets andere Unterbringungsmöglichkeiten. Für Familien stehen sofort Alternativ-Wohnungen bereit. „Die landen nie auf der Straße“, so Bestgen-Schneebeck. Und für alleinstehenende Personen gebe es an der Unterstraße/Ecke Marientorbrücke (für Männer) und an der Pappenstraße (für Frauen) Häuser mit so genannten Notübernachtungsplätzen.

Und wie sehen diese Plätze nun genau aus? Das „Haus am Hafen“ an der Unterstraße ist ein Betonklotz, dessen äußeres Erscheinungsbild auf den ersten Blick in seiner Abgenutztheit verschreckt. In dem Hochhaus wartet aber beim ersten Schritt durch die Tür nicht nur wohlige Wärme, sondern auch ein Empfang, der rund um die Uhr besetzt ist.

Hilfe im Notfall

„Wer hierhin kommt, dem wird auch geholfen. Wir haben vier Notübernachtungsplätze. Falls die komplett belegt sein sollten, können wir zusäzlich einige Feldbetten aufstellen“, sagt Reinhard Bastisch, der Leiter des Diakonie-Übergangsheimes, das gleichzeitig auch die städtisch finanzierte Notaufnahme-Stelle beherbergt. Im allergrößten Notfall dürfe er Obdaschlosen Gutscheine für eine Übernachtung in nahe gelegenen Hotels verteilen, erzählt Bastisch. „Das ist im Jahr 2009 aber nur elfmal vorgekommen.“

Eines stellt der Leiter der Einrichtung aber sofort klar: „Hier ist kein Übernachtungsbereich auf Dauer, hier ist nicht das normale Leben.“ Gleich nach der ersten Nacht erfolgt stets die Vermittlung zur Diakonie-Beratungsstelle an der Beeckstraße. Dort werden die Hilfsmaßnahmen festgelegt, die jedem Wohnungslosen angeboten werden können. Dazu zählt etwa eine psychologische Betreuung. „Viele wollen hier aber erst einmal zur Ruhe kommen“, weiß Bastisch aus Erfahrung. Das primäre Ziel für ihn und seine Mitarbeiter lautet: Brücken für die Wohnungslosen zu bauen, um sie irgendwann in ein möglichst normales Leben zurückzuführen.

2009 gab es 600 Übernachtungen

600 Übernachtungen gab es hier im Jahr 2009 von 266 Personen. Im Jahr zuvor seien es noch 676 Übernachtungen gewesen. „Manche gehen nach der ersten Nacht gleich wieder, weil sie unser Beratungsangebot nicht annehmen wollen. Zwingen können wir schließlich niemanden“, sagt der 56-jährige Bastisch, der sich seit 1991 in Duisburg um die Wohnungslosen kümmert. „Man trifft hier auf Menschen, die auf eine andere Art und Weise viel Lebenserfahrung gesammelt haben“, begründet er sein Engagement.

Auch an Obdachlose mit Hunden wurde gedacht. Für sie stehen Plätze im beheizten Gartenhaus zur Verfügung. Weder Hund noch das heimatlose Herrchen sollen in diesem grimmigen Winter frieren.