Wird die Küppersmühle in Duisburg zum teuersten Museum der Welt?

Ärger um den Bau des Kubus, dem Erweiterungsbau des Museum Küppersmühle im Innenhafen in Duisburg. Viele der Schweißnähte sind fehlerhaft. Foto: Stephan Eickershoff
Ärger um den Bau des Kubus, dem Erweiterungsbau des Museum Küppersmühle im Innenhafen in Duisburg. Viele der Schweißnähte sind fehlerhaft. Foto: Stephan Eickershoff
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Es steht auf des Messers Schneide: Entweder bekommt Duisburg mit dem Kunst-Kubus auf der Küppersmühle ein spektakuläres Wahrzeichen internationaler Exzellenz oder ein Riesenproblem. Eines, das in einer baulichen Ruine und im Ruin der Gebag enden könnte.

Es traut sich eigentlich niemand mit Blick auf die vielleicht alles entscheidenden Gespräche am Mittwoch mit den Sponsoren Ströher und Evonik in Essen, an denen auch OB Sauerland teilnimmt, einzugestehen: Aber die Kostenexplosion an der Museumsbaustelle der Küppersmühle am Innenhafen droht das ganze Projekt zu gefährden. Von Millionen Mehrkosten weit über die ohnehin schon angeschwollenen 50 Millionen Euro hinaus ist die Rede, gar von 20 Millionen Euro. Dann wäre der 2200 qm große Küppersmühle-Aufsatz das teuerste Museum der Welt.

Teurer Pfusch am Bau

Eine für gestern anberaumte Aufsichtsratssitzung der Bauherrin Gebag wurde auf kommende Woche verschoben, weil die endgültigen Zahlen noch fehlen. Dafür tagen andernorts Krisenrunden. Nach alarmierenden Hinweisen aus dem Vorstand sah sich der Aufsichtsratsvorsitzende gezwungen, den OB als Vertreter des Gesellschafters Stadt über die bedrohliche Lage für die Gebag zu informieren.

Immer klarer ist: Das Stahlgerüst für den Kubus ist ein kompletter Sanierungsfall. Nahezu alle wichtigen Tragepunkte der 1300 Tonnen schweren Konstruktion müssen nach dem Pfusch am Bau, der auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt, erneuert werden. Das technische Gutachten der Duisburger Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt, die die Gebag beauftragt hatte, muss vernichtend gewesen sein. Und auch das Stahlbauunternehmen Queck, das für die insolvente Firma ISS eingestiegen war, will auf Nummer sicher gehen und alles erneuern. „Dass es teurer wurde, war uns klar, auch dass das keine Peanuts sein werden“, gesteht Gebag-Vorstand Marianne Wolf-Kröger jetzt ein. Zahlen will die Gebag aber noch nicht nennen. Da ist es schon fast lapidar nach einem Hub-Termin für den Stahl-Koloss zu fragen, der nach mehreren Verzögerungen ohnehin schon auf Ende Juni verlegt worden war.Ärger um den Kubus

Engagierte Sponsoren

Nur wer soll die Mehrkosten tragen? Von der insolventen Firma ISS wird es wohl keinen Cent geben. Die Gebag ist ihrerseits daran gebunden, dass sie nicht mehr als 1,3 Mio € beisteuert. Die Sponsoren, die Kunstmäzen-Familie Ströher, für deren opulente Sammlung moderner Kunst der Erweiterungsbau gedacht ist, greift schon, wie es heißt, mit sensationellen 30 Millionen Euro tief in die Tasche, die Evonik hat ihren Anteil auch schon von zehn auf 13 Mio Euro aufgestockt. Beide stehen bislang zum Mega-Museum in Duisburg. Ist Ihnen der Kunst-Leuchtturm auf der Mühle noch mehr wert?

Im Raum steht zudem, dass die Familie Ströher im Sponsorenvertrag eine Ausstiegsklausel hat, wenn das Vorhaben die 50 Mio-Euro-Grenze überschreitet. In Regress steht aber dann in dem höchst komplizierten Vertragswerk die städtische Wohnungsbautochter Gebag. Allein die Anmeldung der Forderung würde die Gebag kollabieren lassen.

Hilfe vom Land?

Millionenbeträge sind jetzt schon in die Ertüchtigung der Küppersmühle-Silos geflossen, damit sie die tonnenschwere Kubus-Lust überhaupt tragen können. Da würde der Gebag auch die Sicherheitsleistung von zehn Millionen wenig helfen, die sie durch den Verkauf ihrer Anteile an der Dinslakener Wohnungsbaugesellschaft flüssig gemacht und zur Seite gelegt hat.

Ein Strohhalm kann plötzlich wieder das Land werden. Das hatte zunächst eine Förderung für das Kulturhauptstadtjahr 2010 von zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt. Letztlich hatte die Gebag das Angebot aber ausgeschlagen, weil der Erweiterungsbau ohnehin nicht bis dahin fertig geworden wäre und man bürokratische Auflagen scheute. Nun gibt es wieder Vorgespräche und Kontakte mit der Landesregierung auf vielfältigen Ebenen.

Glühender Verfechter des Museum-Projektes und zuversichtlich bleibt Kulturdezernent Karl Janssen: „Die Sammlung Ströher und ihr Engagement für Duisburg ist großartig. Wir müssen alles tun, um dieses Pfund für Duisburg und das Land zu halten. Ein Scheitern wäre grausam.“

 
 

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