Duisburg

„Wir sind die Kaputten“: So hart ist das WDR-Drama zur Loveparade

Die Bilder der Loveparade verfolgen Antonia (Jella Haase) bis heute.
Die Bilder der Loveparade verfolgen Antonia (Jella Haase) bis heute.
Foto: WDR

Duisburg. „Ich hab' einen an der Klatsche. Ich war bei der Loveparade.“

Diese Sätze sagt Antonia Schneider (Jella Haase, 24, Fuck ju Göthe) im WDR-Drama „Das Leben danach“. Antonia ist eine der Überlebenden des Grauens, das sich am 24. Juli 2010 im Tunnel der Karl-Lehr-Straße und an der Rampe zum Loveparade-Gelände abgespielt hat.

21 Menschen kamen damals ums Leben. Die Bilder verfolgen Antonia bis heute.

Opfer und Täter der Loveparade

Sie spricht zu Sascha Reinhardt (Carlo Ljubek). Auch er ist in die Loveparade-Katastrophe verwickelt. Doch steht er auf der anderen Seite: Er war als Mathematikprofessor einer der Gutachter, die das Gelände im Vorfeld der Techno-Party als sicher eingestuft haben. Gegen Geld. Jetzt fährt Sascha Taxi.

Er: korrupt und doch von Schuld zerfressen. Sie: eine kaputte junge Frau, die weder Abi noch das erträumte Medizin-Studium gepackt hat. Die Menschenmengen meiden muss, ständig ausrastet und noch zu Hause bei Vater (Martin Brambach) und Stiefmutter (Christina Große) wohnt, weil sie nicht arbeiten kann.

Antonia und Sascha verlieben sich ineinander. Trotz aller Traumata. Dann findet Antonia heraus, welches Geheimnis er vor ihr verborgen hat - und die Beziehung eskaliert.

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Die fiktionale Geschichte basiert auf den wahren Ereignissen, die sich 2010 mitten in Duisburg abspielten. Und die sich weiterhin abspielen: Gebrochene Leben, traumatisierte Menschen in ganz Deutschland. Antonia ist Symbol-Figur für eine von Tausenden.

Manche konnten das Leid danach nicht mehr ertragen. Sie nahmen sich das Leben. Auch das wird im Film thematisiert.

Authentisches Videomaterial der Loveparade im Film

Für „Das Leben danach“ hat der WDR mit Opfern der Loveparade gesprochen. Hinterbliebene und Verletzte befragt. Auch authentisches Videomaterial ist im Film zu sehen.

Die Katastrophe ist nah, nicht nur in den Szenen, die im Karl-Lehr-Tunnel gedreht wurden, dem Ort, der als „Loveparade-Tunnel“ weltweit bekannt wurde.

Posttraumatische Belastungsstörung frisst Überlebende auf

Antonia ist irrational, verbittert, gehässig. Ihre posttraumatische Belastungsstörung frisst sie auf. „Warum zertrampelst du die Gedenkstätte“, fragt Sascha sie. „Weil die tot sind und ich lebe“, antwortet Antonia neidisch. „Die, die tot sind, das sind die Guten. Wir, die überlebt haben, wir sind die Kaputten.“

Ein Stück Duisburger Geschichte

Trotz mancher fast übertriebener Symbolik und Dialogen, die vor Bedeutungsschwere nur so triefen: „Das Leben danach“ berührt. Eben weil der Film so hart ist. Weil er Verständnis weckt für die Überlebenden der Loveparade. Und weil er ein Stück Duisburger Geschichte zeigt, das die Stadt für immer verändert hat.

Und das immer noch nicht juristisch aufgearbeitet ist.

„Das Leben danach“ wird am 27. September um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

 
 

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