Willy-Brandt-Berufskolleg - „Wir sind immer noch da!“

Willy Brandt Berufskolleg: Schulleiter Helmut Richter im Werkraum.
Willy Brandt Berufskolleg: Schulleiter Helmut Richter im Werkraum.
Foto: WAZ FotoPool
In einer Serie stellt die WAZ alle neun Duisburger Berufskollegs vor. Heute: Das Willy-Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen - die einzige Bündelschule mit zwei sehr unterschiedlichen Schwerpunkten: Technisches und Kaufmännisches.

Duisburg. In einer Serie stellt die WAZ alle neun Duisburger Berufskollegs vor. Heute: Das Willy-Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen - die einzige Bündelschule mit zwei sehr unterschiedlichen Schwerpunkten: Technisches und Kaufmännisches.

Wo schon der Schulleiter gelernter Maschinen-Schlosser ist, darf es ein bisschen nach frisch geflext riechen, nach Werkstatt, nach Handarbeit. Das Willy-Brandt-Berufskolleg unterrichtet Industrie- und Zerspanungs-Mechaniker, Teilezurichter sowie Assistenten für Konstruktions- und Fertigungstechnik.

Der Technikbereich macht im Gegensatz zu früher aber nur noch ein Drittel der Schülerschaft aus. In Folge des Strukturwandels stehen den 300 Handwerkern heute 1200 Kaufleute gegenüber, die hier zu Industrie- und Reisekaufleuten ausgebildet werden, Assistent für Betriebsinformatik oder Fachkraft für Post- und Kurierdienst werden.Spezial

"Zeiten haben sich geändert"

„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Schulleiter Dr. Helmut Richter. „Wir haben uns früher noch Blasen an den Fingern geholt vom vielen Feilen“, erinnert er sich. Gefeilt wird heute auch noch, aber in den Werkstätten stehen moderne Fräs- und Drehmaschinen, Schweißer können hier ausgebildet werden - und moderne computergesteuerte Maschinen dürfen auch nicht fehlen. Was zur Folge hat, das gelegentlich auch das Kollegium wieder auf die Schulbank muss, um sich mit neuer Technik vertraut zu machen.

Landesmittel über mehrere 100.000 Euro machten es in den letzten Jahren möglich, einige Bereiche auf den neuesten Stand zu bringen. Das Gebäude aus den 70er Jahren hat zwar einen zeitgemäßen Charme mit den olivgrünen Türen und den hellgelben Wänden, aber hinter mancher Stahltür ist die Neuzeit eingezogen. Das gilt auch für den kaufmännischen Bereich. Die angehenden Bürokaufleute sitzen in Klassen mit je 30 PCs und einem schönen Blick über Rheinhausens Volkspark und den Kleingartenverein.

Kunst am Bau

Kunst am Bau wird an der Schule ebenfalls gepflegt. Aktuell mit einer handarbeitswütigen AG, die Treppengeländer und Türknaufe Schule mit farbenfrohen Bommeln oder Schweinchen verziert. Eine Reminiszenz an die alte Zeit ist ein Globus aus Doppel-T-Trägern, gefertigt noch von Azubis der Friedrich-Krupp Hüttenwerke. „Schienen aus Krupp-Stahl für die Bahnen der Welt“ steht darauf, theoretisch, einige Buchstaben haben den Strukturwandel nicht überlebt.

Im Überleben versucht sich aber der Schülerladen, hier verkaufen Schüler der Berufsfachschule Schnellhefter und Radiergummis, führen Kassenbuch, pflegen ihr Sortiment. Und lernen auch, mit dem Scheitern umzugehen. „Sie haben es mal mit Schmuck versucht, aber das lief gar nicht“, erzählt Richter. Was man vergessen hat und schnell in der Pause nachkaufen kann, ist offenbar bedarfsgerechter. Der Laden hat sich drauf eingestellt.

An der nächsten Tür steht zwar Religion drauf, aber drin ist die Agentur für Arbeit mit 16 weiteren Partnern wie IHK oder Hochschulen. Sie bieten hier regelmäßig Beratung an, präsentieren ihre Angebote. Dichter dran am Kunden geht kaum.

Im Lehrerzimmer duftet es nach Kaffee

Ein paar Türen weiter wird die Pause zum Billard-Spiel genutzt, andere lümmeln auf Sofas rum - Entspannung ist angesagt. Ein Lehrer ist aber trotzdem immer anwesend. Das gilt auch für den „Trainingsraum“, der aber nichts mit Schweiß und Fitness zu tun hat. „Hierher kommen Schüler, wenn sie massiv den Unterricht stören“, erzählt der Schulleiter. In Einzelbetreuung soll dann Ruhe einkehren. Manchmal reicht offenbar, wenn das Handy einkassiert wird.

„Sehr geehrter Herr Schulleiter“ spricht ein Schüler Herrn Richter an, „mein Handy wurde eingezogen“. Der Schulleiter hat dafür ein Schmunzeln übrig und verweist ans Lehrerzimmer. Dort duftet es wohlig nach Kaffee. Vier Kannen warten auf 60 Lehrer und fünf Referendare.

"Wir sind immer noch da"

Keine Frage, mit diesem Kollegium, 450 Schülern in Vollzeit, 850 in Teilzeit sowie 120 ohne Ausbildungsverhältnis ist die Schule keine kleine. Und doch gehört sie zu denen, die genannt werden, wenn es um die Schließungspläne geht. „Im Moment ist es darum ruhig. Und wir sind immer noch da“, sagt Richter nicht ohne Stolz. Die Schülerzahlen seien recht konstant, über 75 % kämen aus der näheren Umgebung. Änderungsbedarf sieht die Schulleitung da naturgemäß nicht, ohnehin sei es schwer vorstellbar, so viele Schüler umzuverteilen.

 
 

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