Duisburg

„Wilder Flohmarkt vergrault Gäste‟: Eine der letzten Kneipen in Marxloh kämpft gegen unverschämte Dauer-Trödler

Duisburg. Der Stadtteil Marxloh gilt als Problemviertel. Immer wieder gibt es Meldungen über wilde Müllkippen, Problemhäuser und Rattenplagen. Jetzt zeigt sich noch ein ganz anderes Problem.

Die kleine Kneipe „Markt Klause‟ von Michaela Lewandrowski gibt es schon seit über 50 Jahren in Marxloh. Stammgäste kommen zum Plaudern und Feiern und sitzen auch gerne draußen, denn einen kleinen Teil vor der Kneipe hat die Wirtin gepachtet, damit die Gäste im Sommer draußen sitzen können.

Gäste einer Kneipe kommen nicht mehr gerne

Doch seit drei Monaten sitzen hier die Gäste nicht mehr richtig gerne. Genau gegenüber an der Seite eines großen Supermarktes sitzen Trödel-Händler, verbringen dort den ganzen Tag mit ihren Kindern. Andere setzen sich auf die Außenfensterbänke des Gebäudes, weil bis hierhin der WLAN-Hotspot vom angrenzenden Media Markt reicht.

Kinder gehen in Hofeinfahrten, verrichten dort ihr Geschäft, weil die Eltern ihren Trödelstand nicht aufgeben wollen. Stammgast Angelika sagt: „Ich habe hier selbst lange gekellnert. Das Problem hatten wir früher nicht. Die wilden Trödler beschimpfen uns sogar, wenn wir sie darauf hinweisen, dass sie nicht ihren Müll liegen lassen sollen.‟

Michaela Lewandrowski sagt im Gespräch mit DER WESTEN: „Das Trödeln ist eigentlich nur erlaubt, wenn Markt ist. Sobald der Markt einpackt, müssen die wilden Flohmärkte auch verschwinden, doch das machen sie meistens nicht.‟

Die Wirtin erzählt, dass die Trödler teilweise bis halb acht abends dort sitzen. Wenn sie sie anspricht, wird sie oft beschimpft. Dabei will sie einfach nur gleiches Recht für alle, sagt sie.

„Ich zahle 300 Euro, damit meine Gäste auch draußen sitzen dürfen. Auf richtigen Flohmärkten müssten die Menschen ja auch eine Standmiete zahlen. Hier dürfen sie immerhin an Markttagen stehen. Allerdings eigentlich auch nur Kinder.‟ Mittlerweile kämen aber ganze Familien zum Trödeln.

Einzige Kneipe weit und breit

Die kleine Kneipe ist alteingesessen. Ein kleines Stück Geschichte steckt darin. Mittlerweile ist es die einzige Kneipe weit und breit.

Stammgast Rudi sagt: „Die nächste ist mindestens eineinhalb Kilometer entfernt. Wir treffen uns gerne hier, aber in letzter Zeit ist es nicht mehr so schön, weil wir beschimpft werden und die Kinder direkt am Tisch hier um die Ecke ihr Geschäft verrichten.‟

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Kinder nutzen die Spielplätze nicht

Dann erzählt er, dass 20 Kinder und mehr Fußball spielen, während die Eltern Trödelsachen verkaufen.. „Ich muss mein Bier festhalten, damit sie es nicht vom Tisch schießen. Auf die Spielplätze in Marxloh gehen die Kinder nicht, weil ihre Eltern ja hier verkaufen und die Spielplätze total versaut sind.‟

Auch Supermarktbesitzer von gegenüber ärgert sich

Auch der Nachbar Erdal Bektas beschwert sich. Er hat einen großen Supermarkt direkt gegenüber. Er sagt: „Ich habe schon oft mit dem Ordnungsamt gesprochen. Aber ich muss die Beschwerde schriftlich einreichen, das dauert dann immer.‟

Während wir uns in der Straße umschauen, kommt Polizeihauptkommissar Thomas Leiting zu Fuß vorbei. Er ist auf dem Weg zur Polizeiwache. Als er die wilden Trödler nach Marktschluss entdeckt, ruft er mit seinem Handy die Kollegen vom Ordnungsamt an.

Er schildert ihnen das Problem und bittet sie in der Friedrich-Engels Straße vorbeizuschauen. Das Problem ist offenbar bekannt.

Die Mitarbeiter vom Ordnungsamt machen sich auf den Weg. Als sie ankommen, lassen sie sich die Ausweise der Trödler zeigen und sagen ihnen, dass sie einpacken müssen.

Michaela Lewandrowski schaut von ihrer Kneipentür zu. Sie weiß, das Problem ist noch nicht gelöst. Aber wenn das Ordnungsamt nun öfter vorbei schaut, werden die wilden Trödelhändler sich vielleicht einen anderen Ort suchen.

 
 

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