Wie Stadtverwaltung und Politik auf die Razzia in Duisburg reagierten

Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) kommentierte am Dienstag die Durchsuchung durch Polizei und Staatsanwaltschaft vor dem Rathaus in Duisburg. Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) kommentierte am Dienstag die Durchsuchung durch Polizei und Staatsanwaltschaft vor dem Rathaus in Duisburg. Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Duisburg.. „Besuch ist da“, platzte Rechtsdezernent Wolfgang Rabe am Dienstag in die Sitzung des Verwaltungsvorstandes im Rathaus. Dort hätte man sich weniger Tamtam von der Justiz gewünscht. So aber sorgte die Razzia der Loveparade-Ermittler für Aufregung.

„Besuch ist da“, platzte der ebenfalls beschuldigte Rechtsdezernent Wolfgang Rabe am Dienstag mitten in die Sitzung des Verwaltungsvorstandes im Duisburger Rathaus. Vor den Türen der Verwaltungszentrale und weiterer städtischer Gebäude standen zeitgleich morgens um 10 Uhr fünf Staatsanwälte in Begleitung von ermittelnden Beamten der Kölner Polizei.

Sie durchsuchten die Büroräume der elf städtischen Beschuldigten, gegen die in der vergangenen Woche nach der Loveparade-Katastrophe das Verfahren wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung und Körperverletzung eröffnet wurde.

Zeitgleich zugeschlagen

„Wir haben bei den Ermittlungen festgestellt“, erklärt der Duisburger Pressestaatsanwalt Rolf Haferkamp, „dass die elektronischen Daten, die uns ausgehändigt wurden, nicht vollständig sind.“ Dabei handelt es sich teilweise um den E-Mail-Verkehr zwischen den Ämtern, aber auch u.a. mit dem Loveparade-Veranstalter Lopavent. Eine böse Absicht wollte Haferkamp den städtischen Behörden dabei nicht unterstellen. Man gehe zugunsten aller Beteiligten davon aus, dass bei der übergebenen Datenflut vor zwei Monaten die Übersicht gefehlt habe. Dennoch: Die Staatsanwaltschaft deckte „groß“ auf, schlug zeitgleich zu, „damit erst gar nichts durchsickert“.

Im Rathaus war man unterdessen schon ziemlich überrascht über den morgendlichen „Besuch“ der Justiz. „Natürlich waren die Kollegen aufgeregt“, so ein Rathausmitarbeiter. Das Wort Razzia machte die Runde. „Das hört sich spektakulärer an als es war“, sagte hinterher der Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne), der sich gemeinhin statt seines Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) äußert, wenn es Offizielles zur Loveparade zu sagen gibt. Er unterstreicht, dass die Stadt kooperativ mit den Justizbehörden zusammenarbeiten will, so wie sie es schon vor Monaten zugesichert und versprochen hatte. Auch wenn es keiner sagt: Im Rathaus hätte man sich weniger Tamtam gewünscht, ein Anruf der Justiz vielleicht, dass da noch Unterlagen fehlen.

SPD: „stadtschädigendes Management“

In den Fokus der Ermittlungen rückt der ausgegliederte städtische IT-Dienstleister „DU-IT“, über dessen Server die elektronischen Daten und der E-Mail-Verkehr der Stadt abgewickelt werden. Von dort seien nicht alle Daten der Staatsanwaltschaft übergeben worden, so der Vorwurf. Übergeben wurden bislang nur Daten-Kopien, nicht aber die kompletten Server, weil über die auch Daten anderer Kunden gespeichert seien, so die städtischen IT-Chefs. Nach dem Besuch der Staatsanwälte habe man nun eine technische Lösung gefunden.

Der politische Nachhall der Razzia blieb nicht aus: Die SPD spricht von „stadtschädigendem Management“. Und die Linken werfen OB Sauerland vor, die Verantwortung wieder auf andere, diesmal auf die Stadttochter DU-IT geschoben zu haben.

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