Wie sich Angehörige die Loveparade-Gedenkstätte am Ort der Katastrophe wünschen

Duisburg.. Der Vater eines bei der Loveparade Verstorbenen hat einen Entwurf vorgestellt, der zeigt, wie sich die Angehörigen die Gedenkstätte wünschen. „Bislang sollte sie wie in einem Loch versteckt werden“, kritisierte der beteiligte Architekt Pläne des Möbel-Investors Krieger.

Die Diskussion um eine Gedenkstätte für die 21 Todesopfer der Duisburger Loveparade-Katastrophe am Fuße der Unglücksrampe geht weiter. Am Donnerstag stellte Klaus-Peter Mogendorf, der Vater eines Verstorbenen und selbst Bauingenieur, gemeinsam mit dem Architekten Klaus-Peter Spannhoff einen Entwurf vor, wie ein würdiger Raum zum Trauern aus Sicht der Angehörigen aussehen sollte. Dieser unterscheidet sich in zentralen Punkten von den bisherigen Plänen des Möbel-Investors und Grundstücksbesitzers Kurt Krieger. Die Größe des Gedenkortes auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes ist dabei ein entscheidender Faktor.

„Im letzten Entwurf, den wir von Herrn Krieger vorgelegt bekamen, umfasste die Fläche für einen Trauerraum nur rund 70 Quadratmeter. Das ist nicht genug“, sagte Mogendorf. Spätestens beim nächsten Jahrestag im Juli 2012 werde dort erneut in einem größeren Kreis der Toten, Verletzten und Traumatisierten gedacht. „Das ist in dem bislang geplanten Raum nicht möglich“, verdeutlicht Mogendorf.

Am Samstag treffen sich Greulich, Krieger Bau und Angehörige erneut

Dieser sei an seiner schmalsten Stelle gerade einmal drei Meter breit. Und sein einziger Zugang (vom Karl-Lehr-Tunnel aus) sei nur einen Meter breit. Jeder Besucher würde deshalb schon beim kleinsten Menschenauflauf dort sofort Beklemmungen bekommen. „Gerade jene Verletzte, die damals bei der Katastrophe in den Massen eingeklemmt waren, ist eine Rückkehr unter diesen Voraussetzungen unmöglich. Die Enge dort könnten sie psychisch nicht ertragen“, so Mogendorf.

Deshalb sieht der Entwurf seines Freundes und Arbeitgebers Klaus-Peter Spannhoff eine großzügigere Lösung vor. Darin umfasst die Gedenkstätte ein 250 Quadratmeter großes Areal. Hier würde nicht nur die Unglückstreppe als markantes Bauwerk erhalten bleiben, sondern auch das Stellwerk-Häuschen am Kopf besagter Treppe. „Dies könnte als Kapelle genutzt werden, oder als Ort für eine Bildergalerie“, so Spannhoff.

Seine Pläne will er nicht als Universallösung verstanden wissen, sondern als Diskussionsgrundlage. Bislang sei dieser Prozess, so schildert es Mogendorf, eher einseitig verlaufen. „Wir als Hinterbliebene haben in den von der Notfallseelsorge moderierten Treffen bislang immer Entwürfe von Krieger und der Stadtplanung vorgelegt bekommen, auf die wir reagieren sollten. Unsere Bedenken haben wir von Anfang an mitgeteilt, darauf eingegangen wurde in den Überarbeitungen der Pläne leider nicht“, klagt Mogendorf. Und um beim nächsten Treffen der Gruppen mit Krieger-Vertretern und Stadtdirektor Dr. Peter Greulich am Samstag, 8. Oktober, hier in Duisburg nun selbst etwas vorlegen zu können, wurde besagter Gegenentwurf ausgearbeitet – mit ausdrücklicher Unterstützung anderer Hinterbliebener.

Gedenkstätte für alle Menschen in Duisburg

Um eine Konsenslösung zu erzielen und die Gedenkstätten-Fläche nach den Wünschen der Angehörigen zu vergrößern, sei laut Spannhoff an den bisherigen Planungen nur kleine Veränderungen nötig – etwa die minimale Verlagerung einer Straße sowie eines Fuß- und Radweges. Wichtig ist dem Architekten auch, dass die Gedenkstätte als solche für alle Besucher sofort zu erkennen ist. „Bislang soll sie wie in einem Loch versteckt werden“, schimpft Spannhoff. Ein würdiger Raum der Ruhe und Trauer müsse größer, offener und authentisch sein.

Ihren Vorstoß wollen beide auch als Anstoß zur öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema verstanden wissen. „Denn diese Gedenkstätte soll ja nicht allein für uns Angehörige sein, sondern auch für die Menschen in Duisburg“, sagt Mogendorf. Letztlich ist es der Rat der Stadt Duisburg, der den Bebauungsplan beschließen und damit offiziell absegnen muss. Deshalb sind die Angehörigen auch bereits in Kontakt mit einigen Fraktionen getreten, um ihre Bedenken vorzutragen. „Eine öffentliche Debatte in der Stadt ist dringend nötig.“

Für alle, die sich ein eigenes Bild machen wollen, bietet Lothar Evers die Pläne und Details auf seiner Recherche-Plattform docunews.org als Download an.

 
 

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