Wie man sich täuschen kann

Als Könnerin der kleinen Form zeigt sich Gudrun Heyens in ihrem Erzählband „Hinter dem Schein“.
Als Könnerin der kleinen Form zeigt sich Gudrun Heyens in ihrem Erzählband „Hinter dem Schein“.
Foto: Fabian Strauch
Zwischen ihrem ersten Roman „Vincent“ und dem zweiten, der ein großer werden soll, veröffentlicht Gudrun Heyens einen Band mit Erzählungen, die es in sich haben. „Hinter dem Schein“ heißt das Buch der Musik-Professorin, der Blick hinter das Bild, das Menschen nach Außen zeigen, offenbart Abgründe.

Duisburg.. Zwischen ihrem ersten Roman „Vincent“ und dem zweiten, der ein großer werden soll, veröffentlicht Gudrun Heyens einen Band mit Erzählungen, die es in sich haben. (10 Euro, pdk-Verlag, ISBN 978-3-942042-15-4). „Hinter dem Schein“ heißt das Buch der 64-jährigen Musik-Professorin aus Duissern, und der Blick hinter das Bild, das Menschen nach Außen zeigen, offenbart Abgründe. Einen wirklich sympathischen Protagonisten gibt es in den fünf Erzählungen und einer Fabel nicht, die mit ihren Hauptfiguren Rabe und Eule etwas aus dem Rahmen fällt. Sonst kommen zwar „nette“ Menschen vor, die aber zahlen für ihre Arglosigkeit einen hohen Preis. Wie man sich täuschen kann...

„Die kleine Form fällt mir zu“, sagt Gudrun Heyens. Stimmt, denn diese Geschichten leben auch davon, dass die Bedrohung fast unmerklich aufzieht und dass vieles in der Schwebe bleibt. Da könnte es am Ende sein, dass die skrupellose, vor keiner Untat zurück schreckende Stalkerin das Subjekt ihrer Begierde doch noch bekommt. Und auch dem promovierten Juristen, der auf subtile Weise eine Supermarktkassiererin zuerst als Diebin da stehen lässt, um sie dann vor Gericht „herauszupauken“, möchte man lieber nicht begegnen.

Ein unsagbar peinlicher Moment

Am stärksten aber ist die Geschichte „La Follia“, (Tollheit, Wahnsinn), die den Auftritt eines Kammermusik-Ensembles für Barockmusik aus der Sicht der Cembalistin beschreibt: Sie findet sich zu dick, zu wenig schick, zu unbeachtet. Sie sitzt plump im Hintergrund und neidet der hübschen Solistin an der Blockflöte alles: Ihr Aussehen, ihre Rolle, ihre Beliebtheit beim Publikum und der Kritik – mag sie den Vivaldi auch noch so falsch deuten, es wirkt mitreißend. Am Ende dieses verbissenen Konzertabends voller Selbsthass, der sich in einer wütenden Attacke der Cembalisten gegen die Flötistin entlädt, erntet die dicke Lieselotte Lacher, Buhs und Häme beim Publikum. Ein unsagbar peinlicher Moment.

Gudrun Heyens liest aus „Hinter dem Schein“ beim „Platzhirsch“ in der Galerie „Jetzt am Dellplatz“ am 23. August um 16 Uhr. Eine weitere Lesung folgt in der Buchhandlung Scheuermann am 24. Oktober.

 

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