Wie Feuerwerker Peter Giesecke die Fliegerbombe in Duisburg sprengte

Geschafft: Sprengmeister Peter Giesecke aus Oberhausen nach der Sprengung der zehn Zentner schweren Weltkriegsbombe in Duisburg-Kaßlerfeld am späten Dienstagabend. Am Donnerstag muss er die nächste Bombe unschädlich machen.
Geschafft: Sprengmeister Peter Giesecke aus Oberhausen nach der Sprengung der zehn Zentner schweren Weltkriegsbombe in Duisburg-Kaßlerfeld am späten Dienstagabend. Am Donnerstag muss er die nächste Bombe unschädlich machen.
Foto: WAZFotoPool
Der Mann, der die Bombe platzen ließ, ging am Morgen nach dem mehrstündigen Großeinsatz in Ruhe mit seiner Frau frühstücken. Danach – und vor Dienstbeginn – berichtete Peter Giesecke, der auch auch an der Sprengung der Viersener Bombe beteiligt war, wie er den Großeinsatz in Duisburg erlebte.

Duisburg/Oberhausen.. „Kommen Sie mir bloß nicht mit Routine“, ermahnt Sprengmeister Peter Giesecke den Anrufer. Der stört ihn am Morgen nach einem seiner aufregendsten Einsätze als Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes zuhause in Oberhausen-Alstaden. „Wenn eine Bombe mit Langzeitzünder an der A 40, in Innenstadtnähe schnell gesprengt werden muss, geht auch mein Puls hoch.“ Sagt einer, der schon so viele Fliegerbomben entschärft hat, dass er längst aufgehört hat, sie zu zählen.

Jetzt, um 10 Uhr am Tag nach der fünfstündigen A-40-Sperrung und einer Evakuierung mit 10.000 Betroffenen, kommt Giesecke gerade aus einer Bäckerei um die Ecke. Dort hat der 59-jährige Familienvater sich ein Frühstück mit seiner Frau Heidrun gegönnt. Schließlich sei es gestern Abend etwas später geworden. Und seine Frau hat am Dienstag lange genug warten müssen, bis sie sein Motorrad vor dem Haus knattern hörte. Sie habe „immer panische Angst“, wenn Giesecke die gefährlichen Altlasten des zweiten Weltkrieges unschädlich machen muss. „Schatz, wir haben hier einen Langzeitzünder“, sagte ihr Liebster am Dienstagnachmittag am Telefon – und sie wusste, dass er nicht pünktlich sein würde und dass ihr eine stundenlange Zitterpartie bevorsteht. Im Live-Ticker der WAZ-Gruppe hat sie mitgelesen, wie es ihrem Liebsten in Duisburg ergeht.

Fliegerbombe aus 180 Meter Entfernung gesprengt

Am Abend des 17. September 2012 musste Heidrun Giesecke auch länger warten: Damals unterstützte ihr Mann seinen Kollegen Peter van Eck in der Viersener Innenstadt, wo ebenfalls ein Blindgänger gesprengt werden muss. In Duisburg war Giesecke der erste Truppführer vor Ort: „Und der erste hat dann im weiteren Verlauf den Hut auf“, erklärt der Oberhausener. Dass er uns sein Kollege am Dienstagabend gleich zu Beginn der Sitzung des Krisenstabes 700 Tonnen Sand anforderten, war auch den Erfahrungen in Viersen geschuldet: Dort wurden durch die Druckwelle mehrere Gebäude beschädigt, zwei Anbauten mussten abgerissen werden. Und auch in Duisburg-Kaßlerfeld löste die Detonation „eine ganz schön heftige Druckwelle aus“, so der Feuerwerker. „Das hat mächtig vibriert.“

Er und van Eck gingen etwa 180 Meter vom britischen Blindgänger entfernt in Deckung. Um 22.18 Uhr jagten sie die 500-Kilo-Bombe mit 400 Gramm Sprengstoff in die Luft. Bums. Anders als in Viersen verursachte die Detonation in Duisburg jedoch keine Sachschäden. Weshalb selbst einer wie Giesecke sich zu Eigenlob hinreißen lässt: „Wir haben einen guten Job gemacht. Anfangs war ich auch baff, als ich hörte, dass da 40 Lkw fahren müssen, um die 700 Tonnen Sand zu bringen. Aber wir haben genau die richtigen Entscheidungen getroffen.“

Bagger hatte Blindgänger bereits bewegt

Die erste davon so gegen 14 Uhr: „Ich hab die Bombe gesehen und wusste, dass wir die nicht mehr entschärfen können.“ Die zehn Zentner schwere Waffe lag sechs Meter tief und war anscheinend schon von einem Bagger bewegt worden: Den Säurezünder aus Messing hätten die Feuerwerker nicht mehr herausdrehen können. Dass die Sprengung wegen etlicher Verzögerungen bei der Evakuierung mehrfach verschoben werden musste, konnte Giesecke und van Eck am Abend nicht mehr aus der Ruhe bringen: „Der Sand war rechtzeitig da, auch die Lkw-Fahrer haben toll gearbeitet. Wir waren also bereit, die Bombe war gut verpackt.“

Sagt Giesecke und wimmelt den Anrufer ab: „Ich muss jetzt los.“ Er muss seinen Dienst bei der Bezirksregierung in Düsseldorf antreten: „Um 11 Uhr geht der Wahnsinn wieder los.“ Und morgen, am Donnerstag, muss Giesecke auch schon den nächsten Blindgänger aus dem Weg räumen: direkt bei ihm vor der Haustür, in Oberhausen-Dümpten. Vielleicht darf ihn Heidrun Giesecke ja dann pünktlich zuhause in die Arme schließen.

 
 

EURE FAVORITEN