Wie der MSV den Schwarzmarkt bekämpft

Am 1. Februar startete der MSV den Vorverkauf für das DFB-Pokal-Halbfinale der Zebras gegen Energie Cottbus am 1. März in der MSV-Arena in Duisburg. Dauerkarten-Inhaber und Mitglieder konnten sich unbegrenzt mit karten eindecken. Foto: Udo Milbret / WAZ Fotopool
Am 1. Februar startete der MSV den Vorverkauf für das DFB-Pokal-Halbfinale der Zebras gegen Energie Cottbus am 1. März in der MSV-Arena in Duisburg. Dauerkarten-Inhaber und Mitglieder konnten sich unbegrenzt mit karten eindecken. Foto: Udo Milbret / WAZ Fotopool

Duisburg. Nach 16 Minuten waren am Montag die letzten 1000 Eintrittskarten für das Pokal-Halbfinale des MSV Duisburg gegen Cottbus vergriffen. Bei Ebay werden Tickets zu Wucherpreisen versteigert. Der MSV verteidigt den nicht limierten Vorverkauf dennoch.

Mit Eintrittskarten für Spiele des MSV Duisburg konnten Schwarzmarkt-Händler in der jüngeren Vergangenheit selten ein Geschäft machen. Zuletzt war die 31.500 Zuschauer fassende MSV-Arena beim Gastspiel des FC Bayern München im Mai 2007 ausverkauft. Darum ist das DFB-Pokalhalbfinale gegen Energie Cottbus am 1. März für den Fußball-Zweitligisten nicht nur sportlich außergewöhnlich: Weil den Zebras die Erfahrungen im Kampf gegen den organisierten Weiterverkauf von Eintrittskarten fehlt, „informieren wir uns bei Bundesligisten, die sich damit auskennen - bei den Clubs im Revier zum Beispiel“, erklärt MSV-Sprecher Martin Haltermann.

Verein will Regressansprüche stellen

Am Montagmorgen gingen in den ersten 16 Minuten nach Beginn des freien Verkaufs die letzten 1000 Tickets für das Pokalspiel über die Theke des MSV Duisburg. Bis dahin hatten Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglieder ein Vorkaufsrecht und konnten sich beliebig viele Sitzplatzkarten sichern. Auf die Beschränkung ihres Vorkaufsrechtes verzichtete der Verein - zum Ärger vieler Fans.

Die fühlen sich beim Blick ins Netz nun bestätigt: Bei Online-Auktionshäusern wie Ebay und Bundesligakarten.de erzielen Tickets für die Begegnung Preise, wie sie Fußballfans sonst eher für Tribünenplätze bei ausverkauften Derbys in Liga eins zu zahlen bereit sind: Zwei Stehplätze etwa waren einem Ebay-Käufer 150 Euro wert, ein anderer bot das Doppelte für zwei Sitzplätze. Am Montagnachmittag, mehr als zwei Wochen vor dem Halbfinale, liefen bei Ebay 13 Auktionen mit 22 Eintrittskarten für das Spiel.

DFB-Pokal-Vorverkauf beim MSVSicher: Tickets für das zweite Halbfinale, die Parte zwischen Bayern München und Schalke 04, versteigerten Privatverkäufer zum selben Zeitpunkt bei 492 Ebay-Auktionen zu deutlich höheren Preisen. Dennoch will der MSV gegen den (verbotenen) überteuerten Weiterverkauf vorgehen, wie Sprecher Martin Haltermann erklärt: „Wenn wir herausfinden, wer die Karten verkauft hat, werden wir über unseren Anwalt Regressansprüche stellen.“

Ebay darf die Namen seiner Verkäufer zwar nicht preisgeben, auf einigen Fotos der angebotenen Tickets sei jedoch erkennbar, um welche Plätze genau es sich handelt, so Haltermann: „Dann können wir feststellen, wer die Karten weiterverkauft hat.“ Notfalls ersteigere der MSV die Karten eben selbst, um den Verkäufer identifizieren zu können. Haltermann: „Die Karten entwerten wir dann und geben sie wieder in den freien Verkauf.“

Analyse des Verkaufsmodus'

Der MSV-Sprecher beklagt aber auch eine „rechtlich verworrene Situation“ um den Weiterverkauf von Eintrittskarten. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes können die Vereine zwar den Weiterverkauf von Eintrittskarten untersagen, den „Schwarzhandel“ mit Tickets, die Käufer von Privatpersonen erworben haben, jedoch nicht verbieten. Rechtlich vorgehen können die Veranstalter dagegen, dass sich Schwarzhändler bei ihnen massenweise Tickets sichern, um diese zu gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Wie dem auch sei: Martin Haltermann verteidigt den nicht limitierten Vorverkauf. „Bei allem Verständnis für alle Enttäuschten sind wir nach wie vor der Überzeugung, es richtig gemacht zu haben.“ Nach dem Spiel wolle der MSV den Verkaufsmodus jedoch nochmals analysieren. Vielleicht dürfen die Meidericher ja demnächst Karten für das Berliner Olympiastadion an ihre Anhänger verteilen.