Wie der König-Heinrich-Platz zu einem Lieblingsort der Duisburger wurde

Willi Mohrs
Die alte Mercatorhalle im Jahr 2002. Sie wurde 2005 abgerissen.
Die alte Mercatorhalle im Jahr 2002. Sie wurde 2005 abgerissen.
Foto: WAZ
Der König-Heinrich-Platz wurde seit seiner Neugestaltung mit den schwebenden Rasenflächen zu einem der Lieblingsorte der Duisburger.

Duisburg. Als das erste frische Grün endlich spross auf den scheinbar schwebenden Rasenflächen, hatten sich die Gemüter halbwegs abgekühlt, war Freude eingekehrt über einen Platz, über dessen Gestaltung und vor allem Umbauung zuvor auf heftigste gestritten worden war.

Davon ist nichts mehr zu spüren, wenn über der Innenstadt die Sonne strahlt, wenn die leicht erhöhten Rasenflächen zum Sonnendeck werden, sich rundum die Sitzflächen füllen mit Eis schleckenden Menschen, wenn Kinder vor Freude jauchzen in den Fontänen des Springbrunnens, der den zentralen innerstädtischen König-Heinrich-Platz geradezu spielerisch mit der Haupteinkaufsmeile Königstraße verknüpft.

Entstehung des „City-Palais“ war strittig

Ersonnen haben Bochumer Planer die schwebenden Rasenfläche mit ihrer eleganten Metalleinfassung samt tief liegender Beleuchtung, die den Platz zwischen Stadttheater und Einkaufszentrum „Forum“, zwischen Gerichtsgebäude, Liebfrauenkirche und „City-Palais“ so attraktiv machen, dass es an schönen Tag schon eng werden kann auf dem Grün. 2002 hatte es einen Wettbewerb gegeben für die Gestaltung der 2,3 Hektar Stadtmitte, 2007 war die Fläche gestaltet – und das Drumherum ebenso.

Denn strittig war vor allem die Entstehung des „City-Palais“ samt Spielbank und neuer Mercatorhalle. Das hatte nichts zu tun mit den zahllosen und gewichtigen Baumängeln, die die Nutzung von wesentlichen Neubauteilen seit Jahren blockieren, sondern mit dem Abriss der alten Mercatorhalle, die nicht nur wegen ihrer hervorragenden Akustik vielen Duisburger ans Herz gewachsen war. Sie musste Platz machen, wurde trotz Denkmalschutzes abgerissen und durch einen Gebäudekomplex ersetzt, der Architekturfans nicht gerade in Begeisterung versetzt.

Fläche war mal ein Friedhof

Die klare Formensprache der alten Mercatorhalle hatte unstrittig mehr Freunde, aber die Grünflächen auf der Seite zum Gericht hin waren eher unspektakulär – abgesehen von den typischen Stühlen, die jetzt wieder für den künftigen Bahnhofsvorplatz empfohlen wurden. Ansonsten: Rasen, Büsche, wenige Bäume, wenig Charme.

Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass in den 60er Jahren Duisburgs Vorzeigeplatz in der Mitte noch zwei Reihen Parkplätze aufwies und von der heutigen Erholungs-Oase im städtischen Trubel noch weit entfernt war. Dass in noch früheren Jahren die Fläche ein Friedhof war, sei ebenfalls nicht verschwiegen.

Bleibt zu klären, wer denn dieser König Heinrich war, der es mitten im demokratischen Duisburg zur Ehre einer Platzbenennung brachte. Heinrich I. regierte von 919 bis 936, besuchte mehrfach die heutigen Revierstädte und veranstaltete im Jahr 929 in Duisburg eine Reichssynode. Auch für die nächsten Jahrzehnte sind zahlreiche Aufenthalte von Königen und Kaisern in Duisburg belegt – ein Beleg für die Bedeutung der Stadt in Zeiten, als es noch keine Hauptstadt gab.