Wie aus Yildiray K. der Satudarah-Boss Ali Osman wurde

„Ali Osman“, hier bei der Fusion des Rheinhauser Clubs mit dem „MC Satudarah“ aus Holland.
„Ali Osman“, hier bei der Fusion des Rheinhauser Clubs mit dem „MC Satudarah“ aus Holland.
Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
Bei der Razzia gegen die Satudarah-Rocker verhaftete die Polizei auch den Kopf der deutsch-niederländischen Rockerbande. Wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz sitzt der 40 Jahre alte Yildiray K. nun in Untersuchungshaft. Doch wer ist der Mann, der sich „Ali Osman“ nennt, eigentlich?

Duisburg.. Am Montagabend stand Ali Osman, Präsident des Rockerclubs „Satudarah“, noch an der Pommesbude unweit des Clubheims an der Friedrich-Ebert-Straße in Rheinhausen. Man wolle den Ball erst einmal flach halten nach dem ganzen Wirbel um den Rockerkrieg, war Tenor eines Gesprächs. Stunden später stand ein Sondereinsatzkommando bei Ali Osman vor der Haustür.

Gegen den Chef des ersten deutschen Ablegers der Holland-Rocker liegt ein Haftbefehl vor, Staatsanwalt und Polizei ermitteln in einem größer angelegten Verfahren wegen Drogen- und Waffenhandels.

Der Satudarah-Chef soll bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet haben. In seinem Haus in Bergheim fanden die Einsatzkräfte ein geladenes Sturmgewehr vom Typ AK-47 sowie eine Pistole vom Walther Typ P99. Das Modell ist seit 2005 auch die offizielle Dienstwaffe der NRW-Polizei. Ali Osman sitzt nun wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz in Untersuchungshaft.

Wer ist eigentlich Ali Osman, der Kopf des deutsch-niederländischen Rockerclubs?

„Ali Osman“ heißt in Wirklichkeit Yildiray K.. Der 40-Jährige lebt schon lange in Rheinhausen. Sein Haus mit gepflegtem Vorgarten und gepflasterter Garagenauffahrt liegt in einem bürgerlichen Viertel in Bergheim, gegenüber liegt ein Awo-Seniorentreff. Als „unauffällig“ beschreiben Nachbarn den Kopf der deutschen Satudarahs.

2005 betrieb Yildiray K. eine Firma zum Be- und Entladen von Lkw’s und Containern, die vor allem auf dem Logport-Areal tätig war. 2011 schied er als Geschäftsführer aus. Kurz davor gründete er als „Ali Osman“ den Motorradclub „Brotherhood Clowntown“, der angeblich ein Jahr lang zunächst nur aus ihm und dem späteren Vize-Präsidenten bestand, der sich „Vice Balyoz“ (türkisch für: Vorschlaghammer) nennt.

Das Rockerclub-Duo will dann Anwärter rekrutiert haben, die ebenfalls vorher keinem anderen Motorradclub angehörten, wie „Ali Osman“ in einem Interview erzählt hatte: „Wir sind ein Multikult-Club aus verschiedenen Nationen. Unsere Member sind Türken, Kurden, Albaner, Serben und Sinti.“

Das erste Mal will die Rheinhauser Newcomer-Bande die Satudarah in Amsterdam getroffen haben. Die Holland-Rocker sollen den Rheinhausern dann angeboten haben, sie ihn ihre Reihen aufzunehmen, so Osman im Interview: „Wir fühlen uns da verstanden, da es sich bei den Satudarahs wie bei uns um einen multikulturellen Club handelt.“ Im Juni 2012 kam es zur Fusion, die medienwirksam vor dem Clubhaus an der Friedrich-Ebert-Straße gefeiert wurde.

Verbindungen zu Prostitution und Drogenhandel

Wo sich früher Anwohner über verirrte Schwerlaster beschwerten, bestimmten seitdem immer wieder Polizeikontrollen mit Großaufgeboten und Razzien die Szenerie. Experten innerhalb der Behörden sehen bei den Satudarahs Verbindungen zu Prostitution und Drogenhandel. Der Rockerclub versucht sich dennoch in Szene zu setzen.

Erst vor dreieinhalb Wochen saß „Ali Osman“ bei RTL vor den Kameras, „SternTV“ versprach, das „zwei Insider erzählen, wie die Bandenkriminalität eskaliert“. Doch Osman erklärte lammfromm, es gehe nur ums Motorradfahren. Seine früheren Straftaten und Knasterfahrungen seien „Jugendsünden“ gewesen.

Jetzt sitzt er wieder hinter Gittern. Wegen des Sturmgewehrs erwartet ihn zudem auch ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

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