Zuhörer fühlten sich wie im Film

Normalerweise haben Lukas und Anna Morck an einem Freitagabend andere Dinge zu tun, als in einer schwülen Kirche zu sitzen. Bei immer noch 26,5 Grad wollten sie schauen, was ihr Vater so fabriziert, wenn er immer wieder freitags in Christus-König zum Musizieren einlädt – dieses Mal mit einem besonders großen Interesse, denn das Motto der 111. Freitagsmusik waren populäre Filmmelodien aus den letzten Jahrzehnten. „Wir haben unserm Papa ja auch manchen Titel selbst vorgeschlagen“, verraten die 19-jährige Anna und der 16-jährige Lukas. Das Thema zu „Fluch der Karibik“ habe Kirchenmusiker Ludger Morck auf ihr Betreiben mit ins Programm genommen.

200 Zuhörer

Diesen Erfolgstitel interpretierten die beiden Tastenkünstler Marius Furche und Ludger Morck mit einer urgewaltigen Vehemenz: Morck hämmerte an der großen Orgel das Thema des Piratenfilms mit Johnny Depp in die Ohren der etwa 200 gebannten Zuschauer und Marius Furche setzte die verstreuten Akkorde dazu am Piano, bis seine Haare wild auf der Leinwand wehten. „Es kann sein, dass die Orgel sich bei den Temperaturen ein bisschen verstimmt“, warnte Ludger Morck vorher. Doch davon hörten die Zuschauer keine Spur, als die beiden Profimusiker los legten: Szenisch führten sie über die Melodien Filmsequenzen vor das geistige Auge der Musikliebhaber – da gab es noch einmal Ansichtskarten von über die Welt verstreuten Gartenzwergen an die Zuhörer beim Grundthema aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“ mit Audrey Tautou oder manche erinnerten sich bestimmt an eine vom Boden bis in die Wolken steigende Feder beim „Feather Theme“ aus „Forrest Gump“ mit Tom Hanks.

Titelmelodie zu „Star Wars“

„Das Boot“ mit Jürgen Prochnow fuhr quasi sein Periskop forschend über Marius Furches Klavierspiel aus, während gleichzeitig Morcks Orgel wie ein Echolot die Basstöne wummerte – so, als ob Tonnen von Wasser gegen den U-Boot-Rumpf wie in der Wolfgang Petersen-Verfilmung donnerten. Und über das Thema zu „The Trueman Show“ verloren die Zuhörer in der Christus-König-Kirche nun wirklich den Hang zur Realität – und fühlten sich wie im Film.

„Manche Filme kannte ich gar nicht, zum Beispiel “Das Boot“, da war ich ja noch nicht geboren“, sagt Anna Morck. Der Streifzug fand seinen Abschluss in der Titelmelodie zu „Star Wars“ und in der melancholischen Ballade „My heart will go on“ von Celine Dion aus dem Titanic-Film mit Leonardo di Caprio. „Hoffentlich stellt sich Marius dabei nicht an die Brüstung der Orgel-Bühne“, scherzte Ludger Morck. Das tat er nicht – stattdessen gab es noch zwei Zugaben mit „Knocking on heaven’s door“ und „Näher mein Gott zu dir“. Zuschauer Heinz Slomka: „Ich komme regelmäßig zur Freitagsmusik – und was wir hier für eine Spende geboten bekommen, ist immer neu überraschend und auf einem hohen Niveau.“

 
 

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