Zahlen tausende Rumelner unnötig für „Kanal-TÜV“?

Das Wasserwerk an der Bonertstraße wurde an einen Saftfabrikanten.
Das Wasserwerk an der Bonertstraße wurde an einen Saftfabrikanten.
Foto: F. Seidelt
Laut CDU-Mann Ferdi Seidelt ist der sogenannte „Kanal-TÜV“ hier nicht erforderlich. Und ärgert sich darüber, dass die Stadt Hausbesitzer nicht informieren würde. Verwaltung verweist an die Bezirksregierung.

Duisburg-Rumeln/Baerl..  Private Abwasserleitungen sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Über die Jahre gammeln sie, besonders an den Verbindungsstellen tropft dann Abwasser hinaus und besudelt das Grundwasser. So ein Szenario, das die Landespolitik vor Jahren dazu brachte, einen „Kanal-TÜV“ zu fordern, Hausbesitzer sollten ihre Kanäle auf Dichtigkeit prüfen lassen und dafür vierstellige Beträge bezahlen. Dies ist inzwischen nur noch in Wasserschutzzonen wie Baerl (siehe Info-Box), Rumeln, Moers-Schwafheim oder Vennikel erforderlich. Oder auch doch nicht.

Kein Trinkwasser seit 2011

Ferdi Seidelt, CDU-Bezirkspolitiker aus Rumeln, mahnt an, dass bis zu 2500 Haushalte in Rumeln, Vennikel und Schwafheim womöglich unnötige Prüfungen und Sanierungen vornehmen lassen. „Wo kein Trinkwasserwerk, da auch kein Wasserschutzgebiet“, sagt er. Im Rumelner Wasserwerk an der Bonertstraße würde bereits seit dem Jahr 2011 kein Trinkwasser mehr gefördert. Das Werk würde ausschließlich von einer Saftfirma aus Vennikel genutzt, „sie beziehen von dort ihr Brauchwasser.“ Laut Informationen der Redaktion sei das Werk an die Firma verkauft worden, inklusive der Rechte für den Leitungsdurchfluss wurden Verträge mit 20-jähriger Laufzeit geschlossen.

Laut dem CDU-Mann müsse kein einziger privater Rumelner Häuslebesitzer zum Kanal-TÜV“, was die Stadt den betroffenen Bürgern aber nicht mitteile. „So mancher handele jetzt im vorauseilendem Gehorsam, machte das jeder, würde eine achtstellige Summe zusammenkommen. Ich kenne den Fall einer älteren Dame, die für die Dichtheitsprüfung sogar einen Kredit aufgenommen hat“, sagt Seidelt.

Die Stadt Duisburg verwies auf Nachfrage der Redaktion an die Bezirksregierung Düsseldorf. In der Stellungnahme der städtischen Wirtschaftsbetriebe (WBD) heißt es: „Die Bezirksregierung setzt Trinkwasserschutzzonen befristet fest, in dem Fall von Rumeln auf 40 Jahre. Mitte 2017 läuft diese Frist aus. Wir wissen aber noch nicht, ob damit die Trinkwasserschutzzone wirklich entfällt. Es könnte zum Beispiel passieren, dass die Schutzzone verlängert oder räumlich angepasst wird. Da wir noch nichts Konkretes wissen und wir die Vorgaben der Bezirksregierung einhalten müssen, haben wir noch nichts kommuniziert.“ Die Bezirksregierung Düsseldorf schreibt dazu, dass die Frage, ob das Wasserschutzgebiet Rumeln ab 2017 erneut als solches festgesetzt wird, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden kann. „Zur Zeit befindet sich das Verfahren in der Prüfung. Eine Verlängerung der bestehenden Wasserschutzgebietsverordnung ist seitens des Verordnungsgebers rechtlich nicht möglich.“

Für Seidelt ist der Fall klar: „Die Frist läuft am 31. Juli 2017 aus. Es ist nicht davon auszugehen, dass das Wasserwerk bis dahin wieder Trinkwasser für die Bevölkerung fördert. Die Hauseigentümer können sich entspannt zurücklehnen.“

Die Trinkwasserzonen in Baerl
Laut Informationen
der Redaktion läuft die von der Bezirksregierung Düsseldorf festgesetzte Frist für die Baerler Trinkwasserzonen noch bis zum Jahr 2034.
Im Gegensatz zu
Rumeln wird Baerler Grundwasser (Binsheimer Feld) zur Trinkwasseraufbereitung genutzt, so dass bis zu 1300 Haushalte eine Dichtheitsprüfung durchführen müssen.

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