Wie Flüchtlingskinder in der Region unterrichtet werden

So werden Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien am Rechnischen Berufskolleg Moers unterrichtet.. Foto: Ch
So werden Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien am Rechnischen Berufskolleg Moers unterrichtet.. Foto: Ch
Foto: Christoph Karl Banski
Am Technischen Berufskolleg Moers nehmen sechs syrische Jungen und Mädchen als Gastschüler am Unterricht teil. Im Duisburg Westen erhalten sie an vielen Schulen Unterricht in Seiteneinsteigerklassen.

Moers-Duisburg-West..  „Bildung ist der Schlüssel zu allem“, heißt es immer wieder, Doch viel zu wenige Flüchtlinge bekommen die Chance auf Teilhabe am deutschen Bildungssystem. Wer zwar noch jung, aber nicht mehr schulpflichtig ist, fällt durchs Raster. Allein in Moers trifft das rund 150 junge Frauen und Männer. „Dabei gibt es ein Grundrecht auf Bildung, das steht in unserer Verfassung“, sagt Amar Azzoug vom Bunten Tisch Moers. Am Berufskolleg für Technik bekommen jetzt sechs junge Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien eine echte Chance auf dieses Grundrecht. Sie dürfen bis zum Schuljahresende als Gastschüler am Unterricht teilnehmen.

Eigener Stundenplan - besondere Sprachförderung

Profiteure sind dabei nicht nur die Flüchtlinge. „Unsere Schüler lernen viel über die politische Situation in den Krisenländern. Durch den direkten Kontakt werden Vorurteile sehr schnell abgebaut“, erklärt Schulleiter Josef Nießen. Jumaa und Nadim Faro, Aymn Aljaloud, Ahmad Mourad, Mohammad Fadloun und Sipan Al Abdelzader nehmen in vielen Stunden am Regelunterricht teil, immer zu zweit sind sie in einer Klasse. „Wir haben ihnen aber einen eigenen Stundenplan gestaltet, um gesonderte Sprachförderung anbieten zu können und ihnen auch Unterricht nach ihren Interessen anzubieten“, sagt Schulleiter Nießen.

Ein „Leuchtturmprojekt“, nennt das Freddy Fischer. Der Stifter des Solidaritätspreises, den seine Stiftung gemeinsam mit der NRZ vergibt, war von der Idee am Berufskolleg für Technik so angetan, dass er spontan Unterstützung zusagte. „Auch dieses Projekt braucht Geld und wir sind auf Spenden angewiesen. Aber die Idee ist so toll, dass wir Projektkoordinatorin Adell Sliwa unbedingt unterstützen müssen“, sagt Fischer. Ein Vorbild ist das Engagement der Schule auch deshalb, weil es in ganz Nordrhein-Westfalen nur ein einziges weiteres Schulprojekt für Flüchtlinge gibt. Nach Ablauf des Schuljahres soll das Projekt umfassend evaluiert werden. Denn eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. Die sechs neuen „Mitschüler“ fühlen sich am Berufskolleg schon jetzt pudelwohl. Sogar erste Freundschaften sind zwischen ihnen und den anderen Schülern entstanden.

In Duisburg wurden 2014 insgesamt 254 Schüler als Gastschüler in Seiteneinsteigerklassen aufgenommen. „Die Zahl der Gastschüler liegt aber höher, so Susanne Stölting, Sprecherin der Stadt. Denn immerhin gibt es aktuell 33 Klassen für Seiteneinsteiger an den Grundschulen sowie 49 Klassen an den weiterführenden Schulen in der Stadt.

Kleine Klassen mit eigenem Raum

Genaue Angaben, wie viele dieser Schüler Flüchtlingskinder und wie viele Kinder aus EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien stammen, konnte die Sprecherin nicht machen: „Der Status der Kinder, etwa, ob sie aus Flüchtlingsfamilien stammen oder nicht, wurde bisher nicht erfasst. Aber wir arbeiten an einer genauen Aufstellung.“ Nur soviel: „Der überwiegende Teil der Schüler kommt aus Bulgarien, Rumänien oder auch dem Kosovo, ein kleinerer Teil aus Syrien.

Ein Beispiel ist die Seiteneinsteiger-Klasse am Willy-Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen. Hier werden 35 Jugendliche unterrichtet. Schulleiter Helmut Richter. „Die meisten davon kommen aus Bulgarien und Rumänien.“ Auch am Lise-Meitner-Gesamtschule gibt es eine Klasse für Seiteneinsteiger. Neben Kindern aus Südosteuropa hat die Klasse auch acht Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Anders als im Homberger Franz-Haniel-Gymnasium gibt es auch am Rheinhauser Krupp-Gymnasium so eine Klasse. „Es sind 16 Schüler der 5. und 6. Jahrgangsstufe, zumeist aus Bulgarien, Rumänien oder der Türkei. Sie werden unter anderem in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Begabtere nehmen auch in Fächer wie Musik, Sport oder Mathematik am Regelunterricht teil“, so der stellvertretende Schulleiter Martin Teuber.

Gemeinsam vergeben NRZ und Freddy Fischer Stiftung auch in diesem Jahr den Solidaritätspreis. Ausgezeichnet werden Menschen und Organisationen, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern.

Bist zum 31. März können Bewerbungen eingereicht werden an die Freddy Fischer Stiftung, Severinstraße 20, 45127 Essen, E-Mail: info@freddyfischer-stiftung.de oder alle NRZ-Lokalredaktionen.

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