Wer liest, hat schon gewonnen

Martin Krampitz
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Normalerweise herrscht im Lesesaal der Bezirksbibliothek Rheinhausen an der Händelstraße eine beschauliche, fast schon kontemplative Ruhe. Eher fröhlich und temperamentvoll ging es dagegen wieder beim Duisburger Finale des bundesweiten Lesewettbewerbs „Wer liest gewinnt!“ zu. Eine sechsköpfige Jury, zu der Bezirksbürgermeister Winfrid Boeckhorst und der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor Gerd Ruebenstrunk gehörten, ermittelten in der spannenden Endrunde, wer von den drei Schulklassen im Finale In Sachen Kinder- und Jugendliteratur besonders fit ist. Freunde, Eltern und viele Klassenkameraden fieberten zwei Stunden mit.

Keine Klassen aus dem Westen

Anders als in den Vorjahren hatten es in diesem Jahr keine Klassen aus dem Duisburger Westen geschafft, dafür fünfte und sechste Klassen des Steinbart-und Landfermann-Gymnasiums aus Stadtmitte sowie der August-Thyssen-Realschule aus Hamborn. Die Schüler, zwischen zehn und zwölf Jahren jung, bereiteten sich vor, verschlangen „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ von John Boyne, „Leo und das ganze Glück“ von Synne Lee, „Königin des Sprungturms“ von Martina Wildner und „Herr und Frau Hase- die Superdetektive“ von Polly Horvath. Sie merkten sich die Details aus den Storys, Haupt- und Nebenpersonen, prägten sich die Geschichten ein, entwickelten ihre Ideen, Fantasien, Assoziationen zu den literarischen Texten.

Moderator Helmut Wenderoth, künstlerischer Leiter der Krefelder Kinderbühne Kreschtheater, macht beim Finale erst mal gute Stimmung, um den Kindern die Nervosität zu nehmen. Und schon ging es in die erste Fragerunde des Literaturquiz. Wer als erster knifflige Fragen beantwortete, Szenen, Haupt - und Nebenfiguren der genannten Bücher kannte, bekam die meisten Punkte. Die Fans bejubelten die Sieger laut und frenetisch.

So ging es auch in Runde zwei weiter, nur diesmal drehte sich alles um die klassische Kinder- und Jugendbuchliteratur, um Bücher wie „Räuber Hotzenplotz“, „Momo“ oder „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, um Autoren wie Otfried Preussler, Michael Ende oder Joanne Rowlings. Kurzum um Bücher, die auch viele Erwachsene kennen. Auch hier mussten die dreiköpfigen Klassenteams in ihren weißen Wettbewerbs-T-Shirts, Aufdruck „Wer liest gewinnt!“, so schnell wie möglich auf die Fragen des Moderators reagieren.

Dagegen drehte sich die dritte Runde nicht um literarische Fragen, sondern um die gelungenste Darstellung von Schlüsselszenen aus den vier Büchern, die für den Jugendbuchpreis 2014 nominiert sind. Hier kam es auf die möglichst originelle Präsentation, auf die eindrucksvollste Umsetzung von Szenen aus den Büchern an. Beim aufgekratzten Publikum kamen alle Szenen gut an.

Dann wurde es spannend: Die Jury zog sich diskret zurück. Nach einer Pause verkündeten die Juroren ihre Entscheidung: Die Schüler des Steinbart Gymnasiums („Team Grün“) hatten die Nase vorn, wurden mit 27 Punkten Literatur-Stadtmeister. Sie dürfen kostenlos mit ihren Lehrern im Herbst zur Frankfurter Buchmesse fahren. Den zweiten Platz errang die Klasse der August-Thyssen-Realschule, das „Team Gelb“ mit 18 Punkten. Trotz guter Leistungen reichte es diesmal für die Klasse für das Landfermann-Gymnasium, das „Team Rot“, mit 14 Punkten, nur für Platz drei. Moderator Wenderoth tröstete die Kids: „Alle haben heute gewonnen. Denn: „Wer liest gewinnt!“