Vortrag über die Geschichte der Homberger Gaststätten

Diese Postkarte zeigt vier Essenberger Lokale. Lediglich eines steht noch heute.
Diese Postkarte zeigt vier Essenberger Lokale. Lediglich eines steht noch heute.
Reinhard Stratenwerth, Archivar des Freundeskreises Historisches Homberg, referierte über die Geschichte der hiesigen Gaststätten. 100 Gäste waren dabei.

Duisburg-Homberg..  Reinhard Stratenwerth hat ganze Arbeit geleistet. Mehr als 200 Stunden recherchierte der 77-jährige Lokalhistoriker akribisch in der Sammlung des Freundeskreises Historisches Homberg und in seinem Privatarchiv. Jetzt präsentierte der Homberger Heimatforscher die Geschichte der Homberger Gaststätten in einem Vortrag im Saal des Kultur- und Freizeitzentrums an der Augustastraße. Dabei konnten sich Reinhard Stratenwerth und Udo Vohl, Archivar und Vorsitzender des Homberger Heimatvereins über ein großes Interesse freuen: Rund 100 Zuhörer waren gekommen, laut Vohl „so viel wie schon lange nicht mehr bei einem Vortrag unseres Freundeskreises.“

Um 1900 war die „Stadt im Grünen“ dank Bergbau und Binnenschifffahrt groß, stolz und wohlhabend geworden. Die Zahl der Menschen, die in Homberg, Essenberg und Hochheide lebten, wuchs damals schnell, von rund 9.100 Einwohnern im Jahre 1894 auf rund 22.400 im Jahre 1909. „Allein die tausenden Bergarbeiter hatten nach getaner, schwerer Arbeit viel Durst.“ Wie die Arbeiter des Krupp-Stahlwerks in Rheinhausen strömten Arbeiter nach ihrer Schicht in die lokalen Kneipen. Die Gastronomie erlebte eine Blütezeit. So gab es in Homberg um 1900 rund 120 Lokale und 45 Trinkhallen, heute sind es nur noch 15 Kneipen.

Feiern und Konzerte aller Art

In allen Gaststätten feierten regelmäßig Familien genauso wie Sport-, Schützen- oder Karnevalsvereine, auch Konzerte aller Art waren an der Tagesordnung. Die meisten Gaststätten hatten schmucke Fassaden, mit Verzierungen, Erkern, Türmchen, aufwändig gestalteten Sälen und Schankräumen . Besonders die Architektur der Ausflugslokale unmittelbar am Rhein drückten bürgerliches Selbstbewusstsein und Wohlstand aus, manche Restaurationen sahen aus wie kleine Schlösser - wie die prachtvollen, aber längst abgerissenen Restaurants „Jacob Hessels“ oder der sehr beliebte „Rheingarten“ am Rheinufer, mit Terrassen und Sälen.

Einige weitere Bespiele aus dem Vortrag: In Alt-Homberg stand auf der Mittelstraße/Ecke Hafenstraße die Brauerei Barten, sie ist längst abgerissen. Es gab die „Restauration Witwe Klein“ an der Moerser Straße/Ecke Bismarckplatz, später umgebaut als „Zum Fürsten Bismarck“, heute neu eröffnet unter dem Namen „Ristorante/Pizzeria Vespa 50“. Die „Gaststätte Friedrich“ an der Ruhrorter Straße wurde in den 1950er Jahren zum Schifferkinderheim, später zum Haus der Binnenschiffergemeinde, heute ist das Haus eine Flüchtlingsunterkunft.

Allein in Essenberg gab es einst acht Lokale, davon wird heute nur „Zur Rheinfähre“ betrieben, unter dem Namen „Homme d’Dor“. Dagegen wurden die Gaststätten „Hessels“, „Zur schönen Aussicht“ und „Rheinpreußen“ vor Jahren abgerissen. Das „Haus Gess“, ursprünglich „Zum deutschen Reichskanzler“, an der Duisburger Straße steht noch, ist seit Jahren geschlossen.

In Hochheide gab es zum Beispiel den „Gasthof Rheinpreußen“ an der Kirchstraße, am Marktplatz die „Restauration Glückauf“ mit angebautem „Dreikaisersaal „, nach dem Krieg als „Gaststätte Lindemann“ mit „Glückauf-“ und „City-Kino“ im Festsaal, inzwischen abgerissen. Das prächtige Gebäude der Gaststätte „Kaiser Friedrich“, später „Gaststätte Hämel“, an der Moerser Straße wich in den 70er Jahren einer neuen Sparkassen-Filiale.

Früher Lokal, heute Bankfiliale

Reinhard Stratenwerth konfrontierte in jedem Fall alte Lichtbilder und Postkarten der Lokale mit den Ansichten an gleicher Stelle von heute. Bei diesem Vergleich stellte der Lokalhistoriker oft ernüchtert wie lakonisch fest: „Ist nicht schöner geworden...“ Denn von den einst prachtvollen Fassaden ist heute meistens nur noch wenig übrig geblieben Da konnten die aufmerksamen Homberger Zuhörer Stratenwerth immer nur noch zustimmen...

Heimatforscher Reinhard Stratenwerth wertete für seinen Vortrag hunderte alte Bilder, Postkarten, Plakate von Lokalen und Festschriften von Vereinen aus Homberg aus. In einem zweiten, bilderreichen Vortrag will der Lokalexperte im Frühjahr 2017 das Schicksal weiterer Gaststätten in Homberg beleuchten.

 
 

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