Vom reinen Klang der Harfen in Homberg

Das Duo Harpalando, bestehend aus Karin Schnur (li.) und Johanna Rupp (re.), in ihrem Element.
Das Duo Harpalando, bestehend aus Karin Schnur (li.) und Johanna Rupp (re.), in ihrem Element.
Foto: Fabian Strauch
Das Karlsruher Duo Harparlando mit den Harfenistinnen Johanna Rupp und Karin Schnur verzauberte sein Publikum in der St.-Johannes-Kirche Homberg mit zarten, filigranen Saitenklängen. Großes Repertoire von Folk bis Klassik charmant moderiert

Woran es auch liegen mag – Harfen werden nicht immer, aber oft gerne von Frauen gespielt. Man könnte sagen: die Harfe ist eher ein feminines Instrument. Auch das Duo „Harparlando“ ist weiblich: Die beiden Harfenistinnen Johanna Rupp und Karin Schnur haben sich im Musikstudium kennengelernt, 2009 gründeten sie ihr ungewöhnliches Duo, es folgten drei erfolgreiche Deutschlandtourneen.

Im Rahmen ihrer bundesweiten Sommertour 2014 machten die beiden jungen Damen aus Karlsruhe jetzt zum zweiten Mal in der katholischen St. Johannes-Kirche in Homberg Station. Rund zwei Stunden verzauberten die Saitenkünstlerinnen rund hundert gebannt lauschende Zuhörer.

Große musikalische Bandbreite

Wunderschön perlten die zarten, leichten Klänge der langen Harfensaiten durch das Chor der Kirche, stiegen hinauf in das Schiff, von dessen Wänden die filigranen Töne zurückgeworfen wurden. Durch den so erzeugten Hall verstärkte sich der ohnehin sphärische Klang des Harfenspiels – eine Kunst, die Harparlando perfekt beherrscht.

Handelte es sich bei ihren Instrumenten nicht um Harfen, müsste man sagen: Johanna Rupp und Karin Schnur zogen bei ihrem anmutigen Spiel alle Register. Denn auch die Bandbreite ihres inzwischen großen Repertoires beeindruckte das Publikum. Den Anfang ihrer Instrumentals machte zwei Stücke des italienischen Barockkomponisten Domenico Scarlatti (1685 - 1757), gefolgt vom romantisch-sentimentalen „Scarborough Fair“, einem der ersten Hits von Simon & Garfunkel und dem lebhaft-temperamentvollen „Jig“ aus Irland.

Überhaupt nicht zugeknöpft

Dann wiederum ließen die Musikerinnen bei einer Komposition von Marcel Grandjany (1891-1975) eher modernere, jazzigere Harfenmusik erklingen, bei der die Harfen auch als Rhythmusinstrument eingesetzt wurden, bevor sie ihre Zuhörer auf einen musikalischen Spaziergang durch ein mittelalterliches Dorf mitnahmen.

Noch etwas Positives: Es gibt ja Musiker die bei ihren Auftritten richtig zugeknöpft sind, mit ihrem Publikum kaum reden – oder gar nicht, wie Bob Dylan. Harparlando sind da ganz anders: Johanna Rupp und Karin Schnur nehmen sich die Zeit für ihre Zuhörer, erklären ihre Stücke, erzählen charmant Wissenswertes über die Harfe, auch schon mal eine kleine Anekdote. Über die Harfe an sich erfährt man zum Beispiel, dass sie im Spätmittelalter des 13. und 15. Jahrhunderts erstmals in Europa auftauchte, damals auch aus Transportgründen noch viel kleiner war als die heutigen großen Konzertharfen. Die verfügen übrigens über sechs Fußpedale, um die Tonart zu verändern. Besonders im angelsächsisch-keltischen Raum – in England, Irland oder der Bretagne – fanden sie schnell Verbreitung und Eingang in die Volksmusik, prägt sie noch heute. In Irland ziert die Harfe sogar die Nationalflagge.

 

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