Streit um Sedat-Mahnmal zehn Jahre nach "Pokemon-Mord" in Duisburg

Matthias Oelkrug
Am Fundort des kleinen Sedats versammelten sich zahlreiche Menschen, die um das Kind trauerten.
Am Fundort des kleinen Sedats versammelten sich zahlreiche Menschen, die um das Kind trauerten.

Duisburg-Homberg. Linke und SPD in Homberg streiten, weshalb zehn Jahre nach dem überregional beachteten „Pokemon-Mord“ am neunjährigen Sedat A. ein Mahnmal gegen Gewalt an Kindern nicht verwirklicht wurde. Die Homberger Linke wirft Rot-Grün vor, das Denkmal gezielt zu verhindern. Die SPD kontert: „Verleumdung statt konstruktiver Politik“.

„Die rot-grüne Mehrheit hat die von allen vereinbarte Gedenkplatte für den ermordeten Sedat verhindert“, fährt Roland Busche (Linke) schwere Geschütze auf. „Seit zehn Jahren warten die Eltern darauf, dass die Politik tätig wird, jetzt haben SPD und Grüne erneut versucht, das Thema zu beerdigen“, ergänzt Margret Fink.

"Interessen werden nicht offen ausgesprochen"

„Wir spekulieren nicht über die Gründe für das Versagen von Rot-Grün, wir verweisen nur darauf, dass bereits vor zehn Jahren die Erinnerungstafel an der SPD gescheitert ist. Mit Argumenten ist der Verweigerungshaltung der beiden Parteien nicht beizukommen, offenbar sind hier andere Interessen im Spiel und werden nicht offen ausgesprochen.“

Wie sich der „erneute Versuch, das Thema zu beerdigen“ genau darstellt, dazu schweigt sich Fink auch auf Nachfrage aus. Laut SPD-Bezirksvertreter und Ortsvereins-Chef Mahmud Özdemir ist der Vorwurf ohnehin Unfug: „Wir haben nichts verhindert und haben das auch nicht vor.

Standort nicht am Tatort

Es gab einen parteiübergreifenden Beschluss, dass das Mahnmal entstehen soll. Ratsherr Rainer Grün (DWG) wollte sich in Absprache mit den Angehörigen um die Details kümmern. Das ist weiterhin der Stand, und wenn es ein Ergebnis gibt, werden wir dem nicht im Weg stehen. Aber dass die Linke lieber andere Parteien verleumdet, als konstruktiv Politik zu machen, ist ja nichts Neues.“

Kritisch sieht die Rolle der Bezirks-SPD allerdings auch Frank Smejkal (CDU): „Es gab 2001 schon einen parteiübergreifenden Vorschlag, von mir und den anderen ,Kümmerern’, auch aus der SPD.“ Kernpunkt dieses Vorschlages: Statt eines Denkmals für eine Einzelperson sollte generell gegen Gewalt an Kindern gemahnt werden. Standort sollte nicht am Tatort Franzstraße sein, „um keine alten Wunden aufzureißen“, sondern am Marktplatz.

Denkmal könnte schon stehen

Eine Duisburger Künstlerin habe einen Entwurf gestaltet, und das Denkmal könne längst stehen. „Aber dann gab es aus der SPD-Fraktion und von Beamten mit SPD-Parteibuch so viel Gegenwind, dass die Beteiligten nach und nach die Geduld verloren haben.“ Dass es einen aktuellen Vorstoß von SPD und Grünen geben soll, das Mahnmal endgültig zu verhindern, ist Smejkal allerdings auch neu.

Am 9. Januar 2001 wurde der neunjährige Sedat in Homberg erwürgt, zerstückelt und noch im Tode missbraucht. Den Kopf des Jungen entsorgte der Täter wie Abfall im Container. Den Haupttäter Oliver S. hatte das Landgericht später zu einer 14 jährigen Haftstrafe verurteilt.