Stadt bestätigt – Baerler Kahlschlag war rechtens

Kahlschlag im Süden Baerls. Bäume und Sträucher blieben liegen.
Kahlschlag im Süden Baerls. Bäume und Sträucher blieben liegen.
Foto: Lars Fröhlich
Eigentümer ließ im Februar rund ein Hektar Wald fällen. Das habe er laut Landesforstgesetz gedurft, so die Stadt, lediglich bauen dürfe er dort nicht.

Duisburg-Baerl..  Baerl, Februar 2016: Auf zwei Waldgrundstücken, die zum Gelände der still gelegten Rhein- und Emscher-Armaturenfabrik gehören, fällen Arbeiter rund ein Hektar mit Buchen, Eichen, Obstbäumen und Nadelhölzern. Insgesamt rund 10.000 Quadratmeter werden zwischen Wald- und Jakob-Schroer-Straße abgeholzt, die Gehölze bleiben bis heute liegen - es ist der bisher wohl größte Kahlschlag auf Privatgelände in Duisburg seit dem 1. Januar, seit dem Tag, als die Stadt ihre Baumschutzsatzung „fällte“. Der Eigentümer hat weder eine Bauvoranfrage noch einen Antrag gestellt, zudem gibt es keinen Bebauungsplan - das Unverständnis bei den Anwohnern ist groß und erreicht die Bezirksvertretung. Die Fraktionen von SPD und Grünen stellen eine Anfrage an die Verwaltung. Sie wollen wissen, ob es sich bei dem großen Kahlschlag um eine Ordnungswidrigkeit handelt.

Jetzt liegt die Antwort aus dem Amt für Umwelt und Grün vor, sie sorgt bei den Antragstellern Hans-Gerd Bosch (SPD) und Dietmar Beckmann (Grüne) für Erstaunen. Denn der so genannte „Kahlhieb“ sei nach Auffassung der zuständigen Forstbehörde und des Amtes für Umwelt und Grün rechtens, antwortet Dr. Randolph Kricke, Duisburgs oberster Baumexperte in einer Mitteilungsvorlage für die heutige Sitzung der Bezirksvertretung. Begründung: „Die Fläche war und ist Wald im Sinne des Gesetzes. Die Fläche wurde auf gut einem Hektar kahlgeschlagen (nicht gerodet) und das Holz scheint auf der Fläche belassen worden zu sein.“ Auf der Fläche befinde sich fast flächendeckend Sukzession/Naturverjüngung. Gemäß Landesforstgesetz NRW sei ein Kahlhieb auf mehr als zwei Hektar zusammenhängender Waldfläche eines Waldbesitzers innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren verboten.

Da aber nur rund 10.000 Quadratmeter kahl geschlagen worden sei, folgert Dr. Kricke: „Darf ein Waldbesitzer im Zuge der Forstwirtschaft eine Waldfläche von circa einem Hektar forstrechtlich kahlschlagen, wenn diese kahlgeschlagene Fläche innerhalb von zwei Jahren wieder aufgeforstet wird, ergänzt wird oder sich eine flächendeckende Entwicklung von Wald durch die natürliche Ansamung von Forstpflanzen, Stockausschlag oder Wurzelbrut eingestellt hat.“ Das bedeute für die Baumfällaktion in Baerl, so Dr. Kricke , „dass die Fläche trotz Kahlschlag immer noch Wald im Sinne des Gesetzes ist, die Maßnahme aus forstrechtlicher Sicht kein Ordnungswidrigkeitstatbestand ist und eine ungenehmigte Waldumwandlung nicht vorliegt.“ Außerdem sei „der Kahlschlag der Waldfläche nicht als Eingriff in Natur und Landschaft zu werten, da nach Bundesnaturschutzgesetz die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung keinen Eingriff darstellt.“

„Entwicklung weiter beobachten“

Dennoch will das Amt die weitere Entwicklung im Auge behalten, so Dr. Kricke in seiner Antwort: „Es ist künftig zu beobachten, ob der Kahlschlag als eine vorbereitende Maßnahme zu einer Umwandlung von Wald hin, etwa zu Bauland dienen sollte. Sollte sich dies herausstellen, ist über die Forstbehörde ein entsprechendes Verfahren bezüglich der Waldumwandlung anzustrengen. Die Untere Landschaftsbehörde wird dann im Rahmen der Eingriffsregelung ebenfalls ein entsprechendes ordnungsbehördliches Verfahren einleiten.“

Zu Deutsch: Sollte der Eigentümer auf dem Gelände bauen wollen, könnte doch ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit gegen ihn eingeleitet werden.

Nachbar: kein verständnis für den Kahlschlag

Gerhard Schwemm, Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, hatte bei der Unteren Landschaftsbehörde eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gestellt, wegen unerlaubter Waldumwandlung (nach Bundeswaldgesetz) und unerlaubten Eingriffs (nach Bundesnaturschutzgesetz.) Eine Antwort liegt noch nicht vor, so Beckmann.

Antragsteller Hans-Gerd Bosch und Dietmar Beckmann wollen sich mit der Antwort der Behörde nicht zufrieden geben und nachhaken. Sie können das Vorgehen des Wuppertaler Grundstückeigentümers nicht nachvollziehen und halten den Kahlschlag für ordnungswidrig.

Nachbar Heinz-Dieter Giesen, dessen Familie in dritter Generation an der Jacob-Schroer-Straße wohnt, kommentiert die Antwort: „Ich habe dafür kein Verständnis. Das ist ein Witz!“ Indes hüllt sich der Eigentümer in Schweigen.

 

EURE FAVORITEN