St. Martinszug mit Flüchtlingskindern zog durch Rheinhausen

270 Kinder, 60 davon aus den Flüchtlingsunterkünften an der Werthauser Straße, zogen durch Rheinhausen.
270 Kinder, 60 davon aus den Flüchtlingsunterkünften an der Werthauser Straße, zogen durch Rheinhausen.
Foto: Tanja Pickartz
Die Sekundarschule und die Kinder- und Jugendbühne Bahtalo haben zusammen mit Rheinhauser Flüchtlingsfamilien einen St. Martinszug organisiert.

Duisburg-Rheinhausen..  Alle reden von Integration, was getan wurde - und was noch getan werden muss. Integration, Teilhabe am Leben der anderen also, aus der Gemeinsamkeit erwachsen kann, ist in Stück Nächstenliebe. Einige engagierte Rheinhauser haben den Worten Taten folgen lassen und einen St. Martins-Zug auf die Beine gestellt, gemeinsam mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien, die in den beiden Asylbewerberheimen an der Werthauser Straße leben.

17.30 Uhr, auf dem Schulhof der Sekundarschule am Körnerplatz leuchten mehr als 200 Laternen in der beginnenden Nacht. Rund 300 Menschen, etwa 270 Kinder und 30 Erwachsene, singen St. Martins-Lieder. Vor ihnen gibt Annegret Keller-Steegmann, Lehrerin an der Lise-Meitner-Gesamtschule, unermüdlich den Ton an, greift in die Tasten ihres E-Pianos. Dazwischen führen Kinder der Sekundarschule kleine Szenen aus der St. Martins-Geschichte auf, bei denen es um das Thema Teilen geht. Ein Mann am Mikrofon erklärt den 60 Rheinhauser Flüchtlingskindern auf Arabisch, worum es geht und was geplant ist - die meisten stammen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan, wo die Menschen seit Jahren unter Bürgerkriegen leiden.

Mit Pauken und Trompeten

Nach 20 Minuten nimmt der Zug vor dem Portal der Schule Aufstellung, die Musikkappelle Diana setzt ein, mit Pauken und Trompeten: „Ich geh mit meiner Laterne“. St. Martin und sein Pony vom Rheinhauser Tiergnadenhof reiten los, der Zug folgt ihnen, nach und nach wächst der Zug auf 300 Meter Länge an, eine Lichterkette zieht sich leuchtend durch das abendliche Hochemmerich. Deutsche und Flüchtlingskinder gehen Hand in Hand, mit leuchtenden Augen am Bezirksrathaus, Komma-Theater, Willy-Brandt-Berufskolleg vorbei, die Krefelder Straße hinunter. Dann biegt der Zug in die Friedrich-Alfred-Straße ab, über die Bertastraße geht es zum Marktforum, dann die Atroper Straße hinunter.

Über die Kreuzstraße geht es jetzt am Flüchtlingsheim vorbei, der Traglufthalle an der Werthauser Straße. Und dann auch schon wieder zurück über die Margarethenstraße. den Marktplatz, die Krefelder Straße, Friedrich-Alfred-Straße, Schwarzenberger Straße und Friedrich-Ebert-Straße. An der Sekundarschule wurde derweil ein kleines Feuer entzündet, St. Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler. Annegret Keller-Stegmann intoniert auf Ihrem Piano noch einige Lieder. Dann eilen die Kleinen mit einer Laterne und einem Weckmann in der Hand - zurück nach Hause. Oder in ihr neues Zuhause.

Warum hat man sich soviel Arbeit, soviel Mühe mit dem St. Martins-Zug gemacht? - „Auch in diesem Jahr wollte die Sekundarschule ein Zeichen für ein solidarisches Miteinander setzen“, antwortet Sprecherin Nicole Schlette. Annegret Keller-Steegmann, die die internationale Kinder- und Jugendbühne Bahtalo leitet, sagt: „Das selbstlose Teilen des Mantels für einen frierenden Bettler soll wieder daran erinnern, dass große Teile der Weltbevölkerung in Armut und Not leben. Sei es, weil Krieg ihre Länder verwüstet oder weil Armut sie treibt – viele Menschen verlassen unter schwierigsten Bedingungen ihre Heimat und suchen ein besseres Leben auch in Duisburg.“ Die Kinder und Lehrer der Sekundarschule und die Kinderbühne Bahtalo – wollten teilen, wie es St. Martin getan hat. Und das nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch durch gemeinsames Singen und die Freude der Gemeinschaft. „Denn eins ist uns klar: Wer teilt, gewinnt!“

Laternen gebastelt

Der Zug lief unter dem Motto „Wir tragen das Teilen in die Welt.“ In den Tagen zuvor bastelten die Schüler der 5. Klassen der Sekundarschule gemeinsam mit den Flüchtlingskindern die Laternen. Uwe Frisch und Helle Hensen, Schauspieler des Komma-Theaters, spielten in der Aula kleine Szenen, mit denen sie die Kinder Inspirierten, über das Teilen nachzudenken. Dabei waren auch die bekannten Martinslieder zu hören. Und die Kinder- und Jugendbühne Bahtalo, die in der Sekundarschule probt, schrieb sogar ein eigenes Martinslied: www.bahtalo.de.

 
 

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