Seminarteilnehmer findet Bewerbungsunterlagen auf USB-Stick

In diesem Gebäude an der Schwanenstraße 19 in Duisburg-Stadtmitte entdeckte der Rheinhauser beim Bildungsinstitut Nestor das Datenleck mit persönlichen Bewerbungsunterlagen von Kursteilnehmern.
In diesem Gebäude an der Schwanenstraße 19 in Duisburg-Stadtmitte entdeckte der Rheinhauser beim Bildungsinstitut Nestor das Datenleck mit persönlichen Bewerbungsunterlagen von Kursteilnehmern.
Foto: FUNKE Foto Services
IT-Seminarteilnehmer entdeckt auf USB-Sticks der Nestor-Niederlassung in Duisburg komplette Bewerbungsunterlagen früherer Kursteilnehmer. Jobcenter will Fall prüfen.

Duisburg.. Jeder Mensch soll grundsätzlich selbst entscheiden dürfen, wem wann welche seiner persönlichen Daten zugänglich sein sollen. Dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung sichert das Grundgesetz ab. Soweit die Theorie. Doch in der Praxis hapert es immer wieder mit der Umsetzung. Diese Erfahrung hat unlängst ein Teilnehmer einer berufsqualifizierenden Fördermaßnahme gemacht.

Der 30-jährige Rheinhauser nahm Anfang März auf Anweisung des Duisburger Jobcenters an einem Bewerbungstraining in einem Duisburger Bildungsinstitut teil, in der Niederlassung der Nestor GmbH, Hauptsitz in Berlin-Pankow, an der Schwanenstraße in Stadtmitte. Der seit November erwerbslose Hartz-IV-Bezieher sollte bei dem Kurs mit zehn Terminen trainieren, möglichst gute Bewerbungen zu schreiben und zusammenzustellen.

Unterlagen mit Namen, Adressen und Bildern

Doch schon bei der ersten Sitzung war die Überraschung groß, als sich ein Datenleck zeigte: „Alle Teilnehmer sollten für die Arbeit an ihren Texten einen gebrauchten USB-Stick verwenden. Etwa 100 dieser Sticks mit vier oder acht Gigabyte Speicherkapazität lagen im Seminarraum auf einem randvollen Tablett aus.“ Gesagt, getan. Alle Teilnehmer schlossen ihren Stick an ihren Rechner an. Das Ergebnis: „Auf jedem dieser Sticks waren ein oder mehrere Bewerberprofile von früheren Kursteilnehmern gespeichert, mit allen wichtigen Angaben: Name, Adresse, Bild. Teilweise klebten auf den benutzten USB-Sticks Zettel mit den Namen der früheren Kursteilnehmer.“

Der Rheinhauser, früher Bundeswehrsoldat, heute Web-Designer, hatte sich bereits im Vorfeld beruflich intensiv mit dem Thema IT-Sicherheit beschäftigt. Seine Analyse: „Das war nicht im Sinne des Datenschutzes. Denn es besteht dabei ein Risiko.“ Daher machte der Rheinhauser die Kursleitung auf das Problem aufmerksam und lieferte gleich Vorschläge mit, wie man solche Datenpannen künftig vermeiden könne. Die reagierte auf ihre Weise und übergab dem 30-Jährigen bei der nächsten Sitzung einen neuen, ungebrauchten USB-Stick. Damit sei das Problem gelöst, hieß es. Alle anderen Kursteilnehmer hätten mit den gebrauchten Speichern weitergearbeitet.

Kritiker flog aus dem Seminar

Dennoch blieb der Kursteilnehmer aus Rheinhausen im Seminar bei seiner Kritik am mangelnden Datenschutz. Zwei Tage später wurde der junge Mann zu einem Gespräch unter vier Augen gebeten. Ein Mitarbeiter der Nestor-Filiale bedeutete ihm, dass das Seminar für ihn jetzt beendet sei und man das zuständige Jobcenter informieren werde: „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir die Zusammenarbeit einstellen werden.“ Das bestätigte Ingo Stein, Leiter der Nestor GmbH-Niederlassung Duisburg II auf Anfrage: „Wir haben dem Job-Center gemeldet, dass sich der Teilnehmer nicht an unsere Hausordnung gehalten hat.“ Das Datenleck mochte Stein nicht kommentieren: „Das werde ich weder dementieren, noch bestätigen.“

Das Bildungsinstitut informierte die zuständige Fallmanagerin beim Jobcenter Rheinhauser über den Vorfall. Der Rheinhauser: „Sie drohte mir mit Sanktionen.“ Am Ende einigte man sich aber friedlich auf eine Fortbildungsmaßnahme bei der RAG Bildung in Rheinhausen. Jobcenter-Pressesprecherin Katrin Hugenberg antwortete auf Anfrage: „Solche Datenpannen dürfen nicht passieren. Wir gehen der Angelegenheit sofort nach.“

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