Schmerzen Demenzkranker lindern

„Menschen mit Demenz erhalten weniger Schmerztherapien als gleichaltrige Vergleichsgruppen“, sagt Doris Neumann, Krankenschwester und Pflegedienstleiterin der Grafschafter Diakonie. Sie und ihre Kollegen der Station an der Beethovenstraße in Rheinhausen fragen sich: „Wann mag Unruhe oder die Ablehnung von pflegerischer Versorgung auch durch Schmerzen bedingt sein? Wie können wir dies erkennen und benennen?“

Antworten auf diese Fragen gab der Mülheimer Autor, Altenpfleger und Sozialwissenschaftler dem Palliativ Netz Duisburg e.V. (PanDu), 129 Ärzten, Pflegekräften und Ehrenamtlichen in der Erlöserkirche in Hochemmerich. Er stellte den Fachleuten, die die Patienten versorgen und betreuen, Möglichkeiten vor, wie sie ihre Wahrnehmung „objektivieren“, anders gesagt ihren „Blick schärfen“ können. Das Ziel des Weiterbildungsvortrags: „Unser Ziel ist die gleiche Sprache, damit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, auch ausreichend Schmerzmittel erhalten, statt zum Beispiel Beruhigungsmittel. Wir wollen gemeinsam die Lebensqualität der Patienten verbessern.“ Neumann: „Erst in den letzten Jahren wird hierzulande die Gabe von Schmerzmitteln auch bei dementen Menschen als wichtiges Thema erkannt.“ Bis 2006 hätten Menschen mit Demenz schmerztherapeutisch nicht im Mittelpunkt gestanden. „Erst seitdem wird verstärkt erforscht, mit welchen Methoden man das erfassen kann. Man muss sehr genau hingucken, ob Wesensveränderungen bei dementen Menschen an Schmerzen, an anderen körperlichen Beschwerden oder auch an Missbrauchserfahrungen liegen. Schmerz kann eine Ursache sein, die früher zu wenig beachtet wurde. “ Zu den häufigsten Problemen bei Demenzkranken gehörten Rücken- oder Gelenkschmerzen.

Doris Neumann: „Bisher wollte man dementen Patienten mit ungewöhnlichem Verhalten meist eher mit einem Beruhigungsmittel ruhig stellen, weil wir ihnen etwas Gutes tun wollen und weil wir Pfleger das alle so gelernt haben. Daher geht es jetzt darum, ein neues Bewusstsein für Demenzerkrankte mit Schmerzen zu schaffen.“

Sorgfältige Beobachtung

Am besten sei es, wenn man die Patienten fragen könne, ob und wo es weh tut. Aber nicht alle Patienten könnten antworten . Dann müsse man die Gestik, Mimik, das gesamte Verhalten zum Beispiel beim Gehen und Laufen, auch Puls und Atemfrequenz aufmerksam beobachten. Die Beobachtungen sollten dokumentiert werden, damit ein Austausch zwischen den Pflegern stattfindet. „Auf dieser Basis kann man den Patienten dann ein schnell wirksames Schmerzmittel geben“, so die Leiterin der Diakoniestation Rheinhausen.

 
 

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