Rockig wie in alten Zeiten

Martin Krampitz
Die Kult-Comedy-Band „Propfen“ feierte mit 300 Fans das 40-Jährige.
Die Kult-Comedy-Band „Propfen“ feierte mit 300 Fans das 40-Jährige.
Foto: Fabian Strauch
Kult-Comedy-Band „Propfen“ feierte mit 300 treuen Fans das 40-jährige Jubiläum und durfte nicht ohne Zugaben von der Bühne

Duisburg-Rheinhausen. Die Beach Boys wurden 1961, die Rolling Stones 1962, die Kinks 1963, The Who 1964 gegründet, Status Quo folgten 1965, Deep Purple 1968. Und Propfen, d i e ultimative, musikalische Legende aus der Eisenbahnsiedlung? Die Jux-Blödel-Coverband wurde 1974 im Jugendheim Eisenbahnsiedlung an der Martinistraße aus der Taufe gehoben. 40 Jahre Propfen - das denkwürdige Jubiläum einer der ältesten Bands im Duisburger Westen: Das musste einfach gefeiert werden. Am Samstag Abend rockten die lustigen Acht aus Hohenbudberg das ehrwürdige Clarenbachhaus in Friemersheim. Und rund 300 treue, begeisterte Fans ließen ihre „Stars“ aus der Eisenbahnersiedlung hoch leben, trieben die inzwischen leicht ergrauten und gelichteten Männer zu wahren Höchstleistungen an. Und das mehr als fünf Stunden lang - so lange dauerte die Geburtstagsparty.

Gleich zu Beginn richtete der „Papst“ alias Oberwitzbold Manfred Loepke-Gilles, gekleidet in seiner typischen, weißen Soutane, im evangelischen Gemeindehaus einige weihevolle Sätze an das aufgekratzte, gut gelaunte Publikum. Danach schoss das Oktett Pfropfen ein musikalisches Feuerwerk ab. In der Mitte, wie eh und je auf Stühlen sitzend, die beiden Gründungsmitglieder Manfred Loepke-Gilles (Gesang, Bongos) und Wolfgang Faber (Gesang, Waschbrett, Mundharmonika), umrahmt von Uwe Hillebrand (Gitarre, Akkordeon) und Detlev Cichon (Gesang, Keyboard), Wolfgang Bosch (Bass, Gesang), Gerhard Vogt (Drums), Lothar Faber (Rhytmusgitarre) und Horst Spicker (Gesang).

Es ging Schlag auf Schlag, zu Beginn mit „Come on and sing“ (Rattles). Dazwischen moderierten Faber und vor allem Oberscherzkeks Gilles-Loepke das Programm mit unzähligen Kalauern und Blödel-Sprüchen. Plötzlich trat Elvis persönlich, alias Manfred Loepke-Gilles, in die Bühnenmitte und schmetterte im weißen Las-Vegas-Outfit mit Hüftschwung „Hound Dog“, leicht kitschig „Love me tender“. „Tender“ - der King of Rock`n Roll zollte der Eisenbahnsiedlung seinen Tribut. In einer anderen Szene trat Loepke-Gilles als Geheimdienstmann von der NSA auf. Nach dem Liebeslied „Every breathe you take“ (Police) und dem ebenso romantischen „Und es war Sommer“ (Peter Maffay) wurde es mit „Sexy“ (Marius Müller-Westenhagen) wieder rockiger.

Ständchen für Geburtstagskinder

Sybille Mönnicks durfte sich als Bandgirl dazu entsprechend in Positur bringen. Überhaupt nahm Propfen gern jede Gelegenheit wahr, immer wieder Damen aus dem Publikum auf die Bühne zu holen. So durfte ein Gesangstalent aus Hohenbudberg auch schon mal „Stand by me“ (Ben E King) anstimmen. Und zwei weiblichen Geburtstagskindern brachte die Jux-Combo ein Ständchen. Auch eigene Kompositionen wie „Das Wasserturmlied“ steuerte die bestens eingespielte Truppe aus der Eisenbahnsiedlung bei. Die erste Halbzeit beendete Propfen mit „Smoke on the water“ (Deep Purple). Da fingen schon die ersten Damen im Saal an, zu tanzen...

Nach der Pause ging es heiter weiter: Dem Rock`n Roll-Instrumental „Wipe Out“ (Shadows) ließen die Musiker, die sich alle einen Sektflaschenpropfen umgehängt hatten, eine außergewöhnliche Version von „Hot Love“ (T. Rex) folgen: „Wir spielen den letzten Quark, auch für zwanzig Mark“. Natürlich gab es auch das „Friemersheim -Lied“, das von dem aufregenden Tourneeleben der Kultband Propfen „on the Road“ handelte: „Wir sind eine Band, wir sind ständig auf Tour - auf Kegeltour in Friemersheim“, plauderte Loepke-Gilles, der schon mal nostalgisch den früheren Jahren der Erfolgsband nachtrauerte: „Früher hatten wir lange Haare und jede Menge Groupies. Und heute?“. Auch wenn die Groupies heute eher rar geworden sind - einige Zugaben musste Pfropfen am Ende der langen, gelungenen Geburtstagsparty nach Mitternacht natürlich noch geben...