Rheinhauser Bunker für 335.000 Euro versteigert

Der Bunker von innen. Außer einer Wohnung und einem kleinen Büro ist das 455 Quadratmeter Innenfläche umfassende Gebäude an der Krefelder Straße leergezogen
Der Bunker von innen. Außer einer Wohnung und einem kleinen Büro ist das 455 Quadratmeter Innenfläche umfassende Gebäude an der Krefelder Straße leergezogen
Foto: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Ein Privatmann aus Rheinland-Pfalz hat den Zuschlag für den Hochbunker an der Krefelder Straße in Rheinhausen erhalten und 335 000 Euro dafür bezahlt.

Duisburg-Rheinhausen. Vor gut einer Woche hatte diese Zeitung darüber spekuliert, ob sich die Bundesanstalt für Immobilienangaben beim Verkauf eines Rheinhauser Hochbunkers womöglich verspekuliert hat. Nach einer Versteigerung durch das Berliner Auktionshaus Karhausen AG steht nun fest: hat sie nicht. Der Bund scheint mit seinem Auftrag an das Auktionshaus alles richtig gemacht zu haben. Ist mit 335 000 Euro doch genau der Preis erzielt worden, den er bereits vor anderthalb Jahren hatte erzielen wollen. Der Auktionsstartpreis von 150 000 Euro ist also mehr als verdoppelt worden. Versuch der Erklärungen.

„Zunächst einmal freuen wir uns sehr, dass das Objekt sehr attraktiv war und diesen hohen Preis erzielt hat“, sagt der leitende Auktionator Matthias Knake. Dass das steinerne Weltkriegsrelikt (Baujahr 1941, 455 Quadratmeter bebaute Fläche, 1700 Quadratmeter Grundstück) nicht für den Startpreis den Besitzer wechseln würde, war Knake aber bereits vor der Auktion klar. Drei potenzielle Bieter hätten sich angekündigt, man habe mehr als 30 Interessenten gehabt, die das Exposee angefordert hatten. Dazu war am vergangenen Samstag der Saal in Rufweite des Potsdamer Platzes mit 200 Leuten gut gefüllt. Am Ende hätten sich zwei Telefonbieter in 5000er-Schritten bis auf 335 000 Euro ein Bietergefecht geliefert. Nach 15 Minuten bekam ein Privatmann aus Rheinland-Pfalz den Zuschlag.

Keine weiteren Angaben zum Käufer

Außer dem Herkunfts-Bundesland darf Auktionator Knake laut eigener Aussage zum neuen Besitzer nichts sagen. Somit ist unklar, was der Mann mit der Immobilie – sie beherbergt aktuell einen privaten Mieter und den Sozialverband VdK, der Rest steht leer – vor hat. Fakt ist: Der Kauf soll in Kürze abgewickelt sein, übrigens, der neue Besitzer zahlt neben dem Kaufpreis auch eine Courtage an das Auktionshaus. Knake: „Bei Objekten, die mehr als 60 000 Euro kosten, beträgt diese ähnlich wie bei einem Makler 7,14 Prozent des Kaufpreises. Bei Objekten, die preislich darunter liegen, steigt die Courtage stufenweise, so ist bis 10 000 Euro eine Gebühr von 17,86 Prozent fällig.“

Warum hat der graue Betonklotz einen solch hohen Wert erzielt, Steigerungen in solcher Höhe seien auch für das erfahrene Auktionshaus nicht an der Tagesordnung? „Genau weiß man so etwas nie, es könnte aber sein, dass die positiv beschiedene Bauanfrage Bieter angelockt hat. Es ist jetzt möglich, das Gebäude, etwa um ein Penthouse, aufzustocken“, erklärt Knake. Die Kosten für diese Bauanfrage habe Karhausen quasi als Vorleistung übernommen, um das Gebäude attraktiver zu machen. Durch den gestiegenen Kaufpreis hätte man diese Kosten jetzt locker wieder eingespielt.

400 bis 600 Objekte unter dem Hammer

113 Gebäude und Grundstücke hat das Unternehmen bei seiner vierten Auktion im laufenden Jahr angeboten. Um die 40 seien übrig geblieben, „ein üblicher Wert“, heißt es dazu aus Berlin. 400 bis 600 Bauten und Areale kommen bei Karhausen pro Jahr unter den Hammer, in der Regel finden die Auktionen im noblen BESL Meistersaal in Berlin-Mitte statt. Einer der Spitzenreiter in Sachen Ertragssteigerung sei am vergangenen Wochenende sicher der Duisburger Bunker gewesen, weitere Top-Seller dieser Art liegen schon eine Weile zurück. So habe das Cottbusser Gefängnis 310 000 Euro erzielt, bei einem Mindestgebot von 9000 Euro. Ein Krankenhaus-Areal in Eberswalde (Brandenburg) sei bei einem Startgebot von 14 000 Euro bei 460 000 Euro gelandet. Es gebe aber auch echte Ladenhüter, etwa Grundstücke mit Ruinen in unattraktiven Lagen, die, wenn sie überhaupt losgeschlagen werden, gerade einmal niedrige vierstellige Beträge bringen. „Diese Objekte landen dann in unseren Online-Auktionen.“

Die Auktionatoren:
Die Karhausen AG
besteht seit dem Jahr 1991, begonnen hatte man damals mit der Versteigerung von Mietshäusern im Osten Berlins. Heute versteigert das Auktionshaus im Auftrage von Bund, Ländern, Kommunen, der Deutschen Bahn AG aber auch von Privatleuten Gebäude und Grundstücke. „Zu uns kommen unter anderem Leute, die ihre Objekte auf dem freien Markt nicht hatten veräußern können“, so der leitende Auktionator Matthias Knake.
So landeten
unter anderem um die 1000 Bahnhofsgebäude bei Karhausen-Auktionen, 600 davon habe man in den vergangenen vier Jahren verkauft.
Die Firma
mit Sitz an der Hubertusallee in Berlin beschäftigt heute 20 Mitarbeiter, unter anderem Juristen, Immobilienkaufleute, Ingenieure und auch einen Stadtplaner. Die Karhausen AG erzielt mit seinen Auktionen laut eigener Angabe pro Jahr rund zwei Millionen Euro Umsatz.

 
 

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