Rheinhausens Schrottimmobilien

Die Türen des ehemaligen Rheinhauser Hallenbades sind mir Brettern vernagelt.
Die Türen des ehemaligen Rheinhauser Hallenbades sind mir Brettern vernagelt.
Foto: WAZ FotoPool
Hallenbad und Krupp-Verwaltungsgebäude gammeln zum Ärger zweier Politiker vor sich hin. Plan der Stadt: Häuser und Handel auf dem gesamten Glückauf-Platz

Duisburg-Rheinhausen..  Was haben das ehemalige Hallenbad an der Schwarzenberger Straße und das „Aquarium“ , der ehemalige Verwaltungsbau von Krupp an der Franz-Schubert-Straße in Rheinhausen gemeinsam? Beide stehen in seit Jahren leer, gammeln vor sich hin. „Schrott-Immobilien“ ohne Zukunft. Während der niederländische Eigentümer des „Aquariums“ auch nach 17 Jahren Leerstand keinen Investor findet, sollte das alte Hallenbad längst abgerissen sein. Stattdessen hat sich in beiden Fällen jahrelang nichts getan. Diesen Stillstand kritisieren Ratsfrau Claudia Leiße und Bezirksvertreter Heiner Leiße (beide Grüne).

„Die Bevölkerung regt sich darüber auf, dass nichts passiert. Oft rufen die Bürger in der Stadtverwaltung oder im Bezirksamt an. Und dann passiert erst einmal überhaupt nichts“, klagt Ratsfrau Leiße. „Wenn wir als Politiker dann nachfragen, antwortet die Stadtverwaltung häufig: „Wir arbeiten daran.“ Doch diese Arbeit dauert aus unserer Sicht oft erheblich zu lang:“

Aus dem Wirtschaftsplan gestrichen

Beispiel Hallenbad: Im Wirtschaftsplan 2011 von DuisburgSport waren noch 300 000 Euro für den Abbruch festgeschrieben. Im Wirtschaftsplan 2012 setzte die Stadt-Tochter noch 280 000 Euro für den Abriss an. Dagegen ist dieser Posten im Wirtschaftsplan 2013 komplett gestrichen. Das Ehepaar Leiße fragte vor der Sommerpause bei DuisburgSport nach. Eine Antwort steht noch aus. Claudia Leiße: „Wir befürchten, dass DuisburgSport dieses Geld als Manövriermasse sieht, die jetzt an anderer Stelle investiert werden soll. Aber diese „Kiste“ steht nach wie vor an der Schwarzenberger Straße, welches Stadtbild vermitteln wir unseren Gästen? Die meisten Besucher der Rheinhausen-Halle fahren doch an diesem schrecklichen Gebäude vorbei!“

Eigentümer DuisburgSport will das Grundstück verkaufen. Das Vorhaben wird zumindest im Wirtschaftsplans 2013 erwähnt: Dort ist weiter von der „Veräußerung des Grundstücks des ehemaligen Hallenbades Rheinhausen“ die Rede. Das Immobilien Management Duisburg (IMD) verhandelt derzeit mit Interessenten, so eine Stadtsprecherin: „Die Gespräche laufen noch.“ Uwe Rohde, Chef des IMD, teilte mit, dass nicht nur das Hallenbad-Grundstück, sondern in einem Zug auch der gesamte Glückauf-Platz mit Einzelhandel und Wohnbebauung bebaut werden soll: „Das öffentliche Ausschreibungsverfahren ist beendet. „Jetzt werden die Angebote der Investoren geprüft. Rohde rechnet „wahrscheinlich noch in diesem Jahr“ mit einer Entscheidung.

Bauten nur unzureichend gesichert

Auch das marode „Aquarium“ ist Claudia und Heiner Leiße ein Dorn im Auge: „Das Gelände ist völlig unzureichend gesichert, das Gebäude teils asbestverseucht und inzwischen völlig unansehnlich.“

Nach Auskunft von CDU-Ratsherr Klaus Mönnicks, gab es bereits im Mai 2001 einen Bebauungsplan für das Grundstück (B-Plan 1012), den der Stadtrat allerdings im März 2012 wieder aufhob, weil man ihn nicht umsetzen konnte. Mönnicks: „Es fehlen positive Signale bezüglich der Investitionsbereitschaft des Eigentümers.“ Dennoch halte die Stadtverwaltung auf Basis des B-Plans 1012 weiter an einer Wohnbebauung fest. Das Problem: Der gammelige Verwaltungsbau ist in Privatbesitz, für einen Abriss gibt es daher zur Zeit keine Handhabe. Auch der zuständige Verwalter Markus Schnitzler im benachbarten Businesscenter 2000 an der Franz-Schubert-Straße ärgert sich über den Zustand des Gebäudes, wollte sich auf Anfrage aber nicht zur Zukunft der Immobilie äußern. Nur so viel: Es gebe Planungen, aber: „Ich gebe dazu keine Informationen.“

Auch in Rumeln-Kaldenhausen haben die Leißes eine Schrottimmobilie ausgemacht, ein marodes Mehrfamilienhaus an der Ulmenstraße. Das Gebäude steht bereits seit Jahrzehnten leer. Es gehört einer Eigentümergemeinschaft, die sich offenbar nicht einigen kann. „Auch hier haben wir den Eindruck: Es tut sich nichts.“

Info-Kasten: Das „Aquarium“
Das fünfgeschossige
Verwaltungsgebäude von Krupp in Hochemmerich wurde 1963 aus Beton, Glas und Stahl errichtet und 1973 erweitert. Mit seinen Großraumbüros, die sich über die gesamte Fläche der Etagen erstreckten, galt das Haus in den 60er-Jahren als eines der modernsten Bürogebäude Deutschlands. In seinen besten Zeiten arbeiteten mehr als 1000 Menschen hier. Die Lohnbuchhaltung der zeitweise rund 10 000 Kruppianer war hier genauso zu Hause wie die Planungsbüros für das Stahlwerk.

Als der letzte Hochofen 1993 ausgeblasen wurde, arbeiteten noch drei Jahre einige hundert Beschäftigte hier. Das Hochhaus, im Volksmund auch als „Aquarium” oder „Glaskasten” bekannt, wurde leer gezogen. 2000 verkaufte der Eigentümer, die Krupp-Immobilien GmbH aus Essen, das Gebäude an einen Investor aus den Niederlanden, das Logistik- und Warehouse-Unternehmen Zegwaard Beheer BV mit Sitz in Delft.

 
 

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