PCB in maroder Decke - Schulleiterin macht Turnhalle dicht

Sorgenvoll richten sich die Blicke von Petra Müller, Monika Hinz (Schulpflegschaft), Iris Seligmann-Pfennings (CDU-Ratsfrau) und Schulleiterin Andrea Martini-Heckhoff (v.l.) an die marode Decke der Turnhalle der Rumelner Grundschule.
Sorgenvoll richten sich die Blicke von Petra Müller, Monika Hinz (Schulpflegschaft), Iris Seligmann-Pfennings (CDU-Ratsfrau) und Schulleiterin Andrea Martini-Heckhoff (v.l.) an die marode Decke der Turnhalle der Rumelner Grundschule.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Seit mindestens 16 Jahren ist PCB-Belastung in Turnhalle der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Rumeln bekannt. Doch saniert wurde nicht. Jetzt ist die Halle dicht - die Schulleiterin hat sie am Montag geschlossen

Duisburg-Rumeln.. Leise rieselt das Regenwasser von der Decke der Turnhalle der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Rumeln-Kaldenhausen, fallen die Tropfen in ein dutzend Wassereimer auf dem Boden und unterhalb der Fenster. Seit Wochen geht das schon so. Das Dach der maroden Turnhalle ist nicht ganz dicht. Ganz dicht hat daher Schulleiterin Andrea Martini-Heckhoff am Montag die Halle für den Rumelner Schul- und Vereinssport gemacht - aus Fürsorge und Verantwortung für die rund 160 Schüler und ihre acht Lehrerinnen.

Denn es geht nicht nur um die feuchte Halle, es geht auch um ihre Gesundheit: Denn die Halle der 1966/67 gebauten Grundschule ist mit dem Umweltgift PCB belastet, insbesondere die Decke durch das das Wasser seit Wochen läuft. Das ist der Stadt, insbesondere dem zuständigen Immobilien-Management (IMD) seit mindestens 1999/2000 bekannt. Damals wurde die PCB-Belastung aller Schulen im gesamten Stadtgebiet gemessen. Auch bei der Gerhart-Hauptmann-Schule wurden das ausführende Institut Dr. Weißling GmbH und der TÜV Nord fündig.

„Mittelfristiger Sanierungsbedarf“ - seit 1999

Statt zeitnah zu sanieren gab es in den Räumen weitere PCB-Beprobungen, zwei im Jahr 2005, jeweils eine 2006 und 2008. Die meisten Messungen ergaben erhöhte PCB-Werte. Da die Messung 2008 erstmals und überraschend deutlich niedrigere PCB-Werte in der Raumluft ergab, wurde seitens der Stadt auf eine grundlegende Sanierung verzichtet. Einzig die Turnhalle wies 2008 weiter leicht erhöhte Werte auf: 307 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Raumluft, ab 300 Nanogramm besteht laut einer NRW-Verordnung Handlungsbedarf. Bei der bis heute letzten Messung im Juni 2014 stieg dieser Wert wieder auf 985 Nanogramm pro Kubikmeter. Drei Gutachten ergaben einen „mittelfristigen Sanierungsbedarf.“

Doch saniert wurde bis heute nicht, beim IMD gab es andere Prioritäten, so Elternvertreterin Petra Müller: „Seit 1999 ist die PCB-Problematik bekannt. Ferner gibt es hier und in der Umkleide Probleme mit eindringender Feuchtigkeit, mit bröckelndem Putz sowie Schimmel- und Stockfleckenbildung.“ Ein Rundgang mit der Leiterin durch die Schule, insbesondere Halle und Umkleide, bestätigt diese Aussage klar. „Alle Rektorinnen der Schule haben diese Probleme immer wieder thematisiert und immer wieder um Sanierung gebeten“, berichtet Elternsprecherin Petra Müller. „Bereits mehrfach wurde die Sanierung genehmigt, aber wieder aufgehoben. Die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung stellte mehrfach Anfragen an die Verwaltung.“ Jetzt sind Eltern und Lehrerinnen frustriert.

Eltern sammeln demnächst Unterschriften

Geändert haben die zahlreichen Anfragen und Initiativen der besorgten Eltern und Lehrer bis heute nichts. Nun wollen die Mütter und Väter der rund 160 Kinder Unterschriften sammeln, so Elternsprecherin Petra Müller.

PCB wurde in zahlreichen Gebäuden von 1955 bis 1975 verwendet, zum Beispiel auch beim Bau der Rheinhauser Heinrich-Heine-Gesamtschule. Seit 1989 ist das gesundheitsschädliche Material bundesweit verboten.

 
 

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