Okko Herlyn erklärt Katechismus

Carl Korte
Okko Herlyn stellt sein neues Buch "Was nützt es dir?" vor
Okko Herlyn stellt sein neues Buch "Was nützt es dir?" vor
Foto: Lars Heidrich
Zum 450-jährigen Jubiläum des Heidelberger Katechismus. Lehrbuch zur Bibel.

. Die Bibel kennen die meisten Menschen in dieser christlichen Zivilisation. Manchen ist sie vielleicht nur vom Namen her ein Begriff. Aber wie sind die Erkenntnisse, Lehren und Gebote, die vor ein paar tausend Jahren dem Volke Jahwes auf eine Tafel geschrieben worden sein sollen, in der heutigen Zeit zu verstehen und umzusetzen? Zum 450-jährigen Geburtstag des sogenannten „Heidelberger Katechismus“, einem führenden Lehrbuch in der evangelischen Glaubenswelt, hat nun der Rumelner Theologieprofessor Okko Herlyn eine aktuelle kleine Einführung in den Heidelberger Katechismus verfasst. Titel: „Was nützt es dir?“

Zur Zeit der Reformation übernahm der Heidelberger Katechismus, ein von Wissenschaftlern erarbeitetes sorgfältiges Lehrbuch neben Luthers Katechismus, die wichtige Aufgabe, Fragen der Gläubigen zu den einzelnen Geboten und Vorgaben der Bibel gezielt zu beantworten. Gerade am Niederrhein und im norddeutschen Raum ist dieser Katechismus (in vielen erneuerten Bearbeitungen bis heute) in Gebrauch.

Herlyn erklärt in seiner Katechis museinführung die dort gestellten 129 Fragen und bezieht deren Antworten auf den heutigen Alltag. Und dabei stellt er fest: „Die vor 450 Jahren diskutierten Themen der zehn Gebote haben auch heute im Zusammenleben der Menschen Gültigkeit.“

„Unkultur der Halbwahrheiten“

Im Unterschied zu Luthers Katechismus sei der „Heidelberger“, so Herlyn, durch einen anderen Aufbau gestaltet.“ Luther habe sich an den „Zehn Geboten“, am „Vater Unser“ und am „Glaubensbekenntnis“ orientiert. Im „Heidelberger“ werde aber eine „Ethik der Dankbarkeit“ für die eigene Existenz aufgezeichnet und die Zugehörigkeit zu Jesus Christus als Trost im Leben und Sterben - und das anhand der 129 gestellten Fragen und Antworten zu den biblischen Geboten. Beispiel: „Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten.“ Herlyn: „Das ist heute aktuell wie damals, nur in einer anderen Form. Im Internet etwa: da werden Worte gerne und schnell verdreht, da wird hinter dem Rücken anderer schlecht geredet, da pflegt man eine Unkultur der Halbwahrheiten.“

Auch das achte Gebot „Du sollst nicht stehlen“ führt Herlyn in seiner Lehrauslegung an: „Diebstahl und Betrug ist auch, wenn schlechte Ware oder falsches Gewicht im Verkauf angeboten wird.“ Zum sechsten Gebot „Du sollst nicht töten“ geht er auf die Wurzeln des Tötens ein: Hass, Neid, Zorn, Raffgier - das seien Verhaltensweisen, die ein heimliches und schleichendes Töten verursachten.

Der Unterschied zum katholischen Katechismus, so Herlyn, selbst auch evangelischer Pfarrer: „Es herrscht im Protestantismus ein anderes Kirchenverständnis.“ Tradition und Hierarchie der römischen Kirche sei der evangelischen fremd. Er selbst sehe sein kleines Werk als Einladung zum ökumenischen Gespräch, als „Ansatz der Nachdenklichkeit“, natürlich neben der Nutzung im Konfirmationsunterricht und in der Weiterbildung der Katecheten (Lehrvermittler in den Gemeinden).