Nullhundertneunzig

Die Hauptdarsteller Erich Trautmann und Verena Kosin wussten bei der Premiere ebenso zu überzeugen wie eine ganze Herrschar von Nebenfiguren.
Die Hauptdarsteller Erich Trautmann und Verena Kosin wussten bei der Premiere ebenso zu überzeugen wie eine ganze Herrschar von Nebenfiguren.
Foto: WAZ FotoPool
Vielumjubelte Premiere des neuen Stücks der Kleinen Bühne Friemersheim

Duisburg-Friemersheim.  Es geht so richtig über Tische und Bänke, bei „0190“, der neuen Boulevardkomödie der „Kleinen Bühne Friemersheim“: Alfred Brockmann hat sich an der Börse verzockt, bei dubiosen Geschäften eine Menge Geld seiner Kunden versenkt. Der Anlageberater steht vor dem Bankrott, seine Wohnung soll gepfändet werden. Zu allem Überfluss verlässt ihn auch noch Ehefrau Sylvia. Die attraktive Blondine heuert bei einem Telefonanbieter für erotische Dienstleistungen an, um die gemeinsamen Schulden bezahlen zu können. Doch dann geht das Chaos erst so richtig los...

Und zwar so: Rockmann (Erich Trautmann) versinkt im Selbstmitleid: Ich bin .“ Aus lauter Frust ruft der gescheiterte Geschäftsmann bei der 0190er Nummer von „Special Services“, einem Telefon-Sex-Anbieter an. Der hat seinen Sitz nicht nur eine Wohnung weiter im selben Wohnblock. Obendrein hat Rockmann, der sich erst mal nur ausquatschen will, ausgerechnet seine Gattin Sylvia (Verena Kosin), die sich mit „Rita“ meldet, am Hörer. Beim ersten Anruf verfremdet Alfred, der sich als „Alfons“ ausgibt, noch mit einem Taschentuch seine Stimme. Als Alfred das bei seinem zweiten Anruf vergisst, wird Sylvia klar, dass sich hinter dem vermeintlichen „Alfons“ kein Geringerer als Ehemann Alfred verbirgt. Doch Sylvia lässt sich nichts anmerken.

Der Chefin wird’s zu bunt

Beim zweiten Anruf gelingt Alfred die Stimmungswende. Angeregt lässt er „Rita“ alias Sylvia gegenüber seinen ganzen Charme spielen, verspricht ihr ein romantisches Abenteuer - genau das worauf Sylvia bei Alfred jahrelang vergeblich gewartet hat. Plötzlich gerät Sylvia in erotische Wallung. So sehr, dass es sogar „Mama“ (Kornelia Schillings), ihrer dominanten Chefin, zu bunt wird.

In der Boulevardkomödie herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Dauernd fliegen Türen auf und zu. Und ständig treten weitere Figuren auf den Plan, sorgen für zusätzliches Chaos in den Nachbar-Wohnungen. Da taucht Gerichtsvollzieher Andrea Kovac (Michael Loogen) im rosa Salon von „Special Services“ auf. Eigentlich wollte der Mann vom Amtsgericht bei Alfred einen sechsstelligen Betrag pfänden. Zu dumm, dass Kovac die Wohnungen verwechselt hat...

...genau wie Herbert Küsserath, nach eigenen Angaben „Erfinder“, in Wirklichkeit aber Vertreter für Töpfe und Pfannen. Auch Küsserath (Karl Heinz Vogt) landet mit seinem ganzen Sortiment, mit vielen großen Kartons an der falschen Adresse - statt bei „Special Services“ nebenan im Alfreds Wohnzimmer. Doch das Versehen des Vertreters bringt die Wende: Gemeinsam mit Küsserath und seinen Freunden Rita und Karl-Heinz Küppers (Goda Schregel und Knut Bald) gründet Alfred jetzt einen Vertrieb für die Töpfen und Pfannen, verkauft sie erfolgreich in alle Welt. Das Geschäft floriert, die Schulden sinken, die Stimmung steigt. Und dann gibt es auch noch ein überraschendes Happy End - doch das wird hier nicht verraten...

Horst Willems Komödie „0190“ besticht mit einer turbulenten Handlung, viel Situationskomik und Wortwitz. Die dreistündige Inszenierung der „Kleinen Bühne Friemersheim in der Regie von Herbert Grutza überzeugt durch flottes, temporeiches Spiel, trotz einiger Längen. Die Komödie lebt auch von den absurden Charakteren, die die Laienschauspieler aus Friemersheim und Rumeln durchweg gekonnt verkörpern. Das Publikum war bei der Premiere von „0190“ am Wochenende in der ausverkauften Aula der Friemersheimer Marktschule sicht- und hörbar erheitert, spendete viel Beifall, auch Szenenapplaus.

Info-Kasten:
Das unterhaltsame Theaterstück „0190“ von Horst Willems ist noch an folgenden Tagen in der Schule an der Marktstraße in Friemersheim zu sehen: Freitag, 29. November, 19 Uhr; Samstag, 30. November, 19 Uhr; Sonntag, 1. Dezember, 16 Uhr.

 
 

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